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International

«Costa Concordia»: Reederei sieht keine Schuld

Dienstag, 16. Oktober 2012, 16:13 Uhr, Aktualisiert 18:34 Uhr

Neun Monate nach der Havarie der «Costa Concordia» mit 32 Toten geht im italienischen Grosseto die Beweisaufnahme weiter. Reederei und Küstenwache stellten ihre Sicht der Dinge, von der Unglücksnacht dar. Dabei konnten ihre Einschätzungen gegensätzlicher kaum sein.

Die italienische Küstenwache erhebt schwere Vorwürfe gegen die Reederei des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia». Diese habe die Schifffahrtsbehörden in der Nacht der Havarie nicht ausreichend informiert. Dagegen sieht die Reederei Costa Crociere sich durch ein Sachverständigengutachten entlastet. Diese Einzelheiten wurden am zweiten Tag der Beweissicherung bekannt.

Nach den Telefonaten mit dem Kreuzfahrtschiff sei es der Reederei klar gewesen, dass die Gefahrenlage an Bord nicht korrekt berichtet wurde, so die Aussage der Küstenwache. Costa Crociere habe aber die irreführenden Informationen nicht korrigiert, die Kapitän Francesco Schettino dem Hafenamt in Livorno gegeben habe.

Gutachten entlasstet angeblich Reederei

40 Minuten nach dem Unglück habe auch die Reederei gewusst, «dass das Schiff noch um keinerlei Hilfe gerufen hatte und auch nicht handelte.» Schettino war in der Nacht in Kontakt mit Roberto Ferrarini, dem Krisenmanager der Genueser Reederei.

Die Evakuierung wurde erst über eine Stunde nach dem Vorfall angeordnet. Dagegen erklärte der Costa-Anwalt Marco De LucaIn, in einer Analyse hätten die Fachleute den Costa-Krisenmanagern durchaus bescheinigt, in der Nacht «praktisch alles getan zu haben, was ihnen möglich war».

Tote bei Schiffsunglück vor Italien

Bei der Beweisaufnahme zu dem Unglück hatten die von der Ermittlungsrichterin eingesetzten Gutachter am Vortag einen Bericht vorgelegt, wie sich die Costa-Kriseneinheit verhalten hat. Das Kreuzfahrtschiff sei am 13. Januar so extrem schnell voll Wasser gelaufen und gekentert, «dass die Kriseneinheit dem Schiff keinerlei sinnvolle technische Hilfe geben konnte», sagte der Anwältin.

De Luca hob hervor, dass das 290-Meter-Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord von der Besatzung dann in kurzer Zeit evakuiert worden sei.

Noch immer zwei Leichen im Wrack

An der Sitzung nahm wie schon am Vortag auch Schettino teil. Er und die Reederei schoben sich in der Vergangenheit wiederholt gegenseitig die Verantwortung zu.

Mit der mehrtägigen Anhörung wird der Prozess zu dem Unglück vor der Insel Giglio mit 32 Toten vorbereitet. Die «Costa Concordia» war Mitte Januar zu nahe an die toskanische Insel herangefahren. Dabei hatte sie einen Felsen gestreift und war gekentert.

Noch immer sind zwei Leichen nicht geborgen. Mit einem Prozess gegen Schettino und andere führende Mitglieder der Besatzung und der Reederei Costa Crociere ist frühestens 2013 zu rechnen.

(dpa/maiu;)