Vermischtes
Fall «Costa Concordia»: Auftritt von Kapitän Schettino
Während mindestens drei Tagen werden ab heute Beweise im Fall der Havarie des Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» aufgenommen. Auch Unglückskapitän Francesco Schettino ist erschienen. Zum eigentlichen Prozess kommt es nicht vor 2013.
Schettino war dabei erstmals seit der Unglücksnacht vor neun Monaten mit Passagieren konfrontiert. Das Gericht wird entscheiden, ob und gegen wen ein Strafverfahren wegen des Unglücks vor der Toskana-Insel Giglio am 13. Januar eröffnet wird.
Hin und her bei den Schuldzuweisungen
Zur Eröffnung der Voranhörung, die mehrere Tage dauern wird, kamen Hunderte Beobachter, darunter auch Überlebende der Katastrophe und zahlreiche Anwälte. Wegen des grossen Andrangs fand die Verhandlung in einem Theater mit 1300 Plätzen statt.
Mitarbeiter des Gerichts trugen etwa zwölf Kisten mit Dokumenten in den Saal. Die Strassen rund um das Gebäude waren aus Sicherheitsgründen abgeriegelt. Schettino selbst kam durch einen Nebeneingang in das Theater.
Bei dem Beweissicherungstermin geht es um die Auswertung der Black Box und die Ergebnisse eines Gutachtens. Diese Anhörung findet in einem Theater in der Stadt Grosseto in der Toskana hinter verschlossenen Türen statt.
Das Gutachten erwähnt Verständigungsprobleme auf der Brücke und Verstösse gegen Sicherheitsnormen auf dem Schiff. Es wurde in Teilen schon vorab bekannt und listet auch Leichtsinn sowie eine ungenügend vorbereitete Schiffsmannschaft als Mängel auf. Dafür wäre auch die Reederei verantwortlich.
Prozess frühestens 2013
Auch deshalb haben sich Schettino und die Reederei wiederholt gegenseitig die Verantwortung zugeschoben. Diese Strategie wurde auch heute nicht geändert: Schettinos Anwalt Bruno Leporatti erwirkte mit Anträgen zunächst eine Unterbrechung der Sitzung. Er lenkte das Augenmerk auf einen indonesischen Steuermann, der Anweisungen des Kapitäns während der kritischen Manöver vor neun Monaten nicht verstanden haben soll.
Waghalsiges Manöver mit fatalen Folgen
Die Costa Concordia war am Abend des 13. Januar zu nahe an eine Insel herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war gekentert. Bei dem Unfall kamen 32 Menschen ums Leben. Noch immer sind zwei Leichen nicht geborgen – das Wrack ist und bleibt vorerst aber auch eine Touristenattraktion.
Die Anhörung in Grosseto dürfte mindestens bis Mittwoch dauern, vielleicht aber auch noch mehrere Tage länger. Am ersten Tag sollten Sachverständige der Anklagebehörde zu Wort kommen.
Mit einem Prozess gegen Schettino und andere führende Mitglieder der Besatzung und der Reederei Costa Crociere ist frühestens im kommenden Jahr zu rechnen.
(dpa/fref/falt;horm)






