Schweiz
Ein Jahr «Occupy»: Idealismus bleibt
Das Echo war bescheiden, als Zürcher Aktivisten am vergangenen Samstag zum Jahrestag der «Occupy»-Bewegung luden. Dem Aufruf folgten ein paar Unentwegte. Die Forderungen haben sich nicht geändert: ein neues Finanzsystem und eine gerechtere Verteilung der Ressourcen.
«Occupy Paradeplatz» macht schon lange keine Schlagzeilen mehr, auch wenn sie sich seit Beginn der Bewegung jeden Samstag hier versammeln. Nur noch wenige folgen den Aktivisten. Anders noch vor einem Jahr: 1500 Menschen kamen auf dem Paradeplatz und skandierten laut und deutlich «Menschen statt Banken».
Von dem lauten Protest von damals ist heute wenig zu spüren. 30 Menschen sind auf dem Platz, um das 1-Jahr-Jubiläum zu feiern. Es ist eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe, die sich hier findet. Das bringe doch nichts mehr, die Zeit der Bewegung sei vorbei, sagen Passanten und eilen weiter.
«Veränderung im Kleinen»
«Dass wir so wenige sind, hat damit zu tun, dass wir uns in einer falschen Sicherheit wiegen», sagt der pensionierte Kaufmann Peter Christen im Gespräch mit der «Rundschau». Er steht seit Beginn der Protest-Bewegung auf dem Paradeplatz, genauso wie Gunnar Jauch. «Ich glaube daran, dass Veränderung im Kleinen beginnt, das war schon immer so. Nur so kann etwas bewegt werden, wenn man dabei bleibt und sich gegenseitig Mut und Kraft gibt», sagt der 67jährige Architekt aus Zürich.
Auch Jean Ziegler hat die «Occupy»-Bewegung von Anfang an unterstützt. Das mangelnde Interesse erklärt er sich damit, dass die Leute nun im Hintergrund arbeiten. «Die Initiative der Juso, die die Spekulation mit Nahrungsmitteln verbieten will, kommt ursprünglich aus der ‹Occupy›-Bewegung.»
Forderungen unrealistisch
Doch nicht nur in Zürich, weltweit ist die Bewegung erlahmt. «Die Mehrheit unserer Gesellschaft will sich hocharbeiten und möchte dafür auch was bekommen und konsumieren, darum denke ich mir, dass eine solche Bewegung nie die Mehrheit einer Bevölkerung hinter sich bringen kann», sagt Hans-Peter Portmann, Bankdirektor und Zürcher FDP Kantonsrat.
Für ihn hat die «Occupy»-Bewegung damals zu Recht auf Missstände hingewiesen, doch deren Forderungen sind für ihn nicht realistisch. «All die Systeme von der Gleich- und Umverteilung und Grundlohn, wenn man die Vergangenheit anschaut, sind die alle zusammengebrochen, nicht weil es die Wirtschaft gibt, sondern weil die eigenen Völker, dass so nicht mehr wollten.»
Die Zürcher «Occupy»-Aktivisten lassen sich nicht von ihrem Protest abhalten. Sie werden auch nächsten Samstag wieder auf dem Paradeplatz stehen.



