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Libysche Regierung steht
Nach wochenlanger Verzögerung hat Libyen eine neue Regierung: Das Parlament in Tripolis stimmte dem neuen Kabinett von Ministerpräsident Ali Seidan zu.
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Ein erster Versuch endete am Tag zuvor noch im Chaos, weil die Parlamentarier lautstark stritten und junge «Revolutionäre», die mehr Ämter für Politiker aus Tripolis forderten, den Saal stürmten. Seidans Vorgänger Mustafa Abu Schagur war Anfang Oktober mit seinem Vorschlag für ein Kabinett im Parlament gescheitert.
Daraufhin war der als liberal geltende Seidan mit der Regierungsbildung beauftragt worden. Seidan lebte vor der Revolution im Exil in München. Die neue Regierung umfasst 29 Minister und 3 stellvertretende Ministerpräsidenten, die einem breiten Parteienspektrum angehören.
Ihre grösste Herausforderung wird es sein, die Sicherheit im Land wieder herzustellen. Das Kabinett löst eine Übergangsregierung ab, die noch von den Führern der Revolution benannt wurde und als wenig effizient gilt.
«Jede Verzögerung hat auch ihr Gutes»
Unter Muammar al-Gaddafi, der im vergangenen Jahr von den Revolutionären erst entmachtet und dann getötet worden war, gab es in Libyen weder Parteien noch ein Parlament. Die 200 Abgeordneten des neuen Parlaments waren im Juli gewählt worden.
Der frühere Oppositionelle Ali Seidan hatte das Chaos gelassen genommen. «Jede Verzögerung hat auch ihr Gutes», zitierte er ein arabisches Sprichwort. Anders als bei seinem Vorgänger Mustafa Abu Schagur wurde diesmal nicht einzeln über jeden Minister abgestimmt, sondern einmal über die gesamte Liste.
Islamisten kritisieren Sufi-Minister
Kritik an der Kabinettsliste kam von den radikal-islamischen Salafisten. Sie erklärten laut Medienberichten, der designierte Minister für islamische Stiftungen gehöre der Glaubenschule der Sufis an und sei deshalb für sie nicht akzeptabel.
Die beiden grössten Fraktionen im Parlament – die islamistische Partei für Gerechtigkeit und Aufbau und die liberale Nationale Allianz – äusserten sich zwar kritisch zu einigen der vorgeschlagenen Minister. Am Ende trugen die Parteien, die beide an der Regierung beteiligt sind, die Kabinettsliste aber mit.
(sda/dpa/blur;roso)



