International
«Sandy» richtet riesige Schäden an – 3 AKW abgestellt
Der Wirbelsturm «Sandy» hat die US-Ostküste mit voller Wucht getroffen und schwere Schäden hinterlassen. Mindestens 29 Menschen wurden getötet, Häuser standen in Flammen. Zwei AKW mussten wegen dem Sturm abgeschaltet werden.
Als direkte Folge des Hurrikans wurden in der Nacht die Reaktoren Salem 1 in Hancocks Bridge (Bundesstaat New Jersey) sowie Nine Mile Point 1 in Scriba und Indian Point 3 in Buchanan (beide New York) vom Netz genommen. Ursache seien Probleme mit der internen Stromversorgung nach «Sandy», teilte NRC mit.
Börsen nehmen Handel wieder auf
Im Gegensatz zu den Atomkraftwerken zeichnet sich bei den Börsen in New York eine Besserung der Lage ab: Am Ring der New Yorker Börse wird der Handel am Mittwoch wieder aufgenommen, und auch der elektronische Handel an der Technologie-Börse Nasdaq startet zu diesem Zeitpunkt wieder.
Nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg sind alleine in New York zehn Menschen Hurrikan «Sandy» zum Opfer gefallen. Weitere Todesopfer wurden aus New Jersey, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut, aber auch aus Kanada gemeldet. Einige der Opfer wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Mehrere Kinder kamen ums Leben. In Toronto wurde eine Frau von einem herabstürzenden Schild erschlagen.
Häuser in Flammen
In New York hielten Brände die Einsatzkräfte in Atem. Mehr als 50 Häuser wurden im Bezirk Queens von den Flammen zerstört, wie die New Yorker Feuerwehr mitteilte. Die Ursache der Feuer war unklar. Im Bundesstaat New Jersey brach CNN zufolge ein Damm. Hunderte Menschen wurden dort in Sicherheit gebracht.
Mindestens 6,2 Millionen Menschen waren in der Region ohne Strom. Allein im New Yorker Stadtteil Manhattan fiel in 250'000 Haushalten die Elektrizität aus. In einem New Yorker Umspannwerk gab es eine Explosion. Bilder zeigten einen gewaltigen Feuerball aus der Anlage in der Lower East Side von Manhattan. Von Verletzten ist nichts bekannt.
Hurrikan-Hotspot New York
New York City ist seit über 100 Jahren von Hurrikanen mehr oder weniger verschont geblieben. Ganz anders sah es aber im 19. Jahrhundert aus, zwischen 1821 und 1893 sorgten mehrere Hurrikane in New York für grosse Schäden! Lesen Sie hier mehr
Im New Yorker Universitätsspital Tisch mussten mehr als 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem dort auch das Notstromaggregat ausgefallen war.
Bloomberg: «Stromausfall kann dauern»
Das Schlimmste ist inzwischen vermutlich überstanden, sagte Beat Soltermann, USA-Korrespondent von Radio DRS. Der New Yorker Bürgermeister Bloomberg habe allerdings die Bewohner der Metropole davor gewarnt, vor die Häuser zu gehen.
Bloomberg sagte, dass der Stromausfall noch Tage anhalten könne: «Zuerst einmal muss das Wasser weg sein. Und das kann dauern.» Nach Angaben des Stromversorgers Consolidated Edison könnte es bis zu einer Woche dauern, bis alle Konsumenten wieder am Netz sind. Überflutet ist vor allem Süd-Manhattan. Abgerissene Stromkabel seien eine enorme Gefahr, sagte der Bürgermeister.
US-Präsident Barack Obama habe dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren, so der Korrespondent weiter. Die Aufräumarbeiten werden laut Soltermann sicher mehrere Tage in Anspruch nehmen. Das Ausmass der Schäden sei schwer abzuschätzen, Schätzungen beliefen sich auf bis zu 20 Milliarden Dollar.
Alarm in AKW ausgelöst
Im Atomkraftwerk Oyster Creek südlich von New York ist wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels Alarm ausgelöst worden. Das Kraftwerk im Bundesstaat New Jersey sei zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen, so die US-Atomaufsichtsbehörde NRC.
Wind, Sturmflut und Regen hätten das Wasser zunächst stark anschwellen lassen. In den folgenden Stunden sollte es aber rasch ablaufen, hiess es. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz und das älteste laufende Atomkraftwerk der USA.
Wasser in Tunnel und U-Bahnen
In New York strömte das Hochwasser auch in die U-Bahn-Schächte. Der Fernsehsender CNN zeigte einen überschwemmten Metro-Eingang. Die Verkehrsbehörde MTA bestätigte erste Berichte, wonach die Tunnel unter dem East River betroffen seien. Man wisse aber noch nicht, wie hoch das Wasser unter der Erde angestiegen sei, hiess es. Andere Sender berichteten, dass das Wasser 1,20 Meter hoch in den Tunneln stehe.
Der Battery-Tunnel, Nordamerikas längster Strassentunnel, lief ebenfalls voll Wasser. Er liegt unter dem East River und verbindet den Stadtteil Manhattan über drei Kilometer mit Brooklyn. Auch am Ground Zero, wo einst die Türme des World Trade Centers standen, strömte Wasser in eine Baugrube.
Rechtzeitig vor dem aufkommenden Sturm war der U-Bahn-Verkehr auf unbestimmte Zeit eingestellt worden. Die Verkehrsbehörde MTA dementierte Spekulationen, wonach es mindestens eine Woche dauern werde, bis die Metro wieder fahren könne.
Hundertausende evakuiert
Der durch den Sturm betroffene Küstenstreifen von Maine bis nach South Carolina ist mehr als 1100 Kilometer lang. Hunderttausende Menschen waren angewiesen worden, sich in Sicherheit zu bringen. Umgestürzte Bäume legten schon am Montag in zahlreichen Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington Stromleitungen flach.
Die Bundesbehörden in Washington sollten wegen des Unwetters den zweiten Tag in Folge geschlossen bleiben. Auch der Handel an der Wall Street in New York wurde erneut abgesagt. US-Medien zufolge waren mehr als 2,8 Millionen Haushalte ohne Elektrizität. Der Küstenstaat Delaware erliess ein Fahrverbot. Das auf Risikobewertungen spezialisierte Unternehmen Eqecat rechnete damit, dass 60 Millionen Menschen von dem Sturm betroffen sein dürften.
Die teuersten Hurrikane seit 1980
| Jahr |
Schäden in Mrd. $ |
Tote |
| 2005 Katrina |
125 |
1322 |
| 2008 Ike |
30 |
86 |
| 1992 Andrew |
26,5 |
62 |
| 2004 Ivan |
18 |
53 |
| 2004 Charley |
16 |
31 |
| 2005 Rita |
16 |
10 |
| 2005 Wilma |
16 |
21 |
(agenturen/red; godc)



