US-Wahlkampf 2012
Obama nach «Sandy» mit Vorteilen
US-Politik-Kenner ahnten es: Der Mega-Sturm «Sandy» hat den Wind im US-Wahlkampf zu Gunsten Barack Obamas gedreht. Auf der Schlussgeraden greift der Präsident auf erfolgreiche Slogans von 2008 zurück. Mitt Romney geht bereits wieder zu rhetorischen Angriffen über.
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Der amtierende Präsident Barack Obama hat von den US-Bürgern gute Noten für sein Krisenmanagement während des Hurrikans «Sandy» bekommen. Nach einer Umfrage der «Washington Post» mit dem TV-Sender ABC News waren acht von zehn Amerikanern hochzufrieden mit seiner Arbeit. Sogar zwei Drittel der potenziellen Wähler seines Herausforderers Mitt Romney lobten den Präsidenten demnach.
Umfragen sehen Obama vorne
«Die Aufmerksamkeit liegt ganz auf dem Präsidenten», sagte William Schneider von der Denkfabrik Third Way dem Radiosender npr. «Es wird jetzt etwas schwerer für Romney zu sagen, dass dies eine verfehlte Präsidentschaft ist, denn der Präsident scheint die Krise gut bewältigt zu haben.»
Real Clear Politics ist ein in Chicago ansässiges Institut, das nach eigenen Angaben Nachrichten und Meinungen zur US-Politik sammelt. Es aggregiert unter anderem die aktuellen Daten grosser US-Umfrageinstitute und bildet deren Durchschnitt ab.
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Neue Umfragen in den neun besonders umkämpften Bundesstaaten sahen Obama nach dem Sturm leicht im Vorteil. Im möglicherweise wahlentscheidenden Ohio liegt er laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des TV-Senders CBS und der Zeitung «New York Times» sogar fünf Punkte vor Romney.
Auch in den wichtigen Swing States Virginia und Florida liegt Obama vorn. Sein Vorsprung ist im Vergleich zur letzten CBS-Umfrage allerdings deutlich geschrumpft und bewegt sich nur noch im Rahmen der statistischen Fehlermöglichkeit.
Noch ein Plus für Obama: Wirtschaft legt zu
Die US-Wirtschaft hat im Oktober so viele Stellen schaffen können, wie seit acht Monaten nicht mehr. Das Vertrauen der US-Konsumenten stieg sogar auf den höchsten Stand seit Februar 2008.
Die Entwicklung am Arbeitsmarkt spielt eine entscheidende Rolle im Präsidentschafts-Wahlkampf zwischen Amtsinhaber Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney.
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Zurück zum Wahlkampf
Romney startete unterdessen nach einer durch das Hurrikan-Desaster bedingten Zwangspause erneut zum Wahlkampffinale durch. Der Republikaner ist auf Stimmenfang im hart umkämpften und ebenfalls vom Sturm heimgesuchten Bundesstaat Virginia.
Obamas Herausforderer ging bereits wieder zum rhetorischen Angriff über und machte sich über einen Vorschlag Obamas lustig, ein neues Ministerium für Wirtschaft zu schaffen. «Wir brauchen keinen Minister, der die Wirtschaft versteht. Wir brauchen einen Präsidenten, der die Wirtschaft versteht, so wie ich», sagte der Republikaner.
Bereits am Vortag hatte er mit einem Auftritt im Swing State Florida versucht, nach dem Medienereignis «Sandy» das Interesse der Wähler wieder auf sich zu lenken.
Zurück zum erfolgreichen Slogan «Change»
Auch Obama setzte seinen Wahlkampf nach drei Tagen Sturmpause fort. In Wisconsin belebte er seinen erfolgreichen Slogan «Change» von 2008 wieder. «Ich weiss wie Wandel aussieht, denn ich habe dafür gekämpft», sagte er vor etwa 2600 Zuhörern.
Sein Herausforderer Mitt Romney wolle die Wirtschaftskrise mit Mitteln lösen, die Ursache der ökonomischen Probleme seien, die er bei seinem Amtsantritt vorgefunden habe, sagte Obama. «Romney hat alle seine Talente als Verkäufer genutzt, um genau die Politik zu beschönigen, die unserem Land so sehr geschadet hat. Es ist dieselbe Politik, hinter der wir in den vergangenen vier Jahren hergeputzt haben – und das bietet er an als Wandel.» So aber sehe Wandel – «change» – nicht aus.
Tags zuvor hatte der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, mit einem dicken Lob für Obamas Krisenmanagement für Aufsehen gesorgt.
Kampf um Slogans
«Change» war neben «Hope» – Hoffnung – einer der Schlüsselbegriffe, mit denen Obama 2008 das Weisse Haus eroberte. Doch im laufenden Wahlkampf verzichtete er bislang weitgehend darauf, an diese griffigen Slogans anzuknüpfen.
Statt dessen zog Romney mit dem Versprechen durchs Land, für «wahren Wandel» – «real change» zu sorgen, sollte er am kommenden Dienstag zum Präsidenten gewählt werden.
Fünf Tage vor der Wahl schien Obama nun entschlossen, den Begriff für sich zurückzuerobern.
Anti-Obama-SMS
Unterdessen wird der Wahlkampf schmutziger: So sorgte eine SMS-Aktion einiger Romney-Unterstützer für Aufsehen in der Hauptstadt Washington. Handy-Nutzer in der demokratisch dominierten Region erhielten gegen Obama gerichtete Textnachrichten von einem anonymen Absender.
Neben Angriffen auf die Gesundheitsreform hiess es darin beispielsweise: «Obama log über Libyen» oder «Wenn Obama wiedergewählt wird, wird er Steuergelder zur Finanzierung von Abtreibung nutzen». Wie der Radiosender npr berichtete, konnten die Botschaften auf eine republikanische Beraterfirma in Virginia zurückgeführt werden.
Die TV-Spot-Schlacht
Der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf ist wie erwartet mit knapp zwei Milliarden Dollar der teuerste der Geschichte. Einer Studie des Wesleyan Media Project zufolge wurden seit August im US-Fernsehen mehr als 915'000 Werbespots nur für die Präsidentenwahl gesendet. Sie richten sich der Werbesoftware-Firma Strata zufolge insbesondere an weisse Frauen im mittleren Alter und darüber.
(dpa/fref; muei)







