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Langer Weg zurück zur Normalität nach «Sandy»

Dienstag, 30. Oktober 2012, 21:16 Uhr, Aktualisiert 31.10.2012, 5:31 Uhr

Während der Wirbelsturm «Sandy» ins Landesinnere weiterzieht, offenbaren sich an der US-Ostküste langsam die massiven Schäden. Am schwersten traf es die Bundesstaaten New Jersey und New York. Millionen Haushalte sind ohne Strom, Dutzende Menschen starben. «Sandy» verursachte Sachschäden in Höhe von bis zu 20 Milliarden Dollar.

Mindestens 40 Menschen seien ums Leben gekommen, teilten die Behörden mit. Allein 18 Menschen starben in der besonders schwer getroffenen Millionenmetropole New York. Todesopfer gab es auch in den US-Bundesstaaten New York, Massachusetts, Maryland, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Virginia und West Virginia sowie im kanadischen Toronto. Auf seinem Zug durch die Karibik hatte der Hurrikan zuvor 69 Tote hinterlassen.

«Sandy» verwüstet US-Ostküste (Tagesschau Hauptausgabe, 30.10.2012)

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sprach von dem vielleicht schlimmsten Sturm, «den wir je hatten». Mindestens 750‘000 Menschen seien im Stadtgebiet ohne Strom, viele auch ohne Heizung. Der ansonsten hell erleuchtete Finanzdistrikt im Süden Manhattans wurde in gespenstisches Dunkel getaucht, weil der Strom ausfiel oder vorsichtshalber abgeschaltet wurde.

Börsen nehmen Handel wieder auf

Bei den Börsen in New York zeichnet sich nach zweitätgigem Unterbruch eine Besserung der Lage ab: Am Ring der New Yorker Börse wird der Handel wieder aufgenommen, und auch der elektronische Handel an der Technologie-Börse Nasdaq startet wieder.

An hunderten Stellen waren Stromleitungen beschädigt. Eine Explosion in einem Umspannwerk in der New Yorker Lower East Side verschärfte die Lage noch weiter. Wegen der Überschwemmungen haben viele Menschen in New York kein Trinkwasser.

US-Präsident Barack Obama macht derweil Druck auf Elektrizitätsunternehmen, damit nach Wirbelsturm «Sandy» die Menschen bald wieder Strom haben. Bei einem Treffen mit Chefs von Energiefirmen im Weissen Haus habe er betont, dass die Wiederherstellung der Stromversorgung oberste Priorität habe, teilte das Weisse Haus mit.

Rückkehr zur Normalität wird dauern

Eine schnelle Normalisierung in der Stadt kann sich SF-Korrespondentin Karin Bauer in New York vorderhand nicht vorstellen: «Die Rückkehr zur Normalität wird nicht heute und wahrscheinlich auch nicht morgen sein.» Allerdings hänge die Lage der Bewohner stark mit ihrem Wohnort zusammen.

SF-Korrespondentin Karin Bauer zur Lage in New York (Tagesschau Hauptausgabe, 20.10.2012)

Während in der Gegend Uptown rund um den Central Park wohl bald wieder Normalität einkehren werde, gelte in Downtown Manhattan mit dem Finanzdistrikt und beliebten Ausgeh-Quartieren der Ausnahmezustand. Die New Yorker reagierten trotzdem beinahe schon mit stoischer Ruhe auf die Zerstörung.

Schwerste Schäden an U-Bahn

An der Südspitze Manhattans stieg die Flut etwa 4,30 Meter über Normal – das ist gut ein Meter mehr als beim bisherigen Rekord von 1960. Das Wasser lief in Sturzbächen in die Tunnel, die die Insel mit Brooklyn verbinden. In vielen U-Bahn- und Strassentunneln stand das Wasser in der Nacht mehr als ein Meter hoch.

Wahrscheinlich dauert es mehrere Tage, bis die Bahn wieder fährt. Die New Yorker Verkehrsbetriebe sprachen von der schwersten Zerstörung in der 108jährigen Geschichte der U-Bahn.

«Sandy» wird zum «Winter-Zyklon»

Kalte Luft hat «Sandy» neuen Schwung verliehen, während das Zentrum Richtung Kanada weiterzieht. Ausläufer des Monstersturms haben im Bundesstaat West Virginia und in den Appalachen mit starkem Schneefall und Sturmböen Chaos ausgelöst.

Präsident Barack Obama erklärte Teile der Bundesstaaten New York und New Jersey zu Katastrophengebieten. Mit dieser Massnahme gibt die US-Regierung zusätzliche Hilfsgelder für betroffene Bürger sowie für Hilfsorganisationen, Firmen und lokale Behörden frei, wie das Weisse Haus mitteilte. Obama selber will sich am Mittwoch im Bundesstaat New Jersey selbst ein Bild der Schäden machen.

Obama reist nach New Jersey

Der Sturm fällt mitten in den Endspurt des US-Wahlkampfs zum 6. November. Während der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney in Florida mehrere Wahlkampfveranstaltungen abhalten will, reist Obama in besonders schwer getroffene Überschwemmungsgebiete im Bundesstaat New Jersey – ein Hauch von Wahlkampf ist aber auch dort dabei .

Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, lobte Präsident Obama jedoch ausdrücklich für sein Krisenmanagement. «Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken, während wir uns von dem Sturm erholen», schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

«Sandy» traf am Montagabend bei Atlantic City auf die Küste. Die Kasinostadt wurde überschwemmt, die historische Uferpromenade aus Holz teilweise weggespült. Der Sturm zog dann über Pennsylvania nach Norden weiter und schwächt sich nur langsam ab.

Überflutungen werden Milliarden kosten

Der Wirbelsturm richtete nach Expertenschätzung Schäden zwischen 10 und 20 Milliarden US-Dollar an. Die endgültige Summe könnte allerdings noch wesentlich höher liegen, wenn etwa Einnahmeausfälle von Unternehmen mitgerechnet werden, berichtete der TV-Sender CNN. Die Hälfte der Schäden dürfte jedoch versichert sein, teilte der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat mit. Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re rechnet damit, dass vor allem die Überflutungen teuer werden.

10 Millionen Dollar Soforthilfe

Das US-Verkehrsministerium gibt New York zehn Millionen Dollar Soforthilfe für Reparaturen an Strassen, Brücken und U-Bahn-Tunneln, die durch den Sturm «Sandy» beschädigt worden sind.

Weitere drei Millionen Dollar erhält der Staat Rhode Island, wie es in einer Mittelung des Ministeriums heisst. Demnach bekommen beide Staaten voll die von ihnen angeforderten Sofortmittel – und mehr Gelder, auch für andere betroffene Staaten, würden folgen.

Private Wohngebäude seien dabei grösstenteils über einen staatlichen Pool abgesichert, bei Industrie und Gewerbe dagegen müssten in der Regel private Versicherer geradestehen. Es werde aber Tage oder sogar Wochen dauern, bis die Schäden von «Sandy» abzuschätzen seien.

(dpa/reu/sf/buet/weis;gern)