International
«Potenzielles Kriegsverbrechen» syrischer Aufständischer
Menschenrechtsgruppen haben mit deutlicher Kritik auf ein Video reagiert, das offenbar die Erschiessung gefangener Soldaten durch syrische Aufständische zeigt. Das wäre ein Kriegsverbrechen, erklärte Amnesty International.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zeigte sich entsetzt über die Bilder. Auf einem Amateur-Video ist zu sehen, wie Aufständische anscheinend gefangene Soldaten erschiessen. Einige scheinen verwundet zu sein. Bevor sie erschossen wurden, werden die Soldaten – offenbar um die zehn – noch von den Aufständischen geschlagen und getreten.
Die Echtheit des Videos konnte zwar nicht geklärt werden, sein Inhalt stimmt aber mit anderen Berichten der Nachrichtenagentur AP aus der Gegend überein.
Tötungen sollen in Sarakeb geschehen sein
Eine regimefeindliche Aktivistengruppe berichtete, die Tötung der Kriegsgefangenen sei in der nördlichen Stadt Sarakeb geschehen. Das Video ist auf den Donnerstag datiert, an dem die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schwere Kämpfe in Sarakeb meldete.
Oppositioneller Rat legt Finanzen offen
Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) legte unterdessen seine Finanzen offen. Damit reagiert er auf Kritik von Regimekritikern. Aus der Bilanz, die in der Nacht zum Freitag unter anderem von der Oppositionswebsite «All4Syria» veröffentlicht wurde, geht hervor, dass dem SNC niemand so viel Geld gegeben hat wie das Revolutionsland Libyen.
Der Staat Saudi-Arabien habe keinen Beitrag geleistet, sagte ein SNC-Mitglied der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. Aus Saudi-Arabien seien lediglich Einzelspenden von Privatleuten gekommen.
Der Nationalrat hat den Angaben zufolge seit seiner Gründung im vergangenen Jahr insgesamt 40,4 Millionen US-Dollar an Spenden erhalten. Aus Libyen kamen 20,4 Millionen Dollar, aus Katar 15 Millionen und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 5 Millionen. 89 Prozent des Geldes sei für Hilfsprojekte ausgegeben worden, heisst es.
Die Aufständischen hatten in der Region laut Beobachtungsstelle am Donnerstag drei Militärstützpunkte eingenommen. Dabei wurden mindestens 28 Soldaten im Kampf getötet oder nach ihrer Festnahme hingerichtet.
Amnesty International bezeichnete die Video-Bilder als schockierend und erklärte, es könnte sich um ein «potenzielles Kriegsverbrechen» handeln.
UNO sieht eindeutige Hinweise
Ein Sprecher des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte sagte, das Video werde geprüft. «Die Vorwürfe sind, dass diese Soldaten (als Gefangene) keine Kämpfer mehr waren und deshalb sieht es an diesem Punkt sehr nach einem Kriegsverbrechen aus, einem weiteren,» sagte ein UNO-Sprecher.
Die Beobachtungsstelle in London verurteilte die Tötung von fast einem Dutzend Soldaten am Kontrollpunkt Hmeischo. Ihr Leiter Rami Abdullah-Rahman fragte, wie die Aufständischen Rechte beanspruchen können, wenn sie diese gleichzeitig selbst verletzen.
Die syrischen Aufständischen haben laut Aktivisten unterdessen die strategisch wichtige Region Sarakeb im Norden des Landes eingenommen. Die syrische Armee habe sich dort, südlich von Aleppo, «von ihrem letzten Stützpunkt» zurückgezogen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Nach Angaben der Londoner Aktivisten befindet sich ein Gebiet im Umkreis von rund 25 Kilometern um die Stadt Sarakeb in der Provinz Idlib herum in der Hand der Regimegegner. Durch die Region laufen wichtige Verkehrsverbindungen zwischen der Hauptstadt Damaskus und der Wirtschaftsmetropole Aleppo sowie der Küstenstadt Latakia.
Erst kürzlich hatten sie in der Provinz Idlib mehrere Stellungen der syrischen Armee zerstört. Ihr Ziel ist es vor allem, die Schnellstrasse zwischen Damaskus und Aleppo unter Kontrolle zu bringen, die ein wichtiger Nachschubweg für die Truppen von Präsident Baschar al-Assad ist.
(sda/mery/roso; muei )







