International
Schleichende Normalisierung nach «Sandy»
Am Tag zwei nach dem Wirbelsturm «Sandy» hat sich das Leben in New York etwas normalisiert – aber nur schleppend und vor allem ausserhalb der Flutgebiete. Südmanhattan und einige Gebiete von Brooklyn und Queens sind von Normalität weit entfernt.
Mit aller Kraft haben nach dem Jahrhundertsturm «Sandy» an der US-Ostküste die Aufräumarbeiten begonnen. Die New Yorker bemühen sich um eine Rückkehr zum Alltag. Die Zahl der Toten stieg nach Medienberichten auf 50. Die Sachschäden dürften nach Schätzungen von Wirtschaftsfachleuten bis zu 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro) betragen.
Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano sagte, die Regierung bringe grosse Mengen an Hilfsgütern in die betroffenen Gebiete. «Es war einer der teuersten, wenn nicht sogar der teuerste Sturm unserer nationalen Geschichte», sagte die Ministerin.
Unklare Angaben über Todesopfer
In höher gelegenen Stadtteilen New Yorks kehrte fast wieder Normalität ein. Busse fuhren, Geschäfte öffneten. Zuvor war der öffentliche Verkehr zusammengebrochen, U-Bahnschächte liefen voll Wasser. Ein Problem bleiben die Stromausfälle. Das «Wall Street Journal» berichtete zudem von Plünderungen.
Die ersten New Yorker U-Bahnen sollen am Donnerstag drei Tage nach dem Sturm «Sandy» wieder fahren. «Es wird einen begrenzten Dienst geben mit einem Busersatzverkehr zwischen Manhattan und Brooklyn», sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.
Weil die U-Bahnt-Tunnel unter dem East River noch voll Wasser sind, müssen die Fahrgäste auf dem Weg in den anderen Stadtteil auf die Busse umsteigen.
Millionen ohne Strom
Nach CNN-Angaben waren zudem gut 24 Stunden nach dem Durchzug von «Sandy» an der Ostküste weiter sieben Millionen Menschen ohne Strom.
In New York verbrachten Hunderttausende Menschen die zweite Nacht ohne Elektrizität, viele auch ohne Wasser, Internet und Telefon. Mehrere tausend Menschen sind in den 76 Notunterkünften der Stadt untergebracht. «Wir arbeiten zurzeit 15 Stunden am Tag und das jeden Tag», sagte ein Polizist aus dem Stadtteil Brooklyn.
Im Laufe des Tages sollten in der Stadt wieder erste Fähren unterwegs sein. Die Verbindungen nach New Jersey würden teilweise wieder aufgenommen, teilte die zuständige Behörde mit. Wann auch die Fähren über den East River wieder in Betrieb gehen können, die die Insel Manhattan zum Beispiel mit dem Stadtteil Brooklyn verbinden, sagte die Behörde nicht.
Flugverkehr fast wieder normal
Der Flugverkehr zwischen der Schweiz und der US-Ostküste ist nach dem Sturm «Sandy» fast zur Normalität zurückgekehrt. Nur noch drei Flüge in Richtung US-Ostküste wurden annulliert.
Der Flughafen Zürich strich zwei Flüge nach New York, je einen von Swiss und American Airlines. Der Flughafen Genf strich einen Hin- und Rückflug von Swiss nach New York. Wegen «Sandy» waren insgesamt 15'773 Flüge von und nach der US-Ostküste ausgefallen.
Auch die New Yorker Börse wird wieder geöffnet. Die Flughäfen John-F.-Kennedy und Newark sollten ebenfalls wieder arbeiten, La Guardia bleibt vorerst geschlossen. Bahnbetreiber Amtrak kündigte an, den Fernzugbetrieb wieder aufzunehmen, wenn auch mit grossen Einschränkungen. Schulen in New York sollten dagegen auch geschlossen sein.
«Sandy» kehrt zurück
Die Veranstalter des New-York-Marathon gaben sich nach dem Wirbelsturm zuversichtlich, den Lauf wie geplant am Sonntag starten zu können. Man setze die Vorbereitungen fort, teilte Renndirektorin Mary Wittenberg mit. Erwartet werden 47‘000 Sportler aus aller Welt.
Andere Regionen in Nordamerika müssen «Sandy» noch überstehen: In den Höhenlagen der Appalachen in West Virginia brachte der Wirbelsturm bis zu einen Meter Schnee. Nach Berechnungen der Meteorologen soll der Wirbelsturm auch erneut Kanada bedrohen. Allerdings lasse die Stärke deutlich nach. Mit Hurrikan-Stärke hatte «Sandy» zuvor in der Karibik gewütet. Auch dort gab es Dutzende Tote.
(dpa/muei; roso)







