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Schweiz

Flucht griechischer Firmen nicht einfach

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 18:51 Uhr

Wegen der prekären wirtschaftlichen Situation in Griechenland prüfen immer mehr hellenische Firmen, ihren Hauptsitz ins Ausland zu verlegen. Doch nur wenige Unternehmen haben in diesen flauen Zeiten überhaupt die finanziellen Mittel für einen Umzug.

Seit Griechenland Anfang 2011 von den grossen Ratingagenturen auf Ramschniveau heruntergestuft wurde, hat Nikolaos Aggelidakis, Präsident der schweizerisch-griechischen Wirtschaftskammer, deutlich mehr zu tun. Er berät unter anderem Unternehmen, wie sie den Schritt in die Schweiz schaffen können.

Bild Porträt Nikolaos Aggelidakis
Der Präsident der griechisch-schweizerischen Wirtschaftskammer, Nikolaos Aggelidakis, ist skeptisch, was die Entwicklung in Griechenland anbelangt. sda/bruno schlatter

Einfach ist das nicht. «Es muss sehr viel vorbereitet werden», sagt der Mann, der bis weit in die politische Spitze Griechenlands vernetzt ist. Aggelidakis nennt etwa die Standortfrage, die künftigen Steuern und auch die administrativen Kosten für eine Umsiedelung des Hauptsitzes.

All dies kann eine Firma viel Geld kosten – Geld, das den meisten wegen der Schuldenkrise fehlt. «Die Ausgaben für einen Standortwechsel können, je nach Grösse der Firma, schnell einmal eine Million Franken betragen», sagt Aggelidakis. «Aber derzeit haben nur wenige Unternehmen genügend finanzielle Luft, um den Prozess durchzuziehen.»

Kaum neue Firmen aus Griechenland

Aus diesem Grund war die Wirtschaftskammer zwar mit mehr Anfragen von Unternehmen konfrontiert, den Standortwechsel auch wirklich umgesetzt haben aber bisher kaum welche.

Die kantonalen Stellen für Wirtschaftsförderung in Zug und Zürich sowie die Wirtschaftsorganisation Greater Zurich Area haben denn auch keinen Anstieg von Neuansiedelungen griechischer Firmen festgestellt, wie eine Recherche der Nachrichtenagentur sda ergeben hat.

Griechenlands grösstes Unternehmen, der Getränkeabfüller Coca Cola Hellenic (CCHBC), hat den Schritt gewagt. Das Unternehmen hat vergangene Woche angekündigt, den Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen. Zudem will CCHBC von der Athener zur Londoner Börse wechseln. Auch der Milchprodukte-Konzern Fage zieht weg. Der Grosskonzern wird künftig von Luxemburg aus operieren.

Coca Cola hatte schon vorher ein Standbein in der Schweiz. Auch deshalb sei der Standortwechsel einfacher und aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch gewesen, ist Aggelidakis überzeugt.

Unzuverlässiges Steuersystem

Die Gründe für die Suche nach dem Glück im Ausland sind vielfältig. Einerseits ist auf dem griechischen Markt kaum Bewegung: An den Börsen geht wenig, die Banken geben wegen des Schuldenschnitts kaum noch Kredite aus, Investoren sind vorsichtig geworden, die Wirtschaft schrumpft. Derzeit steuert Griechenland auf das sechste Jahr mit einer nachlassenden Wirtschaft zu.

Andererseits schlagen sich die Unternehmen mit grossen Unsicherheiten herum, insbesondere wegen des undurchsichtigen und unzuverlässigen Steuersystems in Hellas, welches eine seriöse Planung fast unmöglich macht. Kurzum: die Konzerne sehnen sich nach Stabilität und finanzieller Sicherheit.

Wegfall der Steuererträge verkraftbar

Für den Präsidenten der schweizerisch-griechischen Wirtschaftskammer ist deshalb ein Standortwechsel eines Unternehmens nachvollziehbar. Es sei zwar «ein kleiner Schock» gewesen, als bekannt wurde, dass Coca Cola Hellenic wegziehe, insgesamt dürfe man die Bedeutung jedoch nicht überbewerten, sagt Nikolaos Aggelidakis.

«Solange die Arbeitsplätze in Griechenland verbleiben, ist ein Wegzug nicht schlimm», sagt er. Den Wegfall der Steuererträge könne das Land verkraften. Die Politik müsse aber versuchen, die Konjunktur anzukurbeln und die Attraktivität des Landes erhöhen. Sonst könnten demnächst weitere grosse Firmen das Land an der Ägäis verlassen – und in die Alpen ziehen.

(sda/harry tresch/horm;godc)