Inhalt

International

Uruguay erlaubt Abtreibungen

Donnerstag, 18. Oktober 2012, 9:07 Uhr

Der Senat von Uruguay hat in einem für die Region bahnbrechenden Schritt grünes Licht für Abtreibungen gegeben. Neben Kuba und Guyana ist es das dritte Land in der Region, in dem Abtreibungen legal sind.

Bild

17 Senatoren votierten für den Gesetzesentwurf, 14 dagegen. Nach dem neuen Gesetz sollen Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nicht länger illegal sein. Allerdings müssen sich betroffene Frauen zuvor einem Expertenausschuss stellen und fünf Tage auf eine offizielle Bestätigung warten.

Zudem sollen Abtreibungen zu einem späteren Zeitpunkt künftig erlaubt werden, wenn die Mutter in Lebensgefahr schwebt oder Missbildungen des Fötus vorliegen. Vergewaltigungsopfer dürfen den Eingriff in den ersten 14 Schwangerschaftswochen vornehmen lassen.

Haft bei Abtreibung

Im vorwiegend katholischen Uruguay mit 3,4 Millionen Einwohnern werden nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen jährlich geschätzte 30'000 Abtreibungen vorgenommen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Zahlreiche Frauen sterben bei illegalen, heimlichen Abtreibungen.

Das derzeitige Gesetz aus dem Jahr 1938 bestraft Frauen, die eine Abtreibung vornehmen, mit bis zu neun Monaten Haft. Mitwirkende an Abtreibungen können mit bis zu 24 Monaten Gefängnis bestraft werden.

Auch Präsident dafür

Nach Angaben des Senators Luis Gallo vom regierenden Mitte-links-Bündnis Frente Amplio wird nur ein winziger Bruchteil der Schwangerschaftsabbrüche strafrechtlich verfolgt. Deshalb sei die jetzt erfolgende Entkriminalisierung längst überfällig gewesen.

Präsident José Mujica hat anders als sein Vorgänger Tabaré Vázquez angekündigt, den Entwurf unterzeichnen zu wollen. In Lateinamerika sind Kuba und Guayana bislang die einzigen Länder, in dem allen Frauen Abtreibungen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten erlaubt sind.

(sda/hesa;buet)