Wirtschaft
Wirtschaftsnobelpreis geht an zwei US-Amerikaner
Der diesjährige Wirtschaftsnobelpreis geht an Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley. Die beiden erhalten die Auszeichnung für ihre Forschung zur Verteilung zwischen Menschen und Märkten («stabile Allokationen»).
Beide hätten bahnbrechende Modelle dafür entwickelt, verschiedene wirtschaftliche Akteure zueinander zu bringen, hiess es zur Begründung in Stockholm. Die Arbeiten von Roth und Shapley könnten etwa dazu genutzt werden, den besten Organspender für einen Transplantationspatienten zu finden, der ein neues Organ brauche, teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften mit.
Weitere Beispiele für den Nutzen von Roths und Shapleys Forschungsarbeit seien Studenten auf der Suche nach der optimalen Universität oder Suchmaschinen, die Firmen den bestmöglichen Platz für ihre Werbeanzeige im Internet zuordneten.
«Überrascht und glücklich»
Roth sagte am Telefon von Kalifornien aus, er sei «überrascht und glücklich» über den Nobelpreis. Auf die Verleihung in Stockholm am 10. Dezember freue er sich, weil «das eine sehr gute Party sein soll».
Die beiden Forscher arbeiten unabhängig voneinander. Der 60jährige Roth lehrt an der Harvard Business School in Massachussetts. Der 89jährige Shapley ist emeritierter Professor der Universität von Kalifornien.
Zur Disziplin «Market Design»
Die wirtschaftswissenschaftliche Disziplin «Market Design» begnügt sich nicht mehr damit, das Spiel von Angebot und Nachfrage zu analysieren – sie will es verändern.
Die Wissenschaftler entwerfen, entwickeln und verfeinern die Regeln, nach denen ökonomische Institutionen funktionieren – egal, ob es um Mobilfunk-Lizenzen, Start- und Landerechte auf Flughäfen oder um Online-Auktionen geht.
Das Handwerkszeug der Markt-Designer stammt aus der Spieltheorie und der experimentellen Wirtschaftsforschung. Die Spieltheorie dient dazu, die strategische Interaktionen von Anbietern und Nachfragern zu durchleuchten. Mit Labor-Experimenten, in denen die Wissenschaftler die Märkte simulieren, lässt sich überprüfen, ob die Akteure in der Praxis auch das tun, was die Ökonomen erwarten.
Bereits im vergangenen Jahr hatten zwei US-Forscher den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Thomas Sargent und Christopher Sims waren für ihre Forschung über Effekte von Wirtschaftspolitik sowie über unvorhersehbare Ereignisse auf die Volkswirtschaft ausgezeichnet worden.
Kein klassischer Nobelpreis
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der Schwedischen Notenbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Ursprünglich hatte der schwedische Forscher und Grossindustrielle Alfred Nobel (1833 bis 1896) lediglich Preise in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden vorgesehen.
Der auch wegen der nachträglichen Berücksichtigung umstrittene Wirtschaftspreis wird von der Nobel-Stiftung offiziell nicht als Nobelpreis eingestuft. Stattdessen wird er stets als «Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel» von den traditionellen Nobelpreisen abgesondert.
(agenturen/galc;maiu)



