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Schüsse in Beirut – libanesische Armee will durchgreifen
Im Libanon haben bewaffnete Kämpfer mehrere sunnitische Viertel abgeriegelt. In der Hauptstadt Beirut fielen erneut Schüsse. Derweil kündigte die libanesische Armee entschlossene Massnahmen zur Verhinderung von Gewalt und Chaos an.
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Beim Versuch der Armee, eine der Strassenblockaden zum Stadtteil Tarik al-Schdide zu räumen, schossen die Kämpfer in Beirut auf Soldaten. Diese erwiderten das Feuer.
Bereits in der Nacht war die Armee in Tarik al-Schdide gegen Bewaffnete vorgegangen. Aus dem Viertel waren Schüsse automatischer Waffen und panzerbrechender Raketen zu hören.
Die vermummten und teils mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Männer hatten die Strassensperren aus Müll, Eisenteilen und Steinen errichtet. Die Kämpfer gaben sich als Unterstützer des früheren libanesischen Regierungschefs Saad Hariri und seiner oppositionellen Bewegung aus.
Soldaten und Polizisten patrouillierten in den Städten Beirut und Tripoli. Innenminister Marwan Charbel erklärte: «Sie nehmen jeden fest, der Waffen trägt.» Fast alle Strassen, die am Vortag von Demonstranten blockiert worden waren, sind wieder befahrbar.
Libanon durchlebe nach der Ermordung des Chefs des Polizei-Geheimdienstes eine kritische Zeit, erklärte die Armee. «Wir fordern alle politischen Führer auf, ihre Positionen und Meinungen mit Vorsicht zu äussern», mahnte die Armee.
USA wollen bei Aufklärung helfen
US-Aussenministerin Hillary Clinton sicherte dem libanesischen Regierungschef Nadschib Mikati die Hilfe der USA bei der Aufklärung des Attentats zu. In einem Telefonat seien Clinton und Mikati überein gekommen, «dass die USA bei den Ermittlungen Unterstützung leisten», sagte eine Sprecherin des Aussenministeriums.
Libanon – instabiles Staatsgebilde mit tiefen Rissen
Die Bewohner Libanons teilen sich in 18 muslimische und christliche Gruppen. Ein Konfessionsproporz in der Verfassung legt den Staatsaufbau fest und bestimmt, welche Religionsangehörigen welche hohen Ämter besetzen dürfen. Auch die Parteien werden von den Konfessionen bestimmt. Die wichtigsten Akteure im Libanon: Lesen Sie hier mehr
Der syrische Bürgerkrieg greift nach der Ermordung des Geheimdienstchefs offensichtlich auf den labilen Nachbarn Libanon über. Bereits am Sonntagabend kam es nach der Trauerfeier für den ermordeten libanesischen Geheimdienstchef in Beirut zu Feuergefechten. Dies berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira.
In der nördlichen Hafenstadt Tripoli lieferten sich in der Nacht auf Montag Unterstützer und Gegner des syrischen Assad-Regimes Schusswechsel. Eine Frau sei von einem Heckenschützen getötet worden, berichtete die Korrespondentin des Senders aus Tripoli.
Bei der offiziellen libanesischen Nachrichtenagentur ANI hiess es am späten Sonntagabend, ein Mädchen sei ums Leben gekommen. Bei heftigen Kämpfen seien dort Artillerie und schwere Waffen eingesetzt worden. Bei den Gefechten in der vergangenen Nacht sollen mindestens 5 Menschen getötet worden sein.
Panzer und Tränengas gegen Angreifer
Mehrere Menschen wurden bereits am Sonntag in der libanesischen Hauptstadt Beirut verletzt, als Oppositionsanhänger versuchten, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen. Die Polizei fuhr Panzer auf und setzte Tränengas ein, um die Angreifer zu stoppen. Über die Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.
Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den benachbarten Libanon zu einer Zerreissprobe. Die Anhänger der anti-syrischen Zukunftsbewegung wollen die Regierung zum Rückzug zwingen. Beobachter sehen die Drahtzieher für das Attentat, bei dem am Freitag der mächtige libanesische Geheimdienstchef Wissam al-Hassan starb, in Damaskus. Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon, da das Land – was die Haltung zum Regime in Syrien angeht – zutiefst gespalten ist.
Am Rande der offiziellen Trauerfeier für die Todesopfer versammelten sich am Sonntag Tausende Demonstranten zum «Tag des Zorns» am zentralen Märtyrer-Platz. Dabei kam es zu Krawallen.
Syrien am Attentat beteiligt?
Die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter wurden durch die Strassen von Beirut getragen. An der Trauerfeier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist.
Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht. Die libanesische Opposition betrachtet jedoch die syrische Führung als Drahtzieher des Anschlags und wirft Mikati vor, die Tötung des Generals zu «decken».
«Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon»
Unweit der Trauerfeier kam es zu den heftigen Ausschreitungen mit Anhängern der anti-syrischen Zukunftsbewegung. Die Polizei setzte Tränengas ein, als nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Demonstranten versuchten, den nahe gelegenen Regierungssitz zu stürmen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Armee rückte an, um das Regierungsgebäude abzusichern. Schüsse waren zu hören.
Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht – dominiert von der schiitischen Hisbollah.
Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Ministerpräsident argumentierte: «Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon.» Die Opposition besteht auf einem Rückzug der Regierung.
(agenturen/muei; horm )






