Schweiz
Videoüberwachung auf dem Luzerner Bahnhofplatz ist ein Flop
Trotz Videoüberwachung ist der Luzerner Bahnhofplatzes nicht sicherer geworden. Die Polizei beurteilt die Aufnahmen als ungenügend zur Fahndung und als Beweismittel. Der Stadtrat will sie nun abmontieren. Die Bürgerlichen sind dagegen.
Von den Ende 2008 installierten sechs Videokameras auf dem Luzerner Bahnhofplatz erhoffte man sich eine abschreckende Wirkung: Weniger Straftaten und Vandalismus, schnelleres Eingreifen der Polizei bei Straftaten, Beweismittel für die Justiz. Vier Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus: Keine merkliche Verbesserung der Situation.
Der Luzerner Stadtrat präsentierte nun das Ergebnis einer externen Evaluation. Weil die Ziele der Videoüberwachung nicht oder nur teilweise erreicht wurden, beantragt er nun dem Parlament den Verzicht. Dies auch als Teil der neusten Sparrunde. Mit Kosten von 30'000 Franken pro Jahr ist der Effekt allerdings bescheiden.
Polizei: Aufnahmen unbrauchbar
Konkret zeigte die Evaluation, dass seit der Installation der Kameras kein sicherheitsrelevanter Rückgang der Ereignisse feststellbar sei. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung sei lediglich am Anfang, vermutlich in Zusammenhang mit den Medienberichten, verbessert worden.
In einer Stellungnahme hält die Luzerner Polizei fest, dass die Aufnahmequalität schlecht und die Straftaten visuell schwer zu erkennen seien. Menschen liessen sich «nicht rechtsgenüglich identifizieren». Die Aufnahmen könnten weder für Beweiszwecke, noch für Fahndungen genutzt werden.
Der Evaluationsbericht weist aber darauf hin, dass die Bilanz mit Vorsicht zu interpretieren sei. Man könne nicht sagen, wie sich die Situation ohne Videoüberwachung entwickelt hätte. Die Folgen einer Demontage seien denn auch schwer abschätzbar. Möglich sei eine Zunahme der Delikte.
Bürgerliche für neue Kameras
Bereits vor der Veröffentlichung des Berichtes haben denn auch bürgerliche Politiker den geplanten Verzicht auf Videoüberwachung kritisiert. Auch sie haben zwar keine Einwände gegen die Demontage der unbrauchbaren Kameras. An ihrer Stelle sollen aber – auf Kosten des Kantons – neue, zweckmässige Kameras installiert werden.
Auch die Polizei ist trotz Unzulänglichkeiten überzeugt, dass die Videoüberwachung am Bahnhofplatz zumindest präventiv wirkt. Allerdings müssten die Kameras ersetzt werden. SP und Grüne dagegen weinen der Videoüberwachung keine Träne nach.
Nicht betroffen vom Verzicht sind die 19 Kameras auf den beiden alten Holzbrücken über die Reuss, der Kapell- und der Spreuerbrücke. Diesen attestiert die Polizei eine gute Qualität. Der Grund: Die Kameras dort können für einen bestimmten Aufnahmewinkel und eine bestimmte Schärfe besser fokussiert werden als auf einem grossen Platz.
(sda/horm;godc)






