Wirtschaft
Stellenabbau bei Lonza: CEO bezieht Stellung
Der Lifescience- und Chemiekonzern Lonza will in Visp (VS) allein 400 Stellen abbauen. Zudem fallen weltweit 100 Arbeitsplätze in der Verwaltung weg, davon ein Drittel in der Schweiz. Der CEO von Lonza, Richard Ridinger, erklärt gegenüber der «Tagesschau» den Stellenabbau.
Die starke Aufwertung des Frankens und Konkurrenz aus dem asiatischen Raum seien mit ein Grund für den Entscheid, sagt Lonza-CEO Ridinger. Dem Entscheid liegen lange Überprüfungen zugrunde, wie der Standort Visp wettbewerbsfähiger gemacht werden könne. Denn: «Visp ist der Standort, aus dem Lonza stammt, und er soll der stärkste bleiben.»
Trotzdem seien die Massnahmen nicht nur für Visp, sondern auch für die ganze Region schmerzhaft, sagt SF-Korrespondentin Ruth Seeholzer. «Von Lonza hängen viele kleine und mittlere Unternehmen ab.»
Sozialplan für die Betroffenen
Der Stellenabbau im Wallis zieht sich über zwei Jahre hin. Mitarbeitende des Standortes erhalten die Möglichkeit, intern neue Stellen zu finden. Ebenso werden die natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen und der Abbau temporärer Arbeitskräfte helfen, die Zahl der Kündigungen zu dämpfen.
DRS4 zum Stellenabbau bei Lonza (31.10.2012)
Susanne Giger von der DRS-Wirtschaftsredaktion ergänzt: «Jeder siebte Arbeitsplatz fällt weg.» Es werde unweigerlich auch zu Entlassungen kommen, «wie viele aber weiss man nicht».
Der Kündigungsschutz werde den vertraglichen Anforderungen wegen der verlängerten Wochenarbeitszeit entsprechen. Für die Betroffenen besteht ein Sozialplan, wie dies in der Schweiz vorgeschrieben ist. Derzeit laufen nach Lonza-Angaben Konsultationen mit den Sozialpartnern. Ergebnisse sollen im November vorliegen.
Dank Massnahmen auf Kurs
In Visp bietet Lonza derzeit rund 2800 Arbeitsplätze an. Das Ergebnis im dritten Quartal entspreche den Erwartungen und sei solide, heisst es im Lonza-Communiqué weiter. Das Sparprogramm «VispChallenge» soll die Produktivität bis 2015 um 100 Millionen Franken verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder vollständig herstellen.
Ist das Sparprogramm durchgeführt, nimmt Lonza alle Standorte unter die Lupe und wird ähnliche Verbesserungsprogramme einführen.
Personalverband und Syna üben Kritik
Lonza hatte im Herbst 2011 wegen des starken Frankens die wöchentliche Arbeitszeit um 1,5 Stunden auf 42,5 Stunden erhöht. Die Verlängerung gilt für Beschäftigte im Einzelvertrag bis Ende 2012, für Angestellte im Kollektivvertrag bis Ende Februar 2013.
Während der Dauer der Vereinbarung sicherte Lonza zu, keine Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen auszusprechen. Im Communiqué gab der Konzern an, sich an diese Vereinbarungen zu halten. Der Personalverband Angestellte Schweiz jedoch ist der Ansicht, dass das Management seine Hausaufgaben nicht gemacht habe. Eine Massenentlassung in der Geltungsdauer der Arbeitszeitverlängerung sei stossend.
Auch der Walliser Volkswirtschaftsdirektor Jean-Michel Cina reagierte mit Unverständnis für den Entscheid. Dies sei ein herber Schlag für die Walliser Wirtschaft, sagte er der Sendung «Schweiz aktuell».
Verletzung von «Treu und Glauben»
Die Gewerkschaft Unia hält den Abbau bei Lonza vor dem Hintergrund der Gewinnmaximierung für «absolut inakzeptabel». Manuel Wyss, Unia-Branchenleiter Chemie/Pharma, sagt, Lonza gebe der Arbeitnehmerseite nur zwei Wochen Zeit, um Vorschläge zur Vermeidung der Entlassungen zu erarbeiten – das sei viel zu kurz. Zu möglichen Streiks will sich Wyss nicht äussern.
Auch die Gewerkschaft Syna reagiert empört auf den Schritt. Lonza verletze «das Prinzip von Treu und Glauben». «Die Belegschaft wird zum Spielball einer kranken Renditeoptimierung», schreibt die Syna. Sie fordert den Erhalt der Arbeitsplätze und Alternativen zum Stellenabbau. Seien Kündigungen unausweichlich, dann «muss der Sozialplan mit grosszügigen Leistungen die Folgen für die Betroffenen minimieren».
(sda/sf/redaktion)



