Schweiz
Neuer Pro Helvetia Direktor: «Kulturförderung ist nie hundertprozentig fair»
Für den neuen Direktor der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, Andrew Holland, steht fest, er wird zwangsläufig Leuten auf die Füsse treten. Doch die Kulturstiftung habe sich an Kritik gewöhnt.
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Andrew Holland, der neue Direktor der Pro Helvetia, ist sich schon vor seinem Amtsantritt bewusst, dass seine Arbeit auf Kritik stossen wird. Die Kulturstiftung habe sich jedoch an Kritik gewöhnt, sagte er.
«Kulturförderung kann nie hundertprozentig fair sein», stellte Holland fest. Wer so viele Gesuche bearbeite wie die Pro Helvetia, trete zwangsläufig Leuten auf die Füsse. Die Kulturstiftung bearbeitet jährlich rund 3500 Anfragen von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern.
«Ideale Besetzung»
Für Mario Annoni, Präsident der Kulturstiftung, ist Holland die «ideale Besetzung». Er habe sich mit aussergewöhnlichem Engagement in der Schweizer Kulturszene verdient gemacht, geniesse grossen Respekt bei den Kunstschaffenden und sei eine integrierende Führungsperson.
Seine Wahl an die Spitze von Pro Helvetia sei einstimmig erfolgt, teilte der Stiftungsrat mit. Beworben für den Direktorenposten hatten sich 90 Personen.
Holland führt die Geschäfte der Stiftung seit Anfang Oktober bereits als stellvertretender Direktor. Die neue Stelle tritt er am 1. November an. Der 46jährige ist gebürtiger Engländer und in Herisau (AR) aufgewachsen. Er studierte in St. Gallen und Berkeley Recht und promovierte über Kunstförderung.
Seit 1986 ist Holland in unterschiedlichen Funktionen in der Kultur engagiert. Er war Dramaturg verschiedener Tanz- und Theatercompagnien der freien Szene, engagierte sich als Präsident des Trägervereins Tanzhaus Zürich und wirkte in der Programmgruppe Theater/Tanz der Roten Fabrik Zürich mit.
Bei Pro Helvetia ist Holland seit 2004 tätig, ab 2009 auch als stellvertretender Direktor.
Pro Helvetia
Anfang 2012 trat das Kulturförderungsgesetz in Kraft, das einen Umbau von Pro Helvetia zur Folge hatte. Heute ist die Kulturstiftung nach eigenen Angaben «ausgezeichnet aufgestellt». Sie verfügt über 42 Vollzeitstellen im Inland und 25 im Ausland. Jedes Jahr werden rund 3500 Unterstützungsanfragen bearbeitet.
Im Auftrag der Eidgenossenschaft fördert Pro Helvetia künstlerisches Schaffen in der Schweiz und die Verbreitung von Schweizer Kultur im In- und Ausland.
Pius Knüsel hatte im Mai seine Demission bekannt gegeben. Er wolle sich einer neuen beruflichen Herausforderung ausserhalb der Kulturförderung widmen, teilte der 55jährige damals mit.
Vom Parlament abgestraft
Im Juli 2002 hatte Hollands Vorgänger Pius Knüsel die Leitung von Pro Helvetia übernommen. Mit einem ersten Konflikt konfrontiert war Knüsel 2003 beim Streit um die Leitung des Centre Culturel Suisse in Paris.
Es folgte die Neuverteilung der Aufgaben zwischen Pro Helvetia und dem Bundesamt für Kultur. Im Rahmen des Projektes «Vision 70» wurde der Personalbestand von Pro Helvetia innert dreier Jahre um fast ein Viertel reduziert.
2004 wurde die Kulturstiftung vom Parlament mit einer Budgetkürzung «bestraft». Grund war eine nach Ansicht des Ständerates «unflätige Ausstellung» von Thomas Hirschhorn im Pariser Centre Culturel. Die Affäre Hirschhorn sei in eine für die Stiftung positive Evaluation durch die parlamentarische Verwaltungskontrolle gemündet, hiess es damals in einer Pro-Helvetia-Mitteilung.
(sf/sda/hurg; frua)






