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International

Drahtzieher sagen bei 9/11-Anhörung aus

Dienstag, 16. Oktober 2012, 12:07 Uhr, Aktualisiert 17:35 Uhr

Die fünf mutmasslichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 haben vor dem Sondertribunal des US-Militärs in Guantánamo ihr Schweigen gebrochen. Zu Beginn einer fünftägigen Anhörung äusserte der mutmassliche Chefplaner der Anschläge, Khalid Sheikh Mohammed, Kritik an dem Militärverfahren.

«Ich denke nicht, dass es irgendeine Gerechtigkeit in diesem Gericht gibt», sagte Mohammed, der sich zu den Anschlägen von «A bis Z» bekannte. Obwohl der 47-Jährige gut Englisch spricht, äusserte er sich auf Arabisch.

Neben dem aus Kuwait stammenden Khalid Sheikh Mohammed müssen sich der Saudiaraber Mustafa Ahmad Al-Hawsawi, der Pakistaner Ali abd Al-Aziz Ali sowie die Jemeniten Ramzi Binalshibh und Walid bin Attash für eine Verwicklung in die Anschläge verantworten.

Die fünf Angeklagten trugen traditionelle Gewänder und weisse Turbane oder Kappen. Anders als bei der Verlesung der Anklage im Mai, als sie aus Protest gegen das Verfahren geschwiegen hatten, antworteten alle Angeklagten auf die Fragen des Richters.

In dem Prozess, der frühestens im kommenden Jahr beginnen dürfte, droht den Männern die Todesstrafe. Ein früherer Versuch, die Männer in New York vor ein ziviles Gericht zu stellen, war gescheitert.

Angeklagte gefoltert

Die Verteidigung will erreichen, dass in der Anhörung auch über die Folterung der Angeklagten gesprochen wird. Die Gruppe wirft der US-Regierung  vor, sie in Geheimgefängnissen festgehalten und dort mit Todesdrohungen, Schlafentzug und anderen brutalen Verhörmethoden unter Druck gesetzt zu haben.

Mohammed wurde nach offiziellen Angaben mehr als 180 Mal dem sogenannten Waterboarding unterzogen, bei dem der Verhörte zu ertrinken glaubt.

Die Verteidiger der «Gitmo Five» genannten Gruppe fordern, dass die «ganze Wahrheit» über die Anschläge vom 11. September 2001 in dem Verfahren ausgebreitet werden müsse. «Wir müssen über Folter reden», sagte Anwalt Michael Schwartz. «Der körperliche und emotionale Stress ist von Bedeutung.»

Zeitverzögerte Übertragung

Die US-Regierung will dagegen Details über die Misshandlung der Angeklagten aus Gründen der nationalen Sicherheit unter Verschluss halten. Das Audiosignal aus dem Gerichtssaal in Guantánamo wird für Journalisten mit einer 40-sekündigen Verzögerung übertragen, um als geheim eingestufte Aussagen etwa zur Folter unkenntlich machen zu können.

Medienorganisationen und die Bürgerrechtsgruppe American Civil Liberties Union (ACLU) kritisierten dieses Vorgehen als Verstoss gegen die in der US-Verfassung verankerte Pressefreiheit. Das Gericht will über Einsprüche gegen dieses Verfahren beraten.

Bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington waren am 11. September 2001 fast 3000 Menschen getötet worden. Die fünf Angeklagten waren zwischen 2002 und 2003 festgenommen worden und verbrachten wie viele andere Terrorverdächtige einige Zeit in geheimen Gefängnissen des US- Geheimdienstes CIA, bevor sie nach Guantánamo verlegt wurden.

(sda/schubeca/horm;maiu)