Wirtschaft
Die goldenen Zeiten der Grossbanken sind vorbei
Gerüchten zufolge könnten UBS und CS Hunderte von Stellen abbauen. Strengere Vorschriften, abspringende Steuersünder, aber auch zunehmend volatile Märkte setzen den Grossbanken zu.
Neue Sparrunden werden voraussichtlich das beherrschende Thema bei den anstehenden Quartalsberichten der Schweizer Grossbanken Credit Suisse und UBS. Zwar dürfte der Aufschwung an den Finanzmärkten den Schweizer Geldhäusern mehr Geld in die Kasse geschwemmt haben. Die Eidgenossen sind aber im Handel mit Anleihen, Aktien und Währungen nicht mehr so stark wie früher.
Und in der Vermögensverwaltung lässt sich das Geld nicht mehr so leicht verdienen, seit die Staaten ihre Steuersünder verfolgen. Kostensenkungen stehen ganz oben auf der Agenda. Und es machen Spekulationen die Runde, dass die Banken einen weiteren Arbeitsplatzabbau ankündigen könnten.
Tausende Stellen bedroht?
Ein Zeitungsbericht, dass UBS bis zu 10‘000 ihrer mehr als 63‘000 Arbeitsplätze streichen könnte, sei an den Haaren herbeigezogen, erklärte Konzernchef Sergio Ermotti. Um eine neue Kostensenkungsrunde wird UBS nach Ansicht von Analysten aber nicht herumkommen. Gegenüber dem «Wall Street Journal» hat ein Insider von 400 Stellen im Bereich Investmentbanking gesprochen, die gestrichen werden sollen.
Die im Sommer letzten Jahres eingeläutete Sparrunde von zwei Milliarden Franken bis Ende 2013 war Mitte dieses Jahres zur Hälfte umgesetzt. Es wurden 1300 Arbeitsplätze abgebaut, mehr als 1000 davon im Investmentbanking. Das Management stehe unter Druck, die Kosten weiter zu senken, erklärte der Bankenanalyst der Deutschen Bank, Matt Spick.
Weitere Restrukturierungsmassnahmen erwartet auch die Vontobel-Analystin Teresa Nielsen. Der in einer Zeitung genannte Abbau von 3000 bis 5000 Arbeitsplätzen sei nicht unwahrscheinlich und würde von den Märkten begrüsst, erklärte ein dritter Analyst.
Credit Suisse: Eine Sparrunde jagt die nächste
Credit Suisse reduzierte in den zwölf Monaten bis Mitte 2012 die Belegschaft um 2500 auf 48‘200. In Schweizer Medien war von weiteren 1000 bis 2000 Stellen die Rede, die wegfallen könnten. Zuletzt hiess es allerdings bei Insidern, ein weiterer Stellenabbau sei kurzfristig nicht zu erwarten.
Im Juli hob Credit Suisse ihr Kostensenkungsziel bis Ende 2013 von zwei auf drei Milliarden Franken an. «Die UBS könnte nun folgen», so der Analyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Sonderfaktoren prägen die Gewinne
Die Reingewinne der beiden Banken werden nach Ansicht von Analysten stark von Sonderfaktoren wie der Aufwertung eigener Schulden geprägt sein, die den Gewinn mindern. Laut der ZKB könnten sie bei Credit Suisse mit 900 Millionen Franken zu Buche schlagen.
Auf der positiven Seite könnten Faktoren wie Gewinne aus Immobilienverkäufen stehen. Analysten rechnen mit einem Reingewinn von einigen Hundert Millionen Franken nach 683 Millionen im Vorjahr.
Bei UBS dürfte das gleiche Phänomen am Gewinn nagen. Schätzungen für die Gewinnbelastung reichen von 800 Millionen bis zu einer Milliarde Franken. Unter dem Strich dürfte ein Gewinn von gut 300 Millionen Franken stehen, nach einer Milliarde im Jahr davor.
(reuters/galc;buev)



