Schweiz
Gutachter zweifeln an Sicherheit von AKW Beznau und Fessenheim
Ein deutsches Gutachten hat massive Sicherheitsmängel an den Atomkraftwerken im Schweizer Beznau und im grenznahen französischen Fessenheim ausgemacht.
Die beiden Beznauer Reaktoren hätten bei Erdbeben und Überflutung sowie im Brennelemente-Lagerbecken, bei der elektrischen Energieversorgung und der Kühlwasserversorgung «wesentliche sicherheitstechnische Schwachstellen».
Auch in Fessenheim direkt hinter der deutschen Grenze handle es sich um eine «sicherheitstechnisch unzureichende Anlage», teilte das baden-württembergische Umweltministerium, in dessen Auftrag das Gutachten entstanden war, mit.
Vor allem gegen Erdbeben und Überflutungen sei Fessenheim nicht gewappnet. In einigen Bereichen seien beide Anlagen sogar schlechter aufgestellt, als die sieben Meiler, die Deutschland nach der Atomkatastrophe von Fukushima vom Netz genommen hat.
Das Gutachten sei zwar nicht überraschend, aber doch alarmierend, sagte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller. «Fessenheim gehört nach den vorliegenden Ergebnissen unseres Gutachtens mehr denn je zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschaltet. 2016, wie von der französischen Regierung geplant, ist mir zu spät», sagte er.
Beide AKW sollen vom Netz
Unterstützung erhielt der Minister unter anderem vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV).
«Der Weiterbetrieb des AKW Fessenheim selbst bis zum vorgesehenen Abschalttermin 2016 ist nicht verantwortbar», sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. «Nur durch die sofortige Stilllegung beider Atomkraftwerke kann ein echter Sicherheitsgewinn erreicht werden.»
Axpo weist Kritik zurück
Der Energiekonzern Axpo, Betreiber des AKW Beznau, hat die Kritik aus Deutschland zurückgewiesen. Das Gutachten des Öko-Instituts verwende zu einem grossen Teil deutsche Bewertungskriterien, welche nicht Teil des EU-Stresstests gewesen seien, hält die Axpo in einer Stellungnahme fest.
Auch berücksichtige es zu wenig alternative Kühlmöglichkeiten des AKW Beznau. Dieses habe den EU-Stresstest hervorragend bestanden: Beznau habe alle fünf abgefragten «Best Practices» erfüllt.
Im Stresstest seien elf kritische Punkte überprüft worden. Das AKW habe alle elf Punkte ausgezeichnet bestanden. Das hervorragende Abschneiden des AKW in allen Tests beweise, «dass sich die konsequente Sicherheitsphilosophie und die permanenten Investitionen in die Sicherheit ausbezahlt haben», hält der Energiekonzern fest.
Der LNV forderte die deutsche Bundesregierung auf, sofort in der Schweiz und in Frankreich zu intervenieren, damit die beiden Kernkraftwerke an den deutschen Grenzen vom Netz gehen. Frankreichs Präsident François Hollande hatte kürzlich angekündigt, das AKW solle bis Ende 2016 stillgelegt werden.
(sda/gern;mery)



