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International

Schlag gegen Geldwäscherring in Frankreich und Genf

Montag, 15. Oktober 2012, 9:22 Uhr, Aktualisiert 20:40 Uhr

Die französische Justiz hat in Zusammenarbeit mit der Schweiz und Marokko einen Drogen- und Geldwäscherring zerschlagen. Anführer der Bande sollen Schweizer Bürger aus Genf sowie Franzosen aus Paris sein, darunter eine Politikerin der Grünen.

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Im Mittelpunkt der Affäre stehen die drei Brüder El Maleh.  Sie sitzen in U-Haft, zwei von ihnen in Genf, der dritte in Paris. Begründung der Genfer Staatsanwaltschaft: Verdunkelungsgefahr und Verhinderung von jeglichen Kontakt unter den Verdächtigten.

Die sogenannte «El Maleh Connection» wird verdächtigt, seit 2009 Transaktionen von jährlich 100 Millionen Euro aus Drogenverkäufen zur Geldwäsche abgewickelt zu haben. Alleine zwischen Mai und Oktober 2012 seien 12 Millionen Euro mit dem Drogenhandel gewaschen worden, schreibt die Online-Ausgabe von «Le Figaro».

40 Milionen Euro aus dem Kanabishandel sind gewaschen worden. (Tagesschau 15.10.2012, 19:30 Uhr)

Cannabis aus Marokko

Im Visier haben die Ermittler vor allem eine Genfer Finanzgesellschaft.  Über diese Firma sollen jeden Monat mehrere Millionen Euro gewaschen worden sein. Das Genfer Finanzinstitut existiert offenbar seit 1977 und soll einen hervorragenden Ruf haben. Im Zuge der Aktion wurden auch mehrere andere Bankkonten in Genf ansässigen Finanzinstituten untersucht. Davon betroffen war auch die Genfer Filiale von der Grossbank HSBC, da einer der festgenommenen Brüder dort arbeitete.

Die «El Maleh Connection» soll zwischen Mai und Oktober dieses Jahres mehr als 8 Tonnen Cannabis mit einem Marktwert von 40 Millionen Euro abgesetzt haben. Das Rauschgift stammte aus Marokko. Via Spanien wurden die Drogen nach Frankreich geschleust und verkauft.

Gemäss der Genfer Staatsanwaltschaft habe die Finanzgesellschaft einen Mechanismus entwickelt, um jegliche Verbindung mit dem Drogenhandel in Frankreich zu vertuschen.

Gegen Kaution auf freiem Fuss

Insgesamt liefen gegen neun Verdächtige Ermittlungen, darunter auch gegen die Grünenpolitikerin und Vize-Bürgermeisterin des 13. Stadtbezirks von Paris, Florence Lamblin. Acht der neun Verdächtigen seien gegen Kaution auf freiem Fuss, darunter Lamblin. Die neunte Person sei in U-Haft, hiess es weiter.

Im Zusammenhang mit dem Geldwäschering wurden vergangene Woche 19 Personen in Frankreich festgenommen. Die Ermittler beschlagnahmten mehrere Millionen Euro, wertvolle Uhren und Schmuck. Auch seien mehrere Tonnen Cannabis im Wert von rund 40 Millionen Euro entdeckt worden.

Lamblin stritt jede Verwicklung in den Drogenhandel ab. Allerdings wurden im Zusammenhang mit der polizeilichen Untersuchung in ihrem Haus rund 350'000 Euro entdeckt. Das Geld soll nach Angaben der Untersuchungsbehörden ursprünglich offenbar aus dem Drogenhandel stammen.

«Opfer eines Justizirrtums»

Lamblins Anwalt Jérôme Boursican, sagte, seine Mandantin sei «Opfer eines Justizirrtums». Sie habe 350'000 Euro auf einem Schweizer Konto gehabt, das Geld stamme aus einem Familienvermögen. Das Geld liege seit 1920 auf dem Schweizer Konto. Beim Transfer des Geldes von der Schweiz nach Frankreich sei möglicherweise versäumt worden, Vermögenssteuer zu entrichten.

Nach Angaben des Bürgermeisters des 13. Bezirks, Jérôme Coumet, ist Lamblin als Vize-Bürgermeisterin zurückgetreten. Ihr Anwalt sagte jedoch, Lamblin habe sich nur vorübergehend von diesem Amt zurückgezogen, und zwar so lange, bis er eine «Einstellung des Verfahrens» erreicht habe.

Imageproblem für die Schweiz

Ausgestanden ist die Sache für Lamblin noch nicht. Die Politikerin muss eingestehen, dass sie versuchte, Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. Für Lamblins Partei, die Europe écologie - Les Verts (EELV), – die für Sauberkeit und Moral einsteht – eine peinliche Angelegenheit.

Die Affäre giesst zusätzliches Öl ins Feuer im französisch-schweizerischen Streit um unversteuerte Vermögen. Paris bezeichnete die Schweiz in der Vergangenheit als Steuerparadies für reiche Franzosen. An zahlreichen Fronten kämpft die Schweiz bereits gegen wachsende Ansprüche aus Frankreich, beispielsweise in der Debatte um Erbschaft- und Abgeltungssteuern.

Dass nun auch Drogenhandel im Spiel ist, verschärft das Imageproblem der Schweiz, schreibt die «NZZ». Florence Lamblin wiederum, die am Pranger steht, müsse damit rechnen, dass sie hart angefasst werd, weil man ein medienträchtiges Exempel statuieren wolle.

(sda/muei/maiu;coro)