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International

Weg zu schottischer Unabhängigkeit frei

Montag, 15. Oktober 2012, 16:07 Uhr, Aktualisiert 20:44 Uhr

Die Schotten dürfen über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Das hat der britische Premier David Cameron mitgeteilt. Allerdings ist unklar, ob die Schotten tatsächlich künftig von London unabhängig sein wollen.

Nach monatelangen Verhandlungen hat der britische Premierminister David Cameron grünes Licht für eine Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit Schottlands gegeben. Cameron und der Chef der schottischen Regionalregierung, Alex Salmond, unterzeichneten in Edinburgh eine entsprechende Vereinbarung.

 

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Die Schotten sind stolz auf ihre Nation. Einen eigenen Staat will – allem Anschein zum Trotz – bislang nur eine Minderheit. keystone

Die Abstimmung wird für Ende 2014 angestrebt. Die britische Regierung lehnt eine Abspaltung Schottlands zwar ab, hatte aber bereits vor dem Treffen dem für Herbst 2014 angestrebten Referendum zugestimmt.

Befürworter in der Minderheit

Ein erfolgreiches Referendum könnte die mehr als 300 Jahre andauernde Zugehörigkeit Schottlands zum Vereinigten Königreich beenden. Schottland gehört seit 1707 zur britischen Krone, geniesst aber seit 1997 weitreichende Autonomie.

Die Hoffnungen der Unabhängigkeitsbefürworter werden durch aktuelle Umfragen allerdings getrübt: Nur 28 Prozent der Schotten sprechen sich für eine Abspaltung von London aus, 53 Prozent sind dagegen. Bis 2014 wollen die Befürworter das Blatt wenden.

Gemäss Umfragen sind zwei Drittel der Schotten gegen eine Unabhängigkeit. (Tagesschau 15.10.2012, 19:30 Uhr)

Mehr Geld durch Öl – mehr Geld für Soziales

Die Argumente der schottischen Nationalisten sind dabei verschiedener Natur. Wirtschaftlich versprechen sie sich Mehreinnahmen in Milliardenhöhe aus der Ölförderung und -verarbeitung. Ein Grossteil davon fliesst derzeit noch nach London.

Mit den Mehreinnahmen wollen die Schotten ihr ohnehin schon grosszügiges Sozialsystem weiter ausbauen. So müssen schon heute wesentlich geringere Extra-Zahlungen im Gesundheitssystem oder aber bei Studiengebühren entrichtet werden. Innerhalb Grossbritanniens stehen sie deshalb auch als «Subventions-Junkies» in der Kritik.

Schotten wollen näher an EU rücken

Auch bei der Landesverteidigung soll sich einiges ändern. Die Schotten fühlen sich von den Engländern hierbei unfair behandelt. Die ungeliebten britischen Atom-U-Boote mit teils nuklearer Bewaffnung sind in Schottland stationiert. Für viele Schotten ein unnötiges Sicherheitsrisiko. Auch Beteiligung an Kriegen wie im Irak und in Afghanistan lehnen sie ab.

Ähnlich sieht es in der Europapolitik aus. Der schottischen Regierungspartei schmeckt die Haltung Grossbritanniens innerhalb der EU nicht. «Wir wären ein konstruktiver Partner in Europa», hatte Ministerpräsident Alex Salmond schon vor Wochen gesagt. Hintergrund der Aussage war Camerons Konfrontationskurs zu Europa. 

(agenturen/maiu; muei)