Inhalt

International

«Verleihung an Obama war erstaunlicher»

Chris Faschon
Freitag, 12. Oktober 2012, 16:40 Uhr

Die EU wird mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Der Entscheid kommt für viele überraschend. Nicht so für das Europainstitut der Universität Basel. Auch Organisationen dürften ausgezeichnet werden. Bei der Person Obama sei man erstaunter gewesen.

«Mindestens zwei Mal hat die EU (bzw. die EG) zum Frieden in Europa beigetragen. Zum Ende des 2. Weltkriegs zu einem dauerhaften Frieden zwischen Deutschland und Frankreich. Nach dem Ende des Kalten Kriegs machte die EU eine Wiedervereinigung Deutschlands möglich.» Zu diesem Schluss kommt Laurent Goetschel, Professor für Politikwissenschaften. Gegenüber «SF Online» spricht er von guten Gründen für den Preis.

Bild Archiv-Aufnahme von Goetschel.
«Ein Mensch ist greifbarer als eine Organisation». keystone

Die Union in Mittel- und Osteuropa habe Unterstützung geleistet, und damit Unruhen in den ehemaligen sozialistischen Republiken verhindert.

Sollte man Organisationen ehren?

Nach dem medialen Comeback von Alt Kanzler Helmut Kohl und dessen fortgeschrittenen Alter (Nobelpreise können nur an lebende Personen verliehen werden) sprechen einige Beobachter von einem «Kohl-Effekt» bei der jetzigen Verleihung. Goetschel glaubt nicht daran. «Wenn man ihn hätte ehren wollen, hätte man dies getan. Kohl hätte man nach seinen Bemühungen um den Frieden in Europa auszeichnen können. Viele andere haben aber mitgewirkt, George Bush Senior, Margaret Thatcher, François Mitterand und Michail Gorbatschow.» Der Preis kann maximal drei Einzelpersonen verliehen werden, oder weniger Personen plus einer Organisation.

Ob grundsätzlich eine Organisation mit dem Preis ausgezeichnet werden sollte, diese Frage stellt sich Goetschel. «Ein Mensch ist greifbarer als eine Organisation. Kann man einem Binnenmarkt einen Friedensnobelpreis vergeben?» Andererseits sei in den letzten Jahren der Krise vergessen gegangen, welche Verdienste man der Organisation zubilligen müsse. «US-Präsident Barack Obama wurde geehrt, bevor er irgendetwas getan hat. Bei jetzigen Bekanntgabe war ich weniger erstaunt als bei ihm», so Goetschel.

Zur Person Laurent Goetschel

Goetschel ist Professor für Politikwissenschaften am Europainstitut der Universität Basel. Forschungsschwerpunkte sind Aussenpolitikanalysen, europäische Integration sowie Friedens- und Konfliktforschung. Zudem leitet er die Schweizerische Friedensstiftung Swisspeace in Bern.