International
Noch immer sechs Millionen Amerikaner ohne Strom
Bei den Aufräumarbeiten nach dem Wirbelsturm «Sandy» hat sich das erschreckende Ausmass der Zerstörung gezeigt. Die vorläufige Bilanz: Im Sturm verloren bislang mindestens 87 Menschen das Leben. Die wirtschaftlichen Folgen sind noch unklar.
Allein in den Staaten New York und New Jersey sind noch vier Millionen Menschen ohne Strom – gesamthaft sind es sechs Millionen.
Auch sonst kämpfen die Menschen mit den Folgen des Unwetters: In Manhattan mussten rund 500 Patienten des Bellevue Spitals nahe des East Rivers ebenfalls wegen Problemen bei der Stromversorgung in Sicherheit gebracht werden. Das Spital habe nach dem Sturm zunächst mit Notstrom-Generatoren funktioniert, dann seien aber auch diese ausgefallen, hiess es. Die Folge: Die Beatmung der Patienten erfolgte teilweise per Hand.
Mit dem Fahrrad zur Arbeit
Auch wirtschaftlich sucht New York die Rückkehr zur Normalität. Die Wall Street ist seit gestern wieder geöffnet. «Es ist noch keine Normalität eingekehrt. So funktionieren beispielsweise die Internetanschlüsse und Telefone noch nicht», erklärt SF-Börsenkorrespondent Jens Korte in der «Tagesschau». Die Handelssysteme seien zwar wieder in Betrieb, doch es sei schwierig mit den Kunden in Kontakt zu treten.
«Auch der Weg zur Arbeit erweist sich als recht abenteuerlich. Ich kam heute beispielsweise mit dem Fahrrad zur Arbeit und benötigte dafür etwa eine Stunde. Damit war ich recht gut bedient.» Man sehe teilweise zehntausende Menschen, die auf Busse warten. Da sei stundenlanges Warten und Geduld gefragt.
Auf die Frage der Auswirkungen des Sturms auf die US-Wirtschaft, meint Korte: «Das Ganze kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, weil Amerika gerade nach der grossen Wirtschaftskrise versucht wieder auf die Beine zu kommen.»
Wie gross der Volkswirtschaftliche Schaden sei lasse sich noch nicht genau beziffern. Die jüngsten Schätzungen gehen von einem versicherten Schaden in der Höhe von 20 Milliarden Dollar. «Das wäre nach Katrina der zweitgrösste Schaden in der Geschichte der USA. Aber der gesamtwirtschaftliche Schaden wird wohl grösser sein. Die Autokonzerne befürchten Absatzrückgänge, die Hotels und Fluggesellschaften klagen ebenfalls.» Der Schaden werde stündlich grösser. Einzig die Baubranche hoffe auf einen kleinen Boom in ein paar Monaten.
Flugverkehr normalisiert sich
Besser läuft es mit dem öffentlichen Verkehr: Die für New York so wichtige U-Bahn soll im Verlauf des Tages wieder fahren – zumindest ein paar Züge. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete angesichts der Staus an, dass nur Autos mit mindestens drei Insassen die Brücken über den East River passieren dürfen.
Auch der dritte Flughafen von New York, La Guardia, soll wieder seine Arbeit aufnehmen. Zuvor waren die Airports John F. Kennedy und Newark zumindest teilweise wieder geöffnet worden. Die Schulen sollten bis Ende der Woche geschlossen bleiben.
Angst vor Plünderungen
Die drei Kernkraftwerke in den Unwettergebieten, die im Zuge von «Sandy» vom Netz genommen worden sind, bleiben weiter ausser Betrieb. Lediglich der Reaktor Indian Point im Staat New York solle in den nächsten Tagen wieder ans Netz gehen, gab ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde NRC in Pennsylvania, Neil Sheehan, bekannt.
New York Marathon
Die trotz des Sturms geplante Austragung des New York Marathons stösst auf Kritik. Von einer eklatanten Fehlentscheidung spricht die New Yorker Senatorin Liz Krueger. «Ich verstehe, dass der Marathon der lokalen Wirtschaft Einnahmen bringt, aber seien wir ehrlich, er bindet erhebliche Kräfte. In keinem der Bezirke läuft es auch nur annähernd normal.»
Der Chef des Stadtbezirks Staten Island, James Molinaro, ergänzt: «Wenn sie laufen wollen, lasst sie für sich selbst laufen. Das ist nicht die Zeit für eine Parade.»
Am Mittwoch hatten sich die Veranstalter entschieden, den Grossanlass durchzuführen. Mehr dazu hier.
Viele der insgesamt zehntausend mobilisierten Angehörigen der Nationalgarde versuchten in New Jersey, Sturmopfern zu helfen und Schutt wegzuräumen. In West Virginia mussten die Helfer gegen den Schnee ankämpfen, der sich innerhalb weniger Stunden teilweise über einen Meter hoch aufgetürmt hatte. In Jersey City wurde wegen befürchteter Plünderungen nächtliche Ausgangssperre verhängt.
(dpa/sda/mery/muei; frua)






