Schweiz
Ecopop-Initiative: Tabubrecher unterschiedlicher Couleur
Die Begrenzung der Zuwanderung ist traditionell eine Forderung der Rechten. Die Repräsentanten von Ecopop sympathisieren aber mit der Mitte oder mit grünen Parteien. Wer steckt hinter Ecopop?
Das Initiativ- und Unterstützungskomitee von Ecopop ist eine schillernde Gruppe. Gegen aussen vertreten zahlreiche graue Eminenzen den Verein. Darunter Philippe Roch, der langjährige Direktor des WWF Schweiz und des Bundesamts für Umwelt, oder Hans Popp, früher stellvertretender Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft. Ehemalige Universitätsprofessoren sind darunter oder auch Pro-Natura-Mitarbeiter André Welti, Präsident von Ecopop.
Die Geister von damals
Aus der Taufe gehoben wurden die Vorläufer von Ecopop Anfang der 1970er Jahre, kurz nach Beerdigung der Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach. Ecopop ist auch verwoben mit dem Namen Valentin Oehen. Er war einer der ersten Vizepräsidenten und Präsident der Rechtsaussenpartei «Nationale Aktion».
Die Geister von damals ist Ecopop bis heute nicht losgeworden. Zu Unrecht, betont André Welti. Ecopop habe mit der Ausländerfrage nichts am Hut. Man distanziere sich «explizit» von Initiativen wie von Schwarzenbach, der «Nationalen Aktion» oder den Schweizer Demokraten, die es immer auf Ausländer abgesehen hätten.
Fortpflanzung steuern
Auch politisch ist Ecopop eine bunte Gruppierung: Philippe Roch hat seine Wurzeln in der CVP, Vorstandsmitglieder stehen der Grünen Partei nahe. Sie sind wie Philipp Roch enttäuscht von den traditionellen Parteien. Die Politik stecke in einer Ideologie des Wachstums fest – «einer falschen Ideologie», so Roch. «Es gibt Grenzen, und wenn wir warten, bis die Natur rebelliert, dann wird es sehr, sehr hart für alle.»
Ecopop verbindet verschiedenste Themen und hat dadurch Unterstützer aus mehreren Ecken und entsprechend viele Kritiker. Mensch und Natur sind für Ecopop nicht mehr im Gleichgewicht – nicht nur in der Schweiz, sondern global. Deshalb will die Initiative auch die Fortpflanzung in Entwicklungsländern steuern. Auch das ein historisch sensibles Thema.
Aufgrund dieser Mischung von Themen und Ideologien werden die Ecopop-Vertreter auch als Fanatiker betitelt. Roch weist das zurück. Es brauche Feuer für ein Thema, nur so komme der Erfolg. Ein Fanatiker aber sei er nicht. «Ich liebe die Natur und ich liebe die Menschen.»
«Wir haben eine differenzierte Haltung»
Dass sie als Esoteriker oder Weltverbesserer betitelt werden, stört Ecopop-Präsident André Welti nicht. Dass es aber durch die Vielfalt an Themen und Menschen schwieriger wird, eine Botschaft zu übermitteln, daran schon. War die Verknüpfung ein Fehler? «Das kann sein», räumt Welti ein. «Wir haben eine differenzierte Haltung – und differenzierte Haltungen haben es immer schwer.»
Bei der Präsentation heute fiel das Namensschild von Philippe Roch zu Boden. Immerhin einer weniger auf der Erde meinte er – und lachte.



