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US-Wahlkampf 2012

Obama diagnostiziert «Romnesie» beim Konkurrenten

Samstag, 20. Oktober 2012, 5:53 Uhr, Aktualisiert 23.10.2012, 5:59 Uhr

US-Präsident Barack Obama hat seinem Rivalen Mitt Romney politischen Wankelmut vorgeworfen und mit «Romnesie» ein neues Schlagwort in den US-Wahlkampf eingeführt. Auch die Republikaner ziehen beim politischen Schlagabtausch weiter keine Samthandschuhe an.

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Vor 9000 Anhängern im Bundesstaat Virginia sagte Obama, Romney sei von seinen konservativen Positionen im Vorwahlkampf der Republikaner inzwischen auf eine moderate Linie eingeschwenkt. «Er hat vergessen, was seine eigenen Standpunkte sind, und er setzt darauf, dass Sie das auch tun», rief er. «Wir müssen einen Namen finden für den Zustand, den er durchmacht. Ich glaube, er wird ‹Romnesie› genannt», sagte Obama zum Jubel der Menschen.

Obama diagnostiziert «Romnesie» beim Konkurrenten. (englisch)

Steuerpolitik als Beispiel

Als Beispiel nannte Obama die Steuerpolitik. «Wer zuvor in diesem Jahr gesagt hat, er werde die Steuern für die oberen ein Prozent (der Bevölkerung) kürzen, und dann in einer Debatte sagt ‹Ich weiss nichts von Steuererleichterungen für die Reichen›, der braucht ein Thermometer und muss Fieber messen, denn er hat wahrscheinlich ‹Romnesie›.»

Drittes TV-Duell zwischen Obama und Romney

Die Zusammenfassung des dritten und letzten TV-Duells zwischen Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney lesen Sie hier, die Reaktionen dazu hier.

Obama zählte daneben mehrere Themen auf, bei denen Romney in den vergangenen Wochen angeblich seine Meinung geändert habe. «Wenn Du einen Fall von ‹Romnesie› hast, kannst Du Dich anscheinend nicht einmal an die Vorschläge erinnern, die immer noch auf Deiner Internetseite stehen», sagte der Amtsinhaber. Das sei aber eine «kurierbare Krankheit» - man müsse am 6. November nur Obama wählen.

Das englische Wort «Romnesia» – gebildet aus «Romney» und «amnesia», auf Deutsch «Amnesie» (Gedächtnisverlust) – wurde im Laufe des Tages schnell zu einem der häufigsten Schlagworte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Es war zuvor bereits stellenweise in Zeitungskommentaren, auf Facebook und Pro-Obama-Blogs aufgetaucht.

«Romney Hood»

Die Republikaner warfen Obama im Gegenzug vor, kein politisches Programm für eine zweite Amtszeit vorlegen zu können. «Dann greift man auf Angstmacherei zurück», hiess es in einer Erklärung.

Obama hat den Namen seines Rivalen schon in der Vergangenheit verballhornt. Unter Anlehnung an den englischen Volkshelden Robin Hood nannte er ihn «Romney Hood», der allerdings den Armen das Geld nehme, um es den Reichen zu geben.

Wegen des starken Schutzes der Meinungsfreiheit in den USA haben Beleidigungsklagen von Personen des öffentlichen Lebens kaum Aussicht auf Erfolg.

Der Humorlose schlägt zurück

Auch Romney, der vermeintlich Humorlose, geizt nicht mit spitzen Bemerkungen. So spielte er jüngst auf die grosse Bill-Clinton-Rede beim Wahlparteitag der Demokraten an: Jeder Politiker brauche jemanden, auf den er sich voll verlassen könne, sagte er. «Ich habe meine wunderschöne Ehefrau Ann, er hat Bill Clinton.»

Romney gab auch einen neuen Wahlkampfslogan seines Kontrahenten bekannt: «Es geht euch heute besser als vor vier Wochen.» Und schmerzlich vermisste der Republikaner nach eigenen Angaben den Vizepräsidenten bei einem Charity-Dinner. «Ich habe gehofft, dass Präsident Obama Joe Biden mitbringt. Denn er lacht über alles», scherzte Romney mit Blick auf die TV-Debatte der Vize-Kandidaten, in der Obamas Nummer Zwei häufig Äusserungen seines Gegenübers Paul Ryan mit Gelächter quittiert hatte.

Obama und Romney liegen in Umfragen eng beieinander. Eine Reuters/Ipsos-Erhebung vom Freitag sah den Amtsinhaber drei Prozentpunkte vor dem Herausforderer. Experten gehen davon aus, dass das Rennen bis zur Wahl am 6. November sehr knapp bleiben wird.

(agenturen/halp;mery)