International
Der «Sensenmann» der US-Airforce
Unter dem liberalen Präsidenten Barack Obama haben Drohnenangriffe in Ländern wie Pakistan um den Faktor zehn zugenommen. In den USA stösst der massenhafte Einsatz der tödlichen Waffe ohne Kriegserklärung auf Kritik von Bürgerrechtlern. An der ETH-Zürich warnt ein renommierter Drohnenforscher vor einer Eskalation wie die «Rundschau» berichtet.
Wegen grosser Erfolge im Kampf gegen Al-Kaida-Terroristen betreiben die USA heute bereits mehr ferngesteuerte Fluggeräte als Kampfjets. Allein in Pakistan sind laut dem Büro für investigative Journalisten bereits mehr als 2500 Menschen mit Kampfdrohnen getötet worden, darunter über 500 Zivilsten und mehr als 170 Kinder.
Drohnen wie etwa das Modell «Reaper» (deutsch: «Sensenmann» oder «Mähdrescher») sind billiger als Jets, bringen dem US-Militär keine menschlichen Verluste und haben eine hohe Feuerkraft. Auch Mitt Romney, der Herausforderer von Barack Obama in der Präsidentschaftswahl vom 6. November, würde die Drohnen-Strategie fortsetzen.
Mehr Bildschirm-Piloten als richtige Piloten
Laut Ko Cojin, dem Direktor des auf Sicherheitsfragen spezialisierten niederländischen Clingendael Instituts, besitzen die USA seit gut zwei Jahren mehr Drohnen als Kampfflieger und bilden schon mehr «Bildschirm-Piloten » aus. Die «Rundschau» zeigt, wie diese Soldaten von Cockpit-Containern in der US-Wüste aus Einsätze in Afghanistan, im Jemen oder in Pakistan «fliegen».
Der Widerstand an den «gezielten» Luftschlägen gegen Al-Kaida Terroristen wächst vor allem in Pakistan aber auch in den USA. Die US-Bürgerrechtsunion ACLU hat gegen die US-Regierung geklagt, sie bezeichnet Drohnenangriffe als «standrechtliche Hinrichtungen.» ACLU-Anwalt Nathan Freed Wessler warnt, die USA würden einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, wenn sich die USA das «Recht herausnehmen», auf der ganzen Welt Leute zu töten.
Es droht eine Eskalation
Raffaello D’Andrea, anerkannter Drohnenforscher der ETH Zürich, forscht an der Drohne der Zukunft. Diese wird, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, selber Arbeiten ausführen können. Das Militär sei «extrem interessiert» an dieser Entwicklung. D’Andrea fürchtet, dass es ein «Wettrüsten» geben könnte. Schon heute forscht die US-Armee selber an einer Software, damit Drohnen künftig ihre Ziele selbständig suchen und angreifen können. Diese Entwicklung bereitet Drohnenforscher d’Andrea Sorgen: «Wir sollten uns ernsthaft überlegen, uns selber Grenzen aufzuerlegen und zu bestimmen, wie unabhängig diese Waffen sein sollen. Sonst droht eine Eskalation.»
In der letzten US-TV-Debatte zur Aussenpolitik stützte US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney seinem Gegner Barack Obama den Rücken für die umstrittenen Drohnenangriffe. «Wir sollten alle uns zur Verfügung stehenden Mittel benützen, um Leute auszuschalten, die uns und unsere Freunde bedrohen. Man weiss, dass es viele Drohnenangriffe gibt. Ich unterstütze sie voll» sagte Romney auf eine Frage des Moderators der letzten von drei TV-Debatten.
(sf/nufc/horm)







