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International

Gefechte im Libanon fordern Todesopfer

Sonntag, 21. Oktober 2012, 9:32 Uhr, Aktualisiert 22.10.2012, 5:27 Uhr

Nach der Trauerfeier für den ermordeten Geheimdienstchef ist es am Sonntagabend in verschiedenen Teilen Libanons zu Feuergefechten gekommen. In Tripoli lieferten sich Unterstützer und Gegner des syrischen Assad-Regimes Schusswechsel.

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Die Lage im Libanon ist nach dem Attentat vom Freitag auf den Polizeigeheimdienstchef Wissam al-Hassan gespannt. Bei dessen Beisetzung am Sonntag in Beirut riefen tausende Menschen Parolen gegen die Führung im benachbarten Syrien und gegen die schiitische Hisbollah, die Damaskus im Kampf gegen die bewaffneten Rebellen unterstützt.

Wütende Demonstranten wandten sich auch gegen den libanesischen Regierungschef Nadschib Mikati. Die Opposition sieht die syrische Führung als Drahtzieher des Anschlags und wirft Mikati vor, die Tötung des Generals zu «decken».

«Tag des Zorns»

In Beirut war es zuvor bereits zu teils heftigen Zusammenstössen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Die Opposition hatte zu einem «Tag des Zorns» aufgerufen. Wütende Bürger durchbrachen in der Innenstadt Zugangssperren und versuchten, den Sitz der Regierung zu stürmen. Mit Tränengas und Warnschüssen versuchten Soldaten, sie daran zu hindern.

Mehreren hundert Demonstranten gelang es trotzdem, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und bis auf 50 Meter an den Eingang zum Regierungssitz vorzudringen. Erst die Schüsse der Soldaten schienen sie zu stoppen. Einheiten der Armee schwärmten mit Schlagstöcken in den Strassen aus.

Bild Demonstranten in Beirut. (keystone)
Die anti-syrische Opposition in Libanon hat einen «Tag des Zorns» ausgerufen. keystone

Der libanesische Oppositionsführer Saad Hariri rief darauf die wütenden Menschen zur Ruhe auf. «Wir wollen Frieden. Wir bestehen auf einen Regierungswechsel, das soll aber friedlich geschehen.»

Oppositionsbewegung «14.März»

Die Gruppe «14.März» von Saad Hariri ist mehrheitlich sunnitisch. Hariri ist der Sohn des 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getöteten Ministerpräsidenten Rafik Hariri.

Ihr Feind ist Syrien – das Land, das sich einst als Schutzmacht aufgespielt hatte und dessen Soldaten nach dem Hariri-Attentat aus dem Libanon vertrieben wurden. Viele warfen Syrien damals eine Mittäterschaft vor.

Abschied von Wissam al-Hassan

Die chaotischen Szenen in Beirut ereigneten sich am Rande der Trauerfeier für Geheimdienstchef Wissam al-Hassan, der am Freitag gemeinsam mit sieben weiteren Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden war.

Bild Sarg von Geheimdienstchef Wissam al-Hassan in Beirut. (reuters)
Grosse Anteilnahme an Wissam al-Hassans Tod. Viele Sunniten sind wütend. Der sunnitische Mufti hat eine dreitägige Trauer für al-Hassan verhängt.

Bei der Trauerfeier wurden die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter durch die Strassen von Beirut getragen.

An der Feier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist. Al-Hassan wurde neben dem 2005 ermordeten Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri beerdigt.

Wissam al-Hassan

Der bei dem Attentat getötete Geheimdienstchef Wissam al-Hassan spielte eine wichtige Rolle in der libanesischen Politik. Der Sunnit war ein mächtiger Drahtzieher im Sicherheitsapparat des Landes.

Unter dem früheren Premier Rafik Hariri, der 2005 bei einem Attentat getötet wurde, war Al-Hassan Sicherheitschef. Bei der schiitischen Hisbollah, die die jetzige Regierung stützt, war er verhasst.

Als Geheimdienstfunktionär wurde er der schiitischen Hisbollah und dem Regime in Syrien immer wieder lästig.

Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag vom Freitag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele, vor allem sunnitische Libanesen, werfen der eigenen Regierung zu enge Beziehungen zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor. Sie fordern den Rücktritt von Ministerpräsident Nadschib Mikati.

Die Regierung, der auch pro-syrische Mitglieder angehören, hatte am Samstag ihren Rücktritt angeboten. Sie bleibt aber auf Bitten von Präsident Michel Suleiman noch im Amt.

«Al-Hassans Tod bringt Libanon ins Wanken»

Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden in Libanon, denn das multireligiöse Land ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Viele Schiiten unterstützen den ihrer Konfession nahestehenden Alawiten Assad, die meisten Sunniten stehen auf der Seite seiner Gegner.

Syrien hatte jahrzehntelang die Rolle einer Vormacht im Libanon gespielt. Auch lange nach dem Ende des 15jährigen Bürgerkriegs 1990 standen syrische Soldaten im Zedernstaat. Ihr Abzug konnte erst nach dem Attentat auf Hariri im Jahr 2005 durchgesetzt werden.

Bild Libanesen halten in Beirut die Flaggen der syrischen Opposition in die Höhe und trauern um den ermordeten Geheimdienstchef Wissam al-Hasam. (keystone)
Die libanesische Gesellschaft steht nach dem Attentat auf Wissam al-Hassan Kopf. keystone

Ein westlicher Diplomat bezeichnete die Lage im Libanon als instabil. «Ich weiss nicht, ob das (der Anschlag auf Al-Hassan) der erste einer ganzen Serie ist – aus der Historie heraus würde ich es vermuten.» Unter allen Zielen für ein Attentat sei Al-Hassan dasjenige gewesen, das die Stabilität des Libanon am meisten ins Wanken habe bringen können.

(agenturen/schubeca/halp;galc)