Schweiz
Chur: Bischof und Kirchenparlament im Streit
Der Churer Bischof Vitus Huonder will gegen das katholische Kirchenparlament Graubündens vorgehen. Er fordert die Streichung der finanziellen Unterstützung für die Beratungsstelle «adebar», die auch bei Schwangerschaftsfragen hilft. Das Parlament unterstützt den Vorschlag nur eingeschränkt.
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Generalvikar Martin Grichting scheiterte am Mittwoch im Kirchenparlament mit dem Antrag, der Bündner Beratungsstelle «adebar» den Jahresbeitrag von 15'000 Franken wegzunehmen. Im Sinne eines Entgegenkommens beschloss das Parlament, dass «adebar» den Beitrag der Landeskirche nicht für Beratungen über Abtreibungsmethoden einsetzen darf.
Das genügt dem bischöflichen Hof nicht, wie er mitteilte: Da die Kirche gegen ihren Willen weiter mit einer Organisation in Verbindung gebracht werde, die der katholischen Lehre zuwiderhandle, beauftrage der Bischof seinen Generalvikar mit einer abschliessenden rechtlichen Klärung.
Streitthema Abtreibung
Huonder wirft «adebar» vor, «in mehreren Tätigkeitsfeldern im offenen Widerspruch zur kirchlichen Lehre» zu handeln. Unter anderem dadurch, dass die Beratungsstelle Abtreibungen begleite. Die überkonfessionelle Beratungsstelle wurde 1974 von der Bündner Frauenzentrale, den beiden Landeskirchen und dem Kanton gegründet.
«Das stimmt absolut nicht, dass wir Abtreibungen begleiten», sagte «adebar»-Leiterin Susanna Siegrist Moser. Und bei Schwangerschaftskonflikten werde die Beratung generell in keine bestimmte Richtung gelenkt.
Die rechtliche Klärung der Angelegenheit bedeutet, dass das Churer Bistum gegen den Beschluss des Kirchenparlaments klagen will. Laut Bistumssprecher Giuseppe Gracia kommen für eine Klage die Bündner Kantonsregierung oder das Verwaltungsgericht Graubünden in Frage. Ob der Bischof selber als Kläger auftreten werde, sei ebenfalls Gegenstand der eingeleiteten Klärung.
Konflikt forderte Rücktritt
Der Konflikt zwischen der Bistumsleitung und der katholischen Landeskirche hat unter anderem dazu geführt, dass Claudia Kleis-Kümin, die Präsidentin der Verwaltungskommission, Mitte Oktober ihr Amt per sofort zur Verfügung stellte. Die Präsidentin der Exekutive der katholischen Landeskirche begründete ihren vorzeitigen Rücktritt damit, dass eine Zusammenarbeit mit dem bischöflichen Ordinariat nicht mehr möglich gewesen sei.
(sda/roso;mery)



