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International

Brenner-Basistunnel – Rückstand im Zeitplan und fehlende Akzeptanz

Dölf Duttweiler und Thomas Vogel, «Rundschau»
Mittwoch, 24. Oktober 2012, 17:30 Uhr, Aktualisiert 25.10.2012, 1:15 Uhr

Der Bahn-Basistunnel zwischen Österreich und Italien ist im Vergleich zum Schweizer Neat-Projekt zehn Jahre im Rückstand. Trotz ungleich grösserer Belastung durch Lastwagen auf der Strasse fehlt in Österreich die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die EU-Zugehörigkeit behindert eine glaubwürdige Verlagerungspolitik, wie ein Bericht der «Rundschau» zeigt.

«Wir wollen damit bis 1992 fertig sein», sagte der damalige österreichische Verkehrsminister Rudolf Streicher in den 80er-Jahren. Heute brechen zehn Arbeiter pro Schicht erst mal einen Erkundungsstollen aus.

Umstrittener Bahntunnel (Rundschau, 24.10.2012)

Dass das Grossprojekt – wie derzeit geplant – Ende 2026 fertig gestellt sein wird, glaubt SBB-Verwaltungsrat Andrea Hämmerle nicht. «Die Bauzeit dauert nach unseren Erfahrungen 20 Jahre. Das wird in Österreich nicht anders sein», sagt Hämmerle in der «Rundschau».

Bahn-Projekt kaum beliebt

Eigentlich hätte Österreich einen Bahn-Basistunnel nötiger als die Schweiz. Denn die Brenner-Autobahn bewältigt im Transit mehr als das Zweieinhalbfache der Güter-Menge des Gotthards. Trotzdem geniesst das Bahn-Projekt in der Bevölkerung wenig Unterstützung, wie eine Umfrage ergab.

Selbst die Aktivisten, die kürzlich in einer Protestaktion die Autobahn zwölf Stunden lang sperrten, wehren sich gegen den Bahntunnel. «Der Tunnel ist ein Ablenkungsmanöver», ist Fritz Gurgiser von der Bürgerbewegung Transitforum Austria überzeugt. Es gehe nicht an, die Lösung des Gütertransitproblems auf 2030 oder später zu verschieben.

«Keine Solidarität mit Alpenstaaten»

Das Problem: Österreich ist Mitglied der EU und kann daher nicht wie die Schweiz die Verlagerung von Gütern auf die Schiene vorantreiben – die von der EU postulierte Freiheit des Warenverkehrs hat Vorrang.

Österreichische Umweltaktivisten beneiden die Schweiz um ihre Verkehrspolitik. Allerdings vermissen sie auch ein Stück Solidarität: «Die Schweiz war nie solidarisch mit anderen Alpenstaaten», sagt Gurgiser in der «Rundschau».

Optimistischer sieht das der Schweizer Ingenieur Peter Teuscher, der sowohl die Neat- wie auch die Brenner-Baustelle kennt. Der Verwaltungsrat der Schweizer Alptransit gehört auch dem Brenner-Planungsausschuss an.

Teuscher ist überzeugt, dass auch im EU-Land Österreich die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene unvermeidlich ist: «Der Druck ist extrem gross», sagt er im TV-Interview. «Die müssen etwas machen – eine Lenkungsmassnahme. Sonst gibt es ein Problem.»