International
Juristisches Nachbeben in L'Aquila
Sieben Wissenschaftler sind im italienischen L'Aquila wegen ungenügender Warnung vor Erdstössen zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden. Vor dreieinhalb Jahren forderte ein Erdbeben in den Abruzzen mehrere hundert Opfer.
Bild
Nach mehr als einem einjährigen Verfahren fällte das Gericht von L'Aquila das Urteil in erster Instanz. Es ging damit noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die jeweils vier Jahre Haft verlangt hatte.
Die Seismologen und Zivilschutzbeamten hätten die Bevölkerung vor dreieinhalb Jahren rund um L'Aquila nur «ungenau, unvollständig und widersprüchlich» über die Gefahren eines Bebens informiert, so die Anklage.
309 Menschen waren bei dem Erdbeben in der mittelitalienischen Region rund um die Hauptstadt L'Aquila am 6. April 2009 ums Leben gekommen. Zehntausende konnten nicht mehr in ihre zerstörten Häuser zurück.
Erdbebenprognosen wissenschaftlich umstritten
Die Beben-Kommission hatte eine Woche vor dem starken Beben getagt und nicht eindeutig gewarnt. Erdbebenforscher und die Verteidigung wiesen in der Diskussion um das Verfahren darauf hin, dass es bislang nicht möglich sei, grössere Erdbeben wissenschaftlich vorherzusagen.
Bei einer Verurteilung werde kein Wissenschaftler sich mehr zum Phänomen Erdbeben äussern, erklärte die Verteidigung in dem Prozess.
(dpa/roso;koua)







