Wirtschaft
Die schmerzhafte Geschichte des UBS-Investmentbankings
Der Rückbau des Investmentbankings bei der UBS ist kein überraschender Schritt. Für die Schweizer Grossbank war der Bereich schon seit Jahren ein Sorgenkind. Laut SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp begann der Niedergang ausgerechnet mit dem Ziel, Nummer eins werden zu wollen.
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«Das Ende der alten UBS», titelte gestern der Wirtschaftsblog «Inside Paradeplatz» über den Kahlschlag beim Investmentbanking der UBS. Zwar war noch nichts Offizielles über die Restrukturierungen bekannt, doch spekuliert wurde in den vergangen Wochen schon intensiv. Und tatsächlich bedeutet die Redimensionierung eine Zeitenwende.
Grössenwahn führte zum Niedergang
Schon die Anfänge der UBS waren vom Investmentbanking geprägt. Noch im damaligen Bankverein setzte Marcel Ospel in den 90er-Jahrnen auf den Investmentbereich. Damals und in der Phase nach der Fusion mit der Bankgesellschaft – also den Anfangsjahren der UBS – wurde der Bereich mit Zukäufen gestärkt.
Magere Bilanz
Im Jahr 2000 hat die UBS das US-Finanzhaus Paine Webber für rund 20 Milliarden Franken gekauft. Marktbeobachter betrachteten dies damals schon als einen stolzen Preis. Der Bereich wurde der UBS eingegliedert. Die bittere Bilanz: Über die folgenden zehn Jahre nach der Übernahme resultierte aus dem Bereich ein Vorsteuergewinn von 2,3 Milliarden Franken. Etwa ein Zehntel der Kaufpreises.
Doch genau im Ausbau lag das Problem, wie SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp sagt: «Letztlich hat der Niedergang der UBS begonnen, als man 2005 die Devise herausgegeben hat, im Investmentbanking global die Nummer eins werden zu wollen.» Dieser Grössenwahn habe indirekt dazu geführt, dass die Bank 2008 vom Schweizer Staat gerettet werden musste.
Kommt hinzu, dass insbesondere auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma mittlerweile für Investment-Banken nun eine deutlich höhere Kapitalbasis verlangt. Das gehe ins Geld und führe dazu, dass viele Geschäfte gar nicht mehr profitabel zu betreiben sind, so Lipp.
Teures Geschäft
Die Investmentbank braucht für ihre Finanzmarktgeschäfte vergleichsweise viel Kapital. Das garantiert jedoch noch keine guten Erträge. Zudem sind die Gehälter der Investmentspezialisten immer noch sehr hoch.
Laut Analysten der Bank Sarasin erzielt die Investmentbank mit 50 Prozent des UBS-Kapitals eine Rendite von 5 Prozent. Zum Vergleich führt Sarasin an, dass die Vermögensverwaltung unter Umständen mit 8 Prozent des Kapitals eine Rendite auf den eingesetzten Mitteln von über 60 Prozent erreicht.
Umbau keine Erfindung Ermottis
Die Zeichen standen in der UBS somit schon länger auf Umbau. Mitte November 2011 hatte Konzernchef Sergio Ermotti bei seinem Amtsantritt bereits eine Verkleinerung des Investmentbereichs angekündigt. Diesen Juli beklagte er, dass die reichen Kunden gelähmt seien von der Angst, an den Finanzmärkten Geld zu verlieren. Und im September sagte Ermotti der Zeitung «Finanz und Wirtschaft», er wolle niemanden auf bessere Zeiten vertrösten, sondern das Gechäftsmodell an die neue Realität anpassen.
Ermotti und die UBS hatten die Zeichen also schon länger erkannt – sich bisher jedoch gegen allzu radikale Schritten gesträubt. Noch sein Vorgänger Oswald Grübel setzte auf das Investmentbanking bevor der Fall Adoboli auch ihn zur Umkehr zwang. Laut SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp ist die jetzige Verkleinerung auch keine Erfindung Ermottis: «Der Trend geht international dahin, dass Investment-Banken verkleinert werden», so Lipp.
Ermotti dürfte mit dem Schritt Mühe haben
Tatsächlich stelle sich die Frage, wie viel Investment-Banking Vermögensverwaltungskunden tatsächlich brauchen. «Theoretisch könnte man das Vermögensverwaltungsgeschäft sogar ohne hauseigene Investment-Bank betreiben», so Lipp. Die Bank Julius Bär beispielsweise mache genau dies. Man könne ja gewisse Investmentbanking-Dienstleistungen bei anderen Investment-Banken einkaufen.
Der Umbau wird laut Lipp innerhalb der UBS mitgetragen: «Im Private Banking und im Geschäftsbereich Schweiz waren viele Mitarbeiter schon lange der Meinung, dass die angelsächsischen Investment-Banker in New York und London zu hoch entlöhnt worden sind.» Nun scheint aber auch eine Mehrheit des Verwaltungsrats dazu bereit zu sein, radikale Massnahmen zu treffen. Dass ausgerechnet der ehemalige Investment-Banker Ermotti nun diese Umbauschritte vornehmen muss, dürfte diesem Mühe bereiten, so Lipp.



