US-Wahlkampf 2012
Obama und Romney nehmen sich selbst aufs Korn
Mitt Romney gilt als hölzern und humorlos. Barack Obama auch nicht unbedingt als Komiker. Mitten im Wahlkampf trafen sich beide bei einem Wohltätigkeits-Dinner in New York. Und es ging hoch her.
Die beiden lieferten sich ein humorvolles Rededuell. Topthema beim traditionellen Al-Smith-Dinner im vornehmen Hotel Waldorf Astoria waren natürlich der Wahlkampf und die TV-Debatten der beiden Kontrahenten.
«Ich war bei der zweiten TV-Debatte so aktiv (...) weil ich vom Nickerchen bei der ersten Debatte gut ausgeruht war», sagte Obama unter dem Gelächter der Gäste mit Blick auf seinen Flop bei dem ersten Treffen.
Romney auf «Einkaufstour»
Obama liess es sich nicht entgehen, auf den Reichtum des Multimillionärs Romney anzuspielen. «Ich war heute in Midtown New York in ein paar Geschäften einkaufen (...) während der Gouverneur ein paar Geschäfte einkaufen war», sagte Obama am Donnerstagabend. Auch die aussenpolitischen Patzer Romneys bei dessen Europatrip liess der Präsident nicht aus.
Er selbst sei ja vor vier Jahren in Europa wie ein Star empfangen worden, meinte Obama. «Ich bin beeindruckt, wie Gouverneur Romney das vermieden hat.»
Auch Romney, der vermeintlich Humorlose, sparte ebenfalls nicht an spitzen Bemerkungen. Er spielte auf die grosse Bill-Clinton-Rede beim Wahlparteitag der Demokraten an: Jeder Politiker brauche jemand, auf den er sich voll verlassen und dem er 100 Prozent vertrauen kann. «Ich habe meine wunderschöne Ehefrau Ann, er hat Bill Clinton.»
Romneys Papstwitz
Doch Wahlkämpfe mit einem so vornehmen Dinner wie im Waldorf Astoria hätten auch ihr Gutes, fügte Romney hinzu. «Endlich können Ann und ich uns so anziehen wie zu Hause.»
Zum Ausklang verabschiedet sich Romney mit einem Papst-Witz. Obama treffe Papst Benedikt und meinte: «Sehen Sie, Heiliger Vater, was immer sie für ein Problem haben, sagen sie einfach, es ist die Schuld von Johannes Paul.» Romney fasste damit Obamas Taktik ins Auge, die Probleme seiner Amtszeit allzu häufig als Erbe seines Vorgängers darzustellen.
Beim Dinner waren unter anderem die ehemaligen Aussenminister Henry Kissinger und Cyrus Vance dabei. Zum Dinner lädt der katholische Bischof von New York alle vier Jahre in der Hochphase des US-Präsidentenwahlkampfes ein. Es heisst, die Kirche habe rund fünf Millionen Dollar an Spenden gesammelt.
(dpa/muei;hesa)



