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US-Wahlkampf 2012

TV-Duell: «Comeback für Obama»

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 5:42 Uhr, Aktualisiert 20:33 Uhr

Die zweite TV-Debatte von Mitt Romney und Barack Obama ist mit einem Punktesieg für Obama ausgegangen. Der US-Präsident trat deutlich aggressiver auf. Beim ersten Duell hatte der Demokrat kraftlos gewirkt und dem republikanischen Herausforderer Romney praktisch das Feld überlassen.

Zweites Duell in den USA (10vor10, 17.10.2012)

«Das ist der kämpferischste Auftritt von Obama, den ich je gesehen habe», sagte SF-Korrespondent Arthur Honegger. «Der US-Präsident sprach mit viel mehr Energie und Verve als bei seinem letzten TV-Duell. Hier haben wir das Comeback für Obama gesehen». «Er zeigte den Kampfgeist, den er in der ersten Debatte vor zwei Wochen nicht gezeigt hat», kommentierte denn auch die «New York Times» nur Minuten nach dem Rededuell.

Herausforderer Romney hat sich zwar auf dieselben Stärken des letzten TV-Duells verlassen können. Mit dem entscheidenden Unterschied: Auf der anderen Seite war ein stärkerer Gegner.

«Bei diesem TV-Duell haben wir das Comeback für Obama gesehen»
Arthur Honegger, SF-Korrespondent

Die Auswahl der Fragen kamen Barack Obama tendenziell entgegen. Bei Einwanderungsfragen oder Gleichstellung konnte er als Präsident darauf hinweisen, was er diesbezüglich bereits in seiner Amtszeit geleistet hat.

«Obama blühte in der Rolle als Commander and Chief auf.» (Tagesschau 17.10.2012, 19:30 Uhr)

Umfragen: Pro Obama

Auch die ersten Umfragen zum TV-Auftritt fielen zugunsten von Obama aus. Auf CNN sprachen sich 46 Prozent der Zuschauer für den US-Präsidenten und 39 Prozent für den Herausforderer aus. Auch CBS sah Obama vorn: 37 Prozent waren für Obama, 30 Prozent für Romney.

Die Umfragen bestärken auch die Einschätzungen von SR-DRS-Korrespondent Beat Soltermann in der Radiosendung «HeuteMorgen». Romney habe ebenfalls gute Momente gehabt – vor allem in Wirtschaftsfragen. Romney schlug sich bei diesem Thema tapfer und setzte dem Präsidenten erneut mit Vorwürfen wegen der hohen Arbeitslosigkeit, mit der schlechten Wirtschaftslage zu. Das ist immer noch das Wahlkampfthema Nummer 1 in den USA.

«Romney hat auch seine starken Momente gehabt.»
Beat Soltermann, SR DRS Korrespondent

Romney wiederholte auch in diesem Duell: «Ich weiss, wie es besser geht. Ich habe mein Leben in der Privatwirtschaft verbracht.» Das ist unterdessen zu seinem Credo geworden.

Streit um Reaktion der Regierung

Einen Ausrutscher leistete sich Romney in der Aussenpolitik. Er kritisierte Obama scharf wegen der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi.

Romney hielt der Obama-Regierung vor, zunächst verschleiert zu haben, dass es sich bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi um einen Terroranschlag gehandelt habe.

Diskussionen um Bengasi (Englisch)

Obama wies dies scharf zurück: «Die Andeutung, dass jemand in meinem Team irreführend gehandelt hat, als wir vier der Unseren verloren haben, ist beleidigend.» Schon einen Tag nach dem Angriff habe er öffentlich von einem Terroranschlag gesprochen. Dies bestätigte die Moderatorin umgehend und liess Romney in einem schlechten Licht erscheinen.

US-Medien über Debatte

Amerikanische TV-Sender analysierten jeden kleinen Schritt der beiden US-Politiker. Sie waren dieses Mal auffallend oft gleicher Meinung. «Romney hatte einen soliden Auftritt ... aber Obama die Nase vorn», meinte CNN-Experte David Gergen. «Romney ist gut, wenn der andere Typ nicht präsent ist», sagte Joe Trippi, ein Berater der Demokraten, dem Sender Fox News mit Blick auf Obamas ersten Debatten-Flop. «Aber diesmal war Obama präsent.»

7,2 Millionen Tweets

Der Kurznachrichtendienst Twitter gab im Anschluss an das TV-Duell bekannt, dass während der Debatte 7,2 Millionen Tweets geschrieben worden seien. Die Tweets über Obama seien tendenziell positiver gewesen. In den ersten Momenten seien beide noch gut im Rennen gewesen. Negative Kommentare über den US-Präsidenten habe es gegeben, als er Romney unterbrochen habe.

Auch in Sachen Körpersprache hatte Obama in dieser Nacht auf Long Island dazugelernt: Diesmal schlug er nicht die Augen nieder, schaute nicht wie gebannt auf seine Schuhspitzen – diesmal blickte er meist direkt ins Publikum.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Drei Wochen vor den Wahlgang am 6. November wird immer klarer: Es könnte wieder eine äusserst spannende Wahl geben. Die beiden Kandidaten treffen am 22. Oktober noch einmal in einer dritten Debatte aufeinander – dann in Florida. Laut den letzten Erhebungen von Real Clear Politics liefern sich die beiden Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Romney konnte in letzter Zeit an Boden gut machen.


Real Clear Politics ist ein in Chicago ansässiges Institut, das nach eigenen Angaben Nachrichten und Meinungen zur US-Politik sammelt. Es aggregiert unter anderem die aktuellen Daten grosser US-Umfrageinstitute und bildet deren Durchschnitt ab.

US-Wahlkampf auf Twitter

Der US-Wahlkampf ist auch in Foren, Blogs und den sozialen Medien ein heissdiskutiertes Thema. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat Obama eine viel grössere Anhängerschaft als sein Kontrahent Romney. Die US-Medien begleiten den Wahlkampf hautnah: Unter anderem FoxNews, CNN, NYTimes und auch NBC berichten ausführlich auf Twitter. Die Korrespondenten des Schweizer Fernsehens, Arthur Honegger und des Schweizer Radios, Beat Soltermann, twittern ebenfalls über das Wahlkampfgeschehen.

(agenturen/rufi/koua;galc)