Schweiz
«Arena» vor Ort: «Jetzt einfach mal zuhören, Toni»
Die «8-Millionen-Schweiz» ist seit diesem Sommer Wirklichkeit. In der Sendung «Arena» diskutierten die Teilnehmer über die Vor- und Nachteile des ungebremsten Bevölkerungswachstums. Die Politsendung «Arena vor Ort» fühlte dieses Mal im Bahnhof Zug ganz konkret den Puls der Bevölkerung.
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In den vergangenen Jahren ist in der Schweiz die Bevölkerung jährlich um rund ein Prozent gewachsen. Die steigende Zuwanderung bescherte der Wirtschaft trotz Eurokrise Wachstumszahlen – hat aber auch zahlreiche negative Auswirkungen, wie in der Sendung «Arena vor Ort» klar zum Ausdruck kam.
Zum Beispiel bei der SBB: So stellt Stefan Huber, angehender Sekundarlehrer und regelmässiger Pendler, einen «Kampf ums Überleben in den Zügen» fest. Das Drängeln habe stark zugenommen in den letzten Jahren. Diese Tendenz bestätigte auch SBB-Zugbegleiter Stefan Moser: «Teilweise werden die Pendler richtig aggressiv.»
Die «Arena»-Teilnehmer
Anita Fetz, Ständerätin SP/BS
Toni Brunner, Präsident SVP, Nationalrat SVP/SG
Philipp Müller, Präsident FDP Liberale, Nationalrat FDP Liberale/AG
Gerhard Pfister, Nationalrat CVP/ZG
Auf die Vorwürfe reagierte Jeannine Pilloud, die Leiterin Personenverkehr bei den SBB. «Wir haben nur Probleme auf bestimmten Strecken und zu Spitzenzeiten», relativierte sie. Mit «400 Meter-langen-Doppelstockzügen» wolle man dieses Problem lösen.
Bürger Salomon Schneider leitete die Forderung an die Politiker ab: «Wir brauchen mehr Geld für den Ausbau des Zugnetzes.»
Eine Forderung, die bei SVP-Präsident Toni Brunner nicht gut ankam. «Man kann immer mehr Geld fordern. Aber bei der SBB klagen sie auf hohem Niveau.» Vielmehr gehe es darum, die bestehende Infrastruktur besser auszunutzen. Es müssten halt nicht alle Leute in die gleiche Richtung fahren. «Bei uns im Toggenburg hat es meistens genügend Platz», so Brunner.
Einen Lösungsansatz zur Entlastung der Züge zeigte Anita Fetz, SP-Ständerätin aus Basel: «Es müssen nicht alle Leute zur gleichen Zeit mit der Arbeit beginnen. Flexible Zeiten beim Arbeitsbeginn oder mehr Homeoffice können helfen, dass die Züge nicht so voll sind.»
Wenig «Politikerslang»
Insgesamt passte sich bei dieser «Arena» die Ausdrucksweise der Politiker den Bürgern an. Der «Politikerslang» war diesmal nicht so stark.
Moderatorin Sonja Hasler thematisierte die «8-Millionen-Schweiz» auch mit der Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland. Dem pensionierten Treuhänder Erich Züllig sind die Migranten ein Dorn im Auge: «Unsere Lebensqualität nimmt kontinuierlich ab.» Und Rentnerin Rita Theresia Mäder ergänzte: «Wir haben zu viele Ausländer in der Schweiz.»
Gerhard Pfister, Zuger CVP-Nationalrat, hatte grosses Verständnis für das Anliegen, sagte aber auch: «Wirtschaftswachstum ist in der Schweiz ohne Ausländer nicht machbar.» Viele Jobs würden nur noch Ausländer ausführen.
Diskutieren Sie mit
Das Forum der «Arena» gibt interessierten Leserinnen und Lesern die Gelegenheit, sich zum heutigen Thema zu äussern. Hier geht es zum Forum.
Eine Aussage, die Toni Brunner aufnahm: «Wir müssen die ungebremste Zuwanderung stoppen und das Heft wieder selbst in die Hand nehmen.» Er unterliess es nicht, Werbung für die Zuwanderungsinitiative seiner Partei zu machen. Dies brachte wiederum FDP-Präsident Philipp Müller auf die Palme: «Wir wollen doch nicht die Personenfreizügigkeit riskieren. Es kommen hauptsächlich qualifizierte Leute wie Ärzte oder Pfleger. Die Initiative der SVP führe in die Sackgasse. Und als im Brunner widersprechen wollte wurde Müller energisch: «Jetzt musst du einfach mal zuhören, Toni, jetzt spricht der FDP-Präsident.»
Worauf Brunner lachend entgegnete: «Es ist das Privileg des SVP-Präsidenten, dass man nicht immer verstummen muss, wenn der FDP-Präsident das wünscht.»






