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International

Verhilft «Sandy» Obama zur Wiederwahl?

Dienstag, 30. Oktober 2012, 10:09 Uhr, Aktualisiert 20:49 Uhr

Starke Auftritte von Präsidenten in Notlagen suggerieren dem Volk Sicherheit. Ein Bedürfnis, von dem US-Präsident Obama nun profitieren kann. Als oberster Krisenmanager ist er bereits gelobt worden – ausgerechnet von einem republikanischen Schwergewicht.

Noch bevor Hurrikan «Sandy» über das Land fegte, wendete sich das Staatsoberhaupt der USA mit ruhigen und klaren Anweisungen an sein Volk. «Bitte tun Sie, was die lokalen Behörden verlangen. Wenn Sie zum Evakuieren aufgefordert werden, dann tun Sie das», sagte Barack Obama mit festen Blick in die Fernsehkameras des Weissen Hauses.

Romney betet derweil für sein Volk

Der Präsident hat bis auf weiteres den Wahlkampf unterbrochen und reist nun zu den Betroffenen. «Im Moment geht es nicht um Wahlen», hatte er bereits am Montag klar gemacht. Heute bezeichnete Obama beim Besuch der Zentrale des Roten Kreuzes in Washington die Folgen der Sturmkatastrophe als «herzzerreissend». Er sprach der Bevölkerung gut zu und versicherte den Betroffenen: «Amerika steht auf eurer Seite».

«Meine wichtigste Mitteilung an die Opfer ist: Amerika ist auf eurer Seite», sagte Obama in Washington (englisch)

Während «Sandy» dem US-Präsidenten die Chance gibt, sich seinem Volk als starken Mann zu präsentieren, der alles im Griff hat, kann sein Widersacher Mitt Romney das Geschehen quasi nur von ausserhalb des Machtzentrums kommentieren und: beten.

«An der Ostküste unseres Landes machen die Menschen eine schwere Zeit durch», sagte er am Montagabend. «Mit unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei ihnen.»

Lob für Obama – von einem Republikaner

Für sein Krisenmanagement erhielt Obama bereits ein dickes Lob. Nicht etwa von einem seiner Parteigenossen, sondern von Chris Christie, dem republikanischen Gouverneur von New Jersey höchstpersönlich und zwar überschwänglich.

«Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken, während wir uns von dem Sturm erholen», schrieb Christie im Kurznachrichtendienst Twitter mit Blick auf seinen politischen Widersacher. In Fernsehinterviews bekräftigte der Republikaner sein Lob: «Der Präsident war grossartig, ich habe gestern drei Mal mit ihm telefoniert, zuletzt hat er mich um Mitternacht angerufen und gefragt, was wir brauchen.» Die Zusammenarbeit sei «sehr gut» gewesen, sogar «wundervoll».

Christie gilt im Präsidentschaftswahlkampf als einer der wichtigsten Fürsprecher von Romney. New Jersey, der Nachbarstaat von New York, ist besonders hart vom Wirbelsturm Sandy getroffen worden. Zahlreiche Gebiete wurden überflutet. Laut Christie sind dort mehr als zwei Millionen Einwohner ohne Strom.

Präsident Obama oder Kandidat Obama?

Trotz Profilierungschance und dickem Lob: Gewonnen hat Obama die Präsidentschaftswahl deswegen noch nicht. Das Unwetter berge nämlich auch Tücken für den Amtsinhaber, gibt US-Korrespondent Arthur Honegger in der «Tagesschau» zu Bedenken.

Profitiert Obama von Hurrikan «Sandy»? (Tagesschau, 29.10.2012)

«In erster Linie schüttelt ‹Sandy› den Terminplan der Kandidaten gehörig durch. Normalerweise würden Obama und Romney in den umkämpften Staaten eine Rede nach der anderen halten. Das ist nun aber nicht möglich, allein schon weil die Flugzeuge nicht fliegen, aber auch weil die Politik im Katastrophenfall stillsteht.»

Eine grosse Frage sei, so Honegger, «wann Präsident Obama wieder vom Präsidenten zum Kandidaten wird und wann er wieder in die politisch wichtigen Staaten reisen kann». Tue er das zu früh und ignoriere er jene Staaten, die grosse Sturmschäden zu beklagen hätten, die aber politisch keine wichtige Rolle spielten, dann wirke Obama schnell mal berechnend.

«Tut er aber das Gegenteil, bleibt ganz Präsident und lässt den Wahlkampf links liegen, dann hat Romney in den umstrittensten Staaten freies Feld.»

Besuch in Jersey

Im Moment scheint Obama sich eher als Präsident und nicht als Kandidat zu verhalten: Wahlkampfauftritte wurden abgesagt. Der Präsident werde am Mittwoch nicht in den Bundesstaat Ohio reisen, um seine geplanten Kundgebungen abzuhalten, teilte das Weisse Haus mit. Dagegen werde er nach New Jersey reisen, um sich mit Chris Christie ein Bild von der Lage zu machen.

Den Wahlkampf überlässt Obama vorerst der First Lady, seinem Vizepräsident Joe Biden und Ex-Präsident Bill Clinton.

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«Sandy» richtet grossen Schaden an

Der Wirbelsturm «Sandy» hat die US-Ostküste mit voller Wucht getroffen und dort schwere Schäden angerichtet. Dutzende Menschen wurden getötet. In mehreren AKW kam es zu Störfällen. Teile von New York sind überflutet und ohne Strom. Hier mehr.

(sf/dpa/godc/hues; meru)