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Wirtschaft

Coca-Cola-Umzug für Linke «eine Katastrophe»

Priscilla Imboden, Radio DRS
Freitag, 12. Oktober 2012, 15:27 Uhr, Aktualisiert 13.10.2012, 14:27 Uhr

Der Coca-Cola Konzern verlegt einen internationalen Sitz von Griechenland nach Zug. Er will damit Steuern sparen. Dies sorgt für Kritik an der Steuerpraxis der Schweiz.

Die Sitzverlegung von Griechenland nach Zug sei beispielhaft, sagt Hans Baumann, Mitarbeiter der linken Denkfabrik Denknetz: Mit ihrer Tiefsteuerpolitik prelle die Schweiz arme Länder um Einnahmen, die sie dringend benötigten.

Kritik an Steuerflucht von Coca-Cola Hellenic («10vor10», 12.10.2012)

«Schweizer Bevölkerung verliert»

«Man mag jetzt sagen, für ein Land wie die USA zum Beispiel spielen ein paar Milliarden weniger Steuereinnahmen nicht so eine Rolle. Aber es gibt auch Länder, wie in der dritten Welt oder auch Griechenland, für die das eine Katastrophe ist, wenn sie auf diese Steuereinnahmen verzichten müssen», sagt Hans Baumann.

Tausende von internationalen Firmen haben ihren Europa- oder Weltsitz in der Schweiz – Rohstoffhändler, Nahrungsmittelgiganten, Pharmamultis. Sie profitieren davon, dass ihr Auslandgeschäft fast oder gar nicht besteuert wird. «Nach unseren Schätzungen entstehen durch Steuerflucht ausländischen Staaten Steuerausfälle in der Höhe von 30 bis 36 Milliarden Franken», berichtet Hans Baumann.

Auch die Schweizer Bevölkerung und die inländischen Firmen profitierten nicht davon, sagt Hans Baumann. Einzelpersonen zahlten alles eingerechnet etwa gleichviel wie im europäischen Durchschnitt. «Die KMUs und die Schweizer Bevölkerung sind eigentlich die Verlierer bei dieser Geschichte. Und die Gewinner sind die grossen multinationalen Konzerne, die hier ihre Gelder verstecken», erklärt Baumann.

Firmen senken Arbeitslosigkeit

Das Denknetz fordert, dass die Schweiz alle Steuerprivilegien für internationale Firmen aufgibt und alle Unternehmen mit 20 Prozent besteuert. Damit wären auch alle Probleme mit der EU aus dem Weg geschafft. Sie setzt die Schweiz immer stärker unter Druck wegen den Steuerprivilegien für ausländische Firmen.

Der Verband der Schweizer Industrie- und Dienstleistungskonzerne Swissholdings warnt vor solchen Schritten. Die guten Bedingungen für Firmen führten zu tieferer Arbeitslosigkeit in der Schweiz, sagt Geschäftsführer Martin Stiefel. «Wenn wir das nicht hätten, wären wir vielleicht auch bei so hohen Arbeitslosenquoten und Jugendarbeitslosenquoten wie man sie aus EU-Ländern kennt. Ich glaube nicht, dass das im Interesse der Schweiz wäre.» Das ist auch die Haltung des Bundesrates.