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«Mega-Blackout» in Brasilien: Über 50 Mio. sitzen im Dunkeln

Samstag, 27. Oktober 2012, 3:58 Uhr

Der schwerste Stromausfall seit über zehn Jahren hat am Donnerstag und Freitag grosse Teile Brasiliens lahmgelegt. Bis zu 53 Millionen der 194 Millionen Brasilianer sassen im Dunkeln oder konnten wegen fehlender Elektrizität nicht arbeiten.

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Ganze Industriezweige mussten eine Zwangspause von bis zu vier Stunden einlegen. Dieser und frühere Stromausfälle haben Zweifel an der Fähigkeit des Landes mit einer rasch wachsenden Wirtschaft geweckt, 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und zwei Jahre später die Olympischen Sommerspiele auszurichten.

Bild Leute in einer dunklen Bar
Nur von Kerzenlicht erhellte Bar an der Copacabana in Rio. keystone/archiv

Zum dritten Mal in wenigen Wochen ist damit in grossen Teilen Brasiliens der Strom ausgefallen. Diesmal waren neun Bundesstaaten im Nordosten des grössten südamerikanischen Landes betroffen. Der Blackout begann am Freitag um kurz nach Mitternacht. Erst vier Stunden später war die Stromversorgung zu 70 Prozent wieder hergestellt, wie die zuständige Behörde mitteilte.

Vorwurf an die Regierung

«Das ist einer modernen Industrieproduktion nicht würdig», kritisierte Jose de F. Mascarenhas, der Chef des Industrieverbandes im besonders betroffenen Bundesstaat Bahia. Es handele sich um eine Katastrophe, die sich immer wiederhole. Die in Bahia federführende petrochemische Industrie werde tagelang nicht produzieren können. Die Regierung tue nicht genug, die Stromnetze zu warten.

Bild Autolicht in einer Strasse
Einzig Auto-Scheinwerfer spenden während des Stromausfalls ein wenig Licht in der Millionenmetropole Sao Paulo keystone/archiv

Um den wachsenden Strombedarf zu befriedigen, plant die Regierung bis 2020 den Bau von 48 neuen Wasserkraftwerken. Kritiker werfen dem Land mit der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas vor, nicht genug in die Infrastruktur zu investieren. «Wenn Sie die Wirtschaft jedes Jahr um fünf Prozent wachsen lassen wollen, müssen sie Jahr für Jahr fünf oder sechs Prozent mehr Strom bereitstellen. Wenn Sie das nicht tun, riskieren Sie Stromausfälle wie jetzt», sagte Neil Shearing von Capital Economics in London.

Minister: Solche Episoden sind nicht normal

Die Ursache für die neuerlichen Zwischenfälle war zunächst noch unklar, möglicherweise führte ein Kurzschluss zu einem Brand in einer Generatorenstation.

Es war der dritte «Blackout» seit Ende des vergangenen Monats. Am 22. September war ebenfalls der Nordosten von einem Stromausfall betroffen und am 3. Oktober traf es dann mehrere südliche Bundesstaaten. Brasiliens amtierender Energieminister Márcio Zimmermann sagte: «Solche Episoden sind nicht normal, schon gar nicht ein solches Zusammentreffen.»

Gigantischer Stromausfall in Brasilien (Tagesschau, 11.11.2009)

Gigantischer Stromausfall im November 2009

Im November 2009 war es bereits zu einem gigantischen «Blackout» in Brasilien gekommen. Damals waren etwa 40 Millionen Menschen in 800 Städten betroffen. Tausende Menschen blieben in Fahrstühlen, U-Bahnen und Vorortzügen stecken, der Autoverkehr brach wegen ausgefallener Ampeln zusammen und die Polizei wurde wegen befürchteter Verbrechen in Alarmbereitschaft versetzt. Nur grössere Bürogebäude und Hotels mit Notstromaggregaten waren erleuchtet.

Die grösseren Flughäfen, die über Notstromgeneratoren verfügen, konnten einen Notbetrieb aufrechterhalten. Das Telefonnetz brach jedoch weitgehend zusammen. Nur Handys waren noch erreichbar.

(agenturen/halp;roso)