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US-Wahlkampf 2012

Obama über Romney im TV-Duell: «Aussenpolitik der 1980er»

Montag, 22. Oktober 2012, 20:21 Uhr, Aktualisiert 23.10.2012, 8:57 Uhr

In der jüngsten TV-Debatte haben US-Präsident Barack Obama und der republikanische Herausforderer Mitt Romney das Thema Aussenpolitik behandelt. Zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen zeigten sich die beiden angriffslustig.

Als erstes Thema schneidet Moderator Bob Schieffer den Arabischen Frühling an. Obama greift Romney sofort an und wirft ihm eine rückwärtsgewandte aussenpolitische Agenda vor. Russlands als «geopolitischen Gegner» zu bezeichnen, zeuge von einer Haltung wie zu Zeiten des Kalten Krieges, hält Obama dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts vor. «Sie wollen offenbar die Aussenpolitik der 1980er-Jahre zurückholen.» Er sei froh, dass Romney nun anerkenne, dass Al Kaida zu den grössten Feinden gehöre und nicht Russland.

«Mich anzugreifen ist keine aussenpolitische Strategie.»
Mitt Romney, republikanischer Präsidentschaftskandidat

Er habe schon immer falsche Ansichten in der Aussenpolitik geäussert, beispielsweise bei der Unterstützung des Krieges in Irak 2003, fährt Obama fort. Dort seien schliesslich keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden. «Jedes Mal, wenn Sie Ihre Meinung äusserten, lagen Sie falsch», sagt der Präsident.

Die Debatte in sechs Video-Teilen

Hier finden Sie die 90minütige Diskussion unterteilt in ihre Themenbereiche.

«Mich anzugreifen ist keine aussenpolitische Strategie», sagt Romney zu Obama. Das sage nichts über den Nahen Osten aus.

Romney attackiert Obama für seine Strategie in der arabischen Welt. Die USA hätten zugesehen, wie in den vergangenen Jahren eine «Welle des Chaos» über die Region hereingebrochen sei, sagt Romney. Der Republikaner fordert eine nachhaltige Strategie, damit sich Länder wie Syrien oder Ägypten aus eigenen Stücken gegen Extremisten und Terroristen wehren können.

Obama und Romney über die USA-Politik im Nahen Osten

Diskussion driftet in die Innenpolitik ab

Nach gut einer halben Stunde gleitet die Debatte erwartungsgemäss ins Innenpolitische ab. Romney zählt erneut seinen Fünf-Punkte-Plan auf, mit dem er die hohe Arbeitslosenquote senken und die Wirtschaft entlasten wolle.

Zudem bekräftigt er, die grosse Gesundheitsreform von Obama nach seinem Amtsantritt grösstenteils rückgängig machen zu wollen. Der Präsident greift seinen Herausforderer dafür an, zu starke Einsparungen im Bildungssektor vornehmen zu wollen. Schieffer versucht minutenlang, die Diskussion wieder auf die Aussenpolitik zu lenken.

«Punktesieg für Obama»

Nach der Debatte geben Kommentatoren Präsident Obama die besseren Noten.

Über das Militärbudget wird ebenfalls heftig gestritten. «Wir müssen unbedingt mehr Militärschiffe bauen. Ich werde das Budget sicher nicht so zusammenstreichen wie der US-Präsident», sagt Romney zu Obama. Obama entgegnet: «Da verwechseln Sie etwas. Das Budget wird nicht reduziert, sondern bleibt gleich. Und Sie haben zu wenig hingeschaut, wie unser Militär funktioniert». Romney bemängelte, es habe weniger Armeeschiffe als 1916. «Tatsächlich haben wir auch weniger Pferde und Bajonette», sagt Obama – es käme nicht auf die Anzahl Schiffe an, sondern auf die erforderlichen Fähigkeiten einer Armee.

Auch das Haushaltsdefizit wird erneut thematisiert

Beim Themenblock zum Nahost-Konflikt fordert Romney eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran. «Ahmadinedschad muss wegen Völkermords angeklagt werden», so Romney. Eine militärische Aktion sei natürlich nur die letzte Massnahme.

Im Gegensatz zu Romney halte er es für falsch, die USA in einen «voreiligen» Krieg gegen den Iran zu ziehen, sagt Obama. Einen Zeitungsbericht vom Wochenende, wonach Teheran nach der US-Wahl direkt mit den USA verhandeln wolle, bezeichnet Obama als falsch. Solange er Präsident sei, werde der Iran über keine Atomwaffen verfügen, versichert Obama.

«Hätten wir Pakistan gefragt, hätten wir Bin Laden nicht bekommen.»
Barack Obama, US-Präsident

Der Moderator bringt auch den Krieg in Afghanistan und Pakistan ins Spiel. Obama unterstreicht erneut seinen Erfolg, Terrorchef Osama bin Laden durch eine Militäraktion in Pakistan ausgeschaltet zu haben. Romney hätte noch vor einiger Zeit gesagt, vor einer solchen Militäraktion müsse man Pakistan um Erlaubnis fragen. «Hätten wir Pakistan gefragt, hätten wir Bin Laden nicht bekommen.»

Geografische Verirrung Romneys

Versprecher oder nicht? Mit einer geografischen Äusserung hat Mitt Romney zumindest für Verwirrung gesorgt: «Syrien ist Irans einziger Verbündeter in der Arabischen Welt. Es ist seine Verbindung zum Meer.» Was Romney dabei ausblendete: Der Iran hat eine hunderte Kilometer lange Küste zum Persischen Golf und Arabischen Meer. Und er grenzt nicht an Syrien.

«Das ist nicht, was Sie damals gesagt haben...»

Zu einem harten Schlagaustausch kommt es beim Thema China. Romney verspricht eine harte Gangart etwa gegen Währungsmanipulationen Pekings sowie gegen unfairen Handel. Obama wirft Romney erneut vor, der amerikanischen Automobilindustrie nicht geholfen zu haben – eine Bemerkung, die Romney aufs Neue mit aller Schärfe zurückweist. «Nichts könnte entfernter von der Wahrheit sein. Ich würde nichts tun, was der Autoindustrie schadet.» Obama setzt nach: «Gouverneur Romney, das ist nicht, was Sie damals gesagt haben. Die Menschen in Detroit werden das nicht vergessen.»

Den Satz, Romney habe früher etwas anderes behauptet, verwendet Obama in der Debatte häufig.

Die Kandidaten zum Verhältnis zwischen China und den USA

In ihren Schlussreden des letzten Duells, das an der Lynn Universität in Boca Raton, Florida, ausgetragen wird, wenden sich die beiden Präsidentschaftskandidaten ans Volk. Er habe das Land 2008 in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der grossen Depression übernommen, sagt Obama. Genau da wolle Romney mit seiner Politik wieder hin.

Er wolle vor allem die US-Wirtschaft ankurbeln, sagt Romney. Im Gegensatz zu Obama sei seine Priorität, das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Es gehe um Jobs statt um Lebensmittelhilfe. Dafür brauchten die USA einen Präsidenten, der über die Parteilinien hinweg arbeiten könne – so wie er das als Gouverneur von Massachusetts getan habe. «Diese Nation ist die Hoffnung der Welt», schliesst Romney.

Bob Schieffer

Moderator ist Bob Schieffer

Schieffer arbeitet seit 1969 als Fernsehjournalist beim Sender CBS. Dort moderiert er das Format «Face the Nation», eine politische Gesprächssendung. Der 75jährige News-Veteran leitete bereits Duelle bei den beiden letzten Präsidentschaftswahlen.

(sf/agenturen/buev)