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US-Wahlkampf 2012

TV-Duell: Obama und Romney üben sich in Bürgernähe

Dienstag, 16. Oktober 2012, 12:49 Uhr, Aktualisiert 20:58 Uhr

Barack Obama und Mitt Romney treffen im zweiten TV-Duell aufeinander. Dabei werden sie Fragen vom Volk beantworten müssen. Der Druck für beide ist gross: Obama muss seine schwache Leistung aus der ersten Debatte korrigieren – und Romney zeigen, dass er mit Menschen umgehen kann.

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Barack Obama und Mitt Romney liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaft. Beide Lager erhoffen sich, bei der zweiten TV-Debatte an der Universität Hofstra in Hempstead (New York) einen entscheidenen Vorsprung herausholen zu können. Doch das zweite Duell hat so seine Tücken.

Romney und Obama gehen in die zweite Runde. (Tagesschau 16.10.2012, 19:30 Uhr)

Die Debatte wird von CNN-Moderatorin Candy Crowley moderiert und stellt vor allem die Bürgernähe der Kandidaten auf die Probe. Noch unentschlossene Wähler haben im so genannten Town-Hall-Format die Möglichkeit, den beiden Kontrahenten ihre Fragen zu stellen. Bei den Zuschauern handelt es sich um unentschiedene Wähler, die vom renommierten Umfrage-Institut Gallup ausgewählt wurden.

SF-Korrespondent Arthur Honegger riet Obama zu mehr Energie, wenn er nicht wieder als Verlierer die Bühne verlassen wollte. Vor allem seine eigenen Wähler seien nach der ersten Debatte nämlich von ihm enttäuscht gewesen, so Honegger zu «10vor10». Zu sehr seinen Kontrahenten Romney anzugreifen sei aber auch nicht klug.

TV-Duell: Obama und Romney üben sich in Bürgernähe

Obama und Romney haben zunächst jeweils zwei Minuten Zeit zur Antwort auf die Bürgerfragen. Danach soll es einen direkten Austausch zwischen Obama und Romney geben. Das Themenfeld ist offen: sowohl Innen- als auch Aussenpolitik werden zum Zug kommen.

Town Hall nicht Romneys Ding

Vor allem Präsident Obama ist unter Druck. In der ersten Debatte hatte er überraschend schwach abgeschnitten. Obama hatte Romney das Feld praktisch kampflos überlassen. Er war zu wenig aggressiv und viel zu höflich, wie er auch selbst im Nachhinein eingestand. Wie eine demokratische Wahlkampfhelferin im Gespräch mit Radio DRS vermutet, wollte Obama unter anderem zu fest dem Klischee des wütenden afroamerikanischen Mannes aus dem Weg gehen.

Doch auch Romney ist gefordert. Er muss nun nochmals nachlegen, und beweisen, dass er tatsächlich einen Draht zum Durchschnittsbürger hat. Dabei ist die Form der Town-Hall-Debatte aber nicht unbedingt sein Ding. Zwar kann er auf Erfahrungen mit ähnlichen Veranstaltungen aus dem Wahlkampf zurückgreifen, doch hier sassen meist ihm zugeneigte Republikaner im Publikum – und nicht unentschlossene Wähler.

Daher sind sich die Kommentatoren einig: eigentlich ist die Town Hall eher auf Obama zugeschnitten. Ihm wird mehr Empathie zugesprochen. Selbst wenn dem ehemaligen Jura-Professor manchmal Abgehobenheit vorgeworfen wird, kann er besser auf Menschen zugehen und hat wohl von seinem Hintergrund tatsächlich mehr Gemeinsamkeiten mit dem einfachen Volk als Milliardär Romney.

Auch Draht zu den Kindern gefragt

Nicht nur in der Town Hall, auch bei den Kindern scheint Obama einen Startvorteil zu haben. Bei einem Wahlspecial des Kindersenders Nickelodeon stellte sich Obama den Fragen von 10- bis 18jährigen. Romney hatte keine Zeit und sagte dem Sender ab.

Die Kinder werden auf der Website des Senders abstimmen, wer ihr Favorit ist. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Interessant: Bei den vergangenen sechs Präsidentschaftswahlen haben die Kids fünf Mal den richtigen Sieger ausgesucht.

Beim Thema Aussenpolitik wird Romney versuchen, den Anschlag in Libyen vom 11. September gegen Obama zu nutzen. Doch: Just heute sich Aussenministerin Clinton die volle Verantwortung für die Tötung des US-Botschafters in Bengasi übernommen. Dies dürfte Obama zumindest nicht schaden. Generell wird das Themenfeld Aussenpolitik von Kommentatoren eher als ein Vorteil für Obama angesehen. Hier wird dem Präsidenten mehr Kompetenz zugesprochen als seinem Herausforderer.

Obama soll «kraft- und respektvoll» sein

Obamas generelles Problem wird sein: Er muss aggressiver auftreten als bei der ersten Debatte, und doch staatsmännisch wirken. Einen ähnlich angriffigen, fast schon herablassenden Auftritt wie sein Vize Joe Biden im Duell mit Paul Ryan kann er sich nicht leisten. Weil in der jetzigen Debatte die Fragen von den Bürgern kommen, wird ausgerechnet jetzt aber das Duell Mann gegen Mann und damit die Aggressivität wohl etwas auf der Strecke bleiben.

Somit muss Obama vor allem in der Sache und bei den innen- und wirtschaftspolitischen Themen hart argumentieren. So liess das Obama-Teams verlauten: «Es ist sein Ziel, dem amerikanischen Volk die Unterschiede zu erläutern, dies in einer kraftvollen aber respektvollen Weise.» So wird Obama auch herausstreichen müssen, dass seine wirtschaftliche Bilanz nicht so schlecht ist, wie vom Gegner dargestellt. Neueste Arbeitsmarktdaten aus den USA könnten ihm dabei helfen.

Empfohlene Websites zum US-Wahlkampf

In jeder TV-Debatte werfen sich die Kandidaten Argumente und Fakten an den Kopf. Tilman Lingner, Autor der ECO-Sondersendung zu den Wahlen, gibt eine Auswahl an Websites, die etwas Licht ins Debatten-Dunkel bringen sollen. mehr

Aber auch Romney ist gefordert. Nicht nur im Auftreten, auch in der Sache. Einerseits muss der Republikaner konkret erklären, wie er Steuern senken will ohne den Haushalt noch mehr zu strapazieren. Bisher liessen sowohl Romney als auch sein Vize Ryan hier Antworten vermissen. Andererseits muss Romney seine Position zur Gesundheitsreform erklären. Zuletzt war er politisch etwas in die Mitte gerückt – sehr zum Erstaunen Obamas.

Kaum Zeit, um Fehler zu korrigieren

Die Zuschauer und vor allem die unentschlossenen Wähler erwarten, dass nach der Debatte das Pendel für den einen oder anderen ausschlägt. Obama muss nun zulegen. Und doch: die Erwartungshaltung ist nicht mehr so hoch wie vor der ersten Debatte. Jetzt muss sich auch Romney beweisen und zeigen, dass er die Lorbeeren nach dem ersten Duell verdient hat.

Auf beiden Kandidaten lastet ein enormer Druck. Bereits kommenden Montag findet die letzte TV-Debatte statt und danach dauert es noch etwa zwei Wochen bis zur Wahl. Gelegenheiten, irgendwelche Fehler auszuwetzen werden Obama und Romney also nicht mehr viele erhalten.

(agenturen/frua; coro)