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Wirtschaft

Der Lack ist ab! Düstere Zukunft für Autobauer

Mittwoch, 24. Oktober 2012, 18:10 Uhr, Aktualisiert 20:44 Uhr

Die europäische Autoindustrie geht am Stock. Peugeot überlebt nur dank einer staatlichen Milliardenspritze. Ford macht ein Werk im belgischen Genk dicht. Was sind die Ursachen und wie sieht die Zukunft der europäischen Autobauer aus? Darüber und mehr hat «SF Online» mit dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer gesprochen.

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«SF Online»: Herr Dudenhöffer, viele europäische Autobauer machen momentan schwere Zeiten durch. Gibt es Hoffnung oder ist das erst der Anfang?

Ferdinand Dudenhöffer: Ganz klar: Das ist erst der Anfang. Die Zeiten werden hart, selbst für die, die jetzt noch ganz gut dastehen. Denn nehmen wir nur mal das Beispiel von VW, dem jetzigen Musterschüler, dann ist es doch selbst dort so, dass man zwar mehr Umsatz macht, aber dafür weniger Gewinn. Und diese Tendenz wird sogar noch zunehmen.

Was ist die Ursache dafür?

Aus meiner Sicht ist das die Schuld der Politik. Viele Regierende denken überhaupt nicht an Morgen und machen Geschenke, damit sie bei der nächsten Wahl wieder gewählt werden. Dazu kommen noch die ganzen Euro-Euphoriker.

Was stört Sie am Euro?

Wir haben in Europa mehr als 10 Jahre zugeschaut, wie belogen und betrogen und mit falschen Zahlen hantiert wurde. Das rächt sich jetzt bitter. 

Aber ist es nicht so, dass gerade die deutsche Autoindustrie vom Euro profitiert hat?

Natürlich haben VW und Co durch den Euro massive Wettbewerbsvorteile gehabt – allerdings mit dem Ergebnis, dass der europäische Markt jetzt kaputt ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die deutsche Autoindustrie das gleiche Ergebnis auch mit der D-Mark gehabt hätte. Ein bisschen mehr Gegenwind hätte darin nichts geändert, den Erfolg dafür aber tragfähig gemacht.

Die Politik hat ja versucht mit der Abwrackprämie gegenzusteuern. Erfolgreich?

Überhaupt nicht. Ich habe die Abwrackprämie schon immer negativ gesehen. Man hat mit ihr eine Art Strohfeuer produziert und die Nachfrage zeitlich nach vorn verschoben – mehr aber auch nicht. Dafür hat man eine höhere Staatsverschuldung in Kauf genommen. Stattdessen hätte man die Wettbewerbsfähigkeit der Länder erhöhen sollen. Das alles ist in Krisenzeiten nicht passiert und die Quittung bekommen wir jetzt präsentiert.

Sie spielen auf Peugeot an?

Ja, unter anderem. Peugeot hätte von keiner Bank der Welt Geld bekommen. Aber Frankreich unter Hollande wird vorerst kein grosses Unternehmen untergehen lassen. Das Paris Peugeot mit Geld unter die Arme greift ist deshalb von aussen betrachtet nur eine logische Folge. Aber allen Milliarden zum Trotz bin ich überzeugt, dass es zu weiteren Fabrikschliessungen kommen wird.

Kennt die Krise auch Gewinner?

Der grosse Gewinner VW. Schon heute haben die Wolfsburger ein Monopol in Europa. Sie produzieren 35 Prozent aller verkauften Autos und werden dieses Ergebnis in der Zukunft vermutlich noch ausbauen.

Bei dieser geballten Macht, werden sich in Zukunft einige wenige Autobauer weltweit den Markt aufteilen?

Nein, denn wir dürfen hier die die asiatischen Marken nicht vergessen. Gerade in China, Indien und Südkorea werden grosse Anstrengungen unternommen – zum Teil mit massiver Hilfe des Staates. Und wenn man nach Russland oder Osteuropa schaut, dann sind diese Bemühungen auch sehr erfolgreich, denn dort sind schon heute Fahrzeuge aus Asien in der Überzahl.

Was ist mit Elektroautos? Können die die europäische Branche noch retten?

Die Elektromobilität ist am Sterben. Rettung aus dieser Ecke zu erwarten, macht deshalb aus meiner Sicht keinen Sinn. Stattdessen werden wohl Brennstoffzelle, Range-Extender oder neue Kraftstoffe das Rennen machen.

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor an der Universität Essen. Dort leitet er das Fachgebiet "Allgemeine  Automobilwirtschaft".

 

Der Autobauer Ford schliesst in Belgien ein Werk. Tausende verlieren ihre Arbeit. (Tagesschau 24.10.2012, 19:30 Uhr)

(sf/maiu;horm)