Inhalt

International

Deutsches Steuerabkommen mit Singapur

Sonntag, 14. Oktober 2012, 15:53 Uhr

So geht's auch: Ohne grosse Nebengeräusche haben sich Deutschland und Singapur auf ein Steuerabkommen geeinigt. Berlin hofft damit, Kritikern des Abkommens mit der Schweiz den Wind aus den Segeln zu nehmen – Singapur hingegen will seinen Ruf als seriöser Finanzplatz festigen.

Bild

Mit einem neuen Steuerabkommen mit Singapur will sich Deutschland Informationen über Konten deutscher Steuerpflichtigen im südostasiatischen Stadtstaat beschaffen. Die Regierung in Berlin schwächt damit aber auch Argumente der Opposition im Kampf gegen das Steuerabkommen mit der Schweiz.

Deutsche Oppositionspolitiker warfen Schweizer Banken unlängst vor, deutschen Steuerhinterziehern beim Schwarzgeldtransfer nach Singapur zu helfen. Sowohl aus der Schweiz wie aus Singapur wurde dies bestritten – durch den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Berlin und Singapur wären solche Transfers aber ohnehin zwecklos.

Deutschland erneut vor Kauf einer Daten-CD

Das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz prüft den Kauf einer neuen Steuer-CD aus der Schweiz. Das berichtet «Der Spiegel».

Ein Datenhändler habe den Steuerbehörden Kontoinformationen angeboten, die detaillierte Angaben zu deutschen Kunden einer grossen Schweizer Bank enthalten. Der Kauf soll unmittelbar bevorstehen. Die Qualität des Materials soll nach Angaben des «Spiegels» ausgezeichnet sein.

«Wir haben uns grundsätzlich über eine Ergänzung unseres Steuerabkommens geeinigt», sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in Singapur. Details nannte er noch keine. Schon seit geraumer Zeit ist jedoch bekannt, dass beide Länder seit Monaten über eine Ergänzung ihres Doppelbesteuerungsabkommens von 2004 verhandeln.

Ziel von deutscher Seite sind ein umfassender Informationsaustausch und mehr Auskunftsrechte über Schwarzgelder deutscher Steuerflüchtlinge in Singapur. Aber auch der Stadtstaat hat ein Interesse an einem neuen Abkommen, da er mit dem Image als Steueroase zu kämpfen hat.

Nur vier Prozent des Geldes aus Europa

Ein Auskunftsabkommen mit Deutschland wäre nützlich, um den Ruf als seriösen Finanzplatz zu pflegen. Auf der «grauen Liste» der Industrieländer-Organisation OECD über Länder, die einen Austausch von Informationen verweigern, steht das Land seit einigen Jahren nicht mehr.

Singapur hat bereits mit 35 anderen Staaten ein Steuerabkommen. Besonders viel Geld aus Europa liegt im Stadtstaat allerdings ohnehin nicht: Nach Angaben von Diplomaten beläuft sich das Total der verwalteten Vermögen bei 1,4 Billionen US-Dollar, wobei nur drei bis vier Prozent davon aus Europa stammen.

(agenturen/maiu;hesa)