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Der Erde stehen heftige Sonnenstürme bevor

Sonntag, 28. Oktober 2012, 2:47 Uhr

Sonnenstürme können unsere hochmoderne Technik ausser Gefecht setzen. Wie schlimm es wird, ist unklar. Klar ist aber: Heftige Sonnenstürme drohen, und zwar schon bald.

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Die Sonne ist weit weg, 150 Millionen Kilometer entfernt. Wenn dort aber ein heftiger Sonnensturm losbricht und Richtung Erde rast, droht Gefahr. Bald könnte es besonders kritisch werden.

«2013 oder 2014, vielleicht auch 2015», meint Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. «Es wird mit Sicherheit zu heftigen Sonnenstürmen kommen.»

Bild Sonne
2003 legte die gestiegene Sonnenaktivität Stromnetze in Schweden lahm. reuters

Stromausfall in Schweden

Etwa alle elf Jahre geht es auf der heissen Sonne besonders hoch her. Gigantische Wolken bedrohen den blauen Planeten. «Als erstes trifft es die Satelliten», sagt Curdt. Das Szenario dort oben: «Kurzschlüsse, Computerabstürze. Funk-Verkehr kann gestört werden.» Flugzeuge müssen dann auf bestimmten Linien am Boden bleiben.

Auch die Stromversorgung kann es erwischen. So die Erfahrungen, wie etwa 2003. Durch einen besonders schnellen Sonnensturm kam es zu einem mehrstündigen Stromausfall in Schweden, zu einem Ausfall des europäischen Flugradars und zum Verlust des Forschungssatelliten «Midori 2». Die Termine von Flügen in den USA wurden durcheinandergewirbelt.

Polarlichter wegen Sonnen-Eruption (Tagesschau, 18.02.2011)

«Alarm muss sofort gegeben werden»

Bei Sonnenstürmen sind die Auswirkungen laut Esa insbesondere in der Arktis, dem nordwestlichen Teil von Russland, Finnland, Skandinavien, Island und Grönland am grössten. Bei besonders intensiven Stürmen reichen die Auswirkungen bis zu uns nach Mitteleuropa.

Wie schlimm wird es diesmal? «Dazu bräuchte ich hellseherische Fähigkeiten», meint Volker Bothmer von der Universität Göttingen. Der Astrophysiker gehört zum internationalen Team von «Stereo». Diese zwei Satelliten beobachten wie Späher die Sonne. Ein bis zwei Stunden nach einem Sturm sei klar, «ob uns was droht». Auswirkungen auf der Erde könnten nach 12 bis 24 Stunden zu spüren sein. «Alarm muss sofort gegeben werden.»

Neuer Satellit auf Sonnen-Mission (Einstein, 25.02.2010)

Gegen Panikmache

Eine Weltuntergangsstimmung sollte nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht heraufbeschworen werden. «Es kann aber sein, dass die Welt für fünf Minuten den Atem anhält», meint Andreas Ottenbacher vom Esa-Kontrollzentrum (Esoc). Theoretisch könne «der volkswirtschaftliche Schaden immens sein». Der Meteorologe Ottenbacher sieht es aber eher gelassen: «Vermutlich muss ich das Handy einfach mal ausschalten und dann wieder einschalten.»

Sonnenstürme auf unserem Zentralgestirn sind normal. Gasblasen schiessen hoch wie beim Kochen. Eine Wolke rast mit durchschnittlich 1000 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu. Deren Magnetfeld wird an manchen Stellen gequetscht, an anderen gedehnt. Früher merkte die Menschheit praktisch nichts. Damals gab es noch keine hochmoderne Technik, die sensibel auf Sonnenstürme reagiert auch keine Astronauten, die sich vor dem Sonnensturm sicherheitshalber in einen geschützteren Bereich ihren Raumstation zurückziehen.

Bild Lichterscheinung am Himmel
Auch durch Sonnenstürme werden Lichterscheinungen («Aurora Borealis» in Kanada) ausgelöst. keystone/archiv

Erneuerbare Energien sind weniger anfällig

«Wir werden mit zunehmender Technik immer anfälliger», stellt Curdt fest. «Wir sind uns aber auch der Gefahren viel mehr bewusst.» Auch bei dem womöglich grössten Schaden durch einen Blackout bei der Stromversorgung warnen Wissenschaftler vor Panikmache. «Diese Gefahr sehe ich eher als gering an», sagt Curdt. «Da ist die Gefahr durch eine Sabotage grösser.»

Zum Thema Stromversorgung gehört auch das Stichwort Energiewende. Für Bothmer wird die Möglichkeit eines Sonnensturms zu wenig einkalkuliert. «Es geht um eine Risikoabschätzung, um ein risikofestes Netz.» Erneuerbare Energien sind nach Ansicht von Curdt «grundsätzlich unanfälliger.» Denn: «Je dezentraler die Versorgung, desto kleiner die grossräumigen Auswirkungen.»

(dpa/halp;horm)