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International

Brahimi: Syrien-Krise droht «alles zu zerstören»

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 12:24 Uhr, Aktualisiert 20:41 Uhr

Als «mikroskopisch klein» schätzt UNO-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi die Chancen für eine dauerhafte Waffenruhe in Syrien ein. Die Friedensbemühungen seien ein «sehr, sehr schwieriger Prozess».

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Nach Abschluss seiner Reise durch mehrere Länder der Region warnte Brahimi in der libanesischen Hauptstadt Beirut: «Diese Krise kann auf Dauer nicht innerhalb Syriens gehalten werden.» Sollte sich die Krise ausweiten, drohe sie «alles zu zerstören».

Brahimi hatte Regierung und Aufständischen eine vorübergehende Waffenruhe während des islamischen Opferfests in der kommenden Woche vorgeschlagen. Er zeigte sich vorsichtig zuversichtlich: «Wenn die (syrische) Regierung zustimmt, und dafür gibt es bereits Signale, und wenn die Opposition zustimmt, dann wäre dies ein kleiner Schritt hin zu einem Ende der Gewalt.»

1,5 Millionen Euro Hilfszahlungen gingen von Frankreich bereits an Syrien. (Tagesschau 17.10.2012, 19:30 Uhr)

Syrien äusserte sich grundsätzlich offen für die Bemühungen. Jeder Friedensplan müsse jedoch von beiden Konfliktparteien respektiert werden, sagte ein Aussenamtssprecher. Seitens der Opposition heisst es, dass die Kämpfe eingestellt würden, sobald auch die Angriffe aufhörten.

In Diplomatenkreisen werden dem Vorstoss Brahimis kaum Erfolgsaussichten beschieden. Weder Syrien noch die Opposition hätten Andeutungen gemacht, die Waffen ruhen lassen zu wollen, verlautete aus New York.

Neue Dimension der Gewalt

Parallel zu Brahimis Bemühungen in der Region trafen sich in Paris Vertreter von Geberländern und Hilfsorganisationen mit Repräsentanten der zivilen syrischen Revolutionsräte, um neue Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Die Revolutionsräte verwalten diejenigen Zonen des Landes, über welche die Regierung um Baschar al-Assad keine Kontrolle mehr ausübt.

Zum Auftakt der Konferenz verurteilte Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius erneut die vom Assad-Regime ausgehende Gewalt. In den vergangenen Monaten habe das Ausmass der Gewaltanwendung eine neue Dimension erreicht, sagte Fabius.

Bild Eine Streubombe in der Nähe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh, die von Israel im Krieg gegen die Hisbollah abgeworfen wurde..
Viele Bomben in einer Bombe: eine Streubombe in der Nähe der libanesischen Stadt Ouazaiyeh. keystone/archiv

Er bestätigte Berichte von Menschenrechtsaktivisten, nach denen die Regierungstruppen im Kampf gegen die Aufständischen Streubomben einsetzen. Dieser jüngste Einsatz sei noch einmal schrecklicher als der von Kampfflugzeugen und Sprengstoff. Das syrische Militär hat den Einsatz der weithin geächteten Waffen bislang dementiert. Syrien verfüge nicht über diesen Waffentyp, hiess es.

«Es braucht nun eine schnelle politische Lösung des Problems.» (Tagesschau 17.10.2012, 19:30 Uhr)

Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus mit Raketenwerfern abgefeuert werden. Ihre Behälter öffnen sich in der Luft und setzen viele kleine Bomben über grosse Flächen frei.

Diese Flächen bleiben wegen der grossen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts verseucht. Genau wie Landminen geht die Munition bei Berührung in die Luft; wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt.

«Brüderliche Solidarität» der katholischen Kirche

Papst Benedikt XVI. schickt eine hochrangige Delegation aus Kardinälen und Bischöfen in das Bürgerkriegsland Syrien. Benedikt habe dies angeordnet, um die «brüderliche Solidarität» der katholischen Kirche mit der gesamten unter der Gewalt leidenden Bevölkerung deutlich zu zeigen. Das erklärte sein Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in Rom.

«Wir können nicht nur einfach Zuschauer einer solchen Tragödie sein», sagte Bertone, wie Radio Vatikan berichtete. Die Delegation werde voraussichtlich in der kommenden Woche in Damaskus sein. Der Besuch solle auch die Nähe zu den Christen in Syrien betonen und zu einer Suche nach einer für alle gerechten Konfliktlösung ermutigen.

Der Papst hatte mehrfach eindringlich eine friedliche Lösung für das Bürgerkriegsland angemahnt, die vor allem auch die humanitären Belange berücksichtigen müsse.

(agenturen/godc/mery;krua)