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Schweiz

Sportbetrug: Maurer will «Auswüchse» bekämpfen

Interview: DRS-Inlandredaktor Peter Maurer
Freitag, 26. Oktober 2012, 10:01 Uhr

Bundesrat Ueli Maurer fordert eine Strafnorm gegen Betrug im Sport. Sportverbände sollen damit im Kampf gegen Doping und Korruption unterstützt werden, sagt der Sportminister im Gespräch mit Schweizer Radio DRS.

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Herr Bundesrat Maurer, der Präsident des Radweltverbandes hat diese Woche gesagt, man müsse den Dopingsünder Lance Armstrong schnell vergessen. Werden so die grossen Skandale im Sport gelöst?

Man darf es dann vergessen, wenn man inzwischen Massnahmen getroffen hat, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann. Hier müssen wir ehrlicherweise sagen, dass noch viel zu tun ist.

In der Schweiz haben fast 60 internationale Sportverbände ihren Sitz. In Korruptionsfällen sind diese Organisationen rechtlich praktisch unantastbar. Finden Sie das richtig?

Wir liefern einen Bericht an den Bundesrat, der fordert, dass auch Korruption im Sport bestraft werden soll. Allerdings braucht es auch internationale Übereinkommen, damit das wirklich griffig wird.

Das heisst, der Bundesrat will eine neue Strafnorm für den Sport?

Wir schlagen dem Bundesrat vor, in diese Richtung tätig zu werden und dazu die internationale Zusammenarbeit zu suchen.

Also eine Strafnorm für Bestechung, für Sportbetrug?

Das müsste juristisch auseinandergehalten werden. Korruption und Bestechung ist das eine. Sportbetrug, also ein Ergebnis zu verfälschen, ist das andere. Dazu müsste ein Straftatbestand geschaffen werden. Wir gehen davon aus, dass es solche Mittel braucht, um Sportverbände, die sich aber selbst regulieren müssen, zu unterstützen, wenn alle Dämme brechen.

Die Sportverbände mit Sitz in der Schweiz zahlen keine Steuern und werden wie ein Kaninchenzüchterverein behandelt. Wie lange kann sich die Schweiz das noch leisten?

Um solche internationalen Sportverbände kämpfen andere Länder. Es dient dem Ansehen der Schweiz, wenn solche Verbände bei uns sind. Wir sind dadurch ein Sportland. Und wir dürfen nie vergessen: Es ist nicht alles schlecht im Sport, sondern das Allermeiste ist gut. Es geht darum, Auswüchse zu bekämpfen.

Der Bundesrat will das Korruptionsstrafrecht verschärfen. Unklar ist offenbar, ob diese internationalen Sportorganisationen auch unter das Recht fallen. Was ist Ihre Meinung?

Das ist tatsächlich eine juristisch schwierige Frage. Ein Beispiel: Ein Sportverband hat seinen Sitz in der Schweiz, und ein Mitglied besticht jemanden in Südamerika, der in Afrika wohnt. Wer ist hier zuständig? Das ist eine Frage, die sich dann ganz konkret stellt.