International
Französische Sozialisten haben neuen Chef
Die französischen Sozialisten (PS) haben wie erwartet den Europa-Abgeordneten Harlem Désir zum Vorsitzenden gewählt. Désir erzielte gut 70 Prozent der Stimmen. Auf ihn wartet nun die schwierige Aufgabe eine Regierung zu unterstützen, die bereits nach kurzer Zeit an der Macht in der Krise steckt.
Bild
Sein Gegenkandidat Emmanuel Maurel vom linken Parteiflügel kam auf rund 28 Prozent. Maurel beglückwünschte Désir zu seinem Wahlerfolg. Die Wahl Désirs galt als ausgemachte Sache, seit sich die Parteispitze im September für ihn ausgesprochen hatte. Sein Vize soll Guillaume Bachelay vom linken Parteiflügel werden.
Die Wahlbeteiligung unter den rund 173'000 Parteimitgliedern lag bei 46,5 Prozent. Désir wird weder dem linken noch dem rechten Parteiflügel zugeordnet. Der studierte Philosoph trat 1993 dem PS bei, seit 1999 sitzt er für die Sozialisten im Europaparlament.
Das neue Führungsduo soll nächste Woche bei einem Parteitag offiziell das Ruder der Regierungspartei übernehmen. In den vergangenen vier Jahren hatte die frühere Ministerin Martine Aubry die PS geführt. Sie trat vorzeitig von ihrem Amt zurück, das sie ohnehin zum Parteitag abgeben wollte.
Viele Herausforderungen warten
Désir hatte in seiner Kampagne darauf hingewiesen, dass die Partei in den Krisenzeiten wieder stärker geeinigt werden muss. Die Partei solle die Regierung unterstützen, jedoch auch dazu beitragen, die Anliegen der Gesellschaft zur Regierung zu weiterzutragen.
Wegen der Wirtschaftskrise und der steigenden Arbeitslosigkeit ist der Unmut der Franzosen über ihre neue Regierung in letzter Zeit stark gestiegen. Zudem hat sich der linke Parteiflügel gegen die Sparpläne der Regierung gestellt. Umfragen zufolge ist die Beliebtheit von Präsident François Hollande am Sinken. So wird eine der Aufgaben Désirs auch darin bestehen, Hollande in der eigenen Partei zu unterstützen und den Rücken frei zu halten.
Désirs Vater stammt aus der Karibik, seine Mutter aus dem Elsass. Zusammen mit Julien Dray, der mittlerweile PS-Abgeordneter geworden ist, gründete er 1984 SOS Rassismus, einen Verein der gegen Fremdenfeindlichkeit kämpft. Bis 1992 präsidierte er die Vereinigung. Er hat zwei Kinder.
(agenturen/hesa;maiu)







