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International

Nobelpreis: «Ermutigung zur richtigen Zeit»

Freitag, 12. Oktober 2012, 16:15 Uhr

Die EU wird zu einem Zeitpunkt mit dem Friedensnobelpreis geehrt, zu der sie besonders gegen zwei Probleme ankämpfen muss: Wirtschaftskrise und Selbstverständlichkeit. Die Auszeichnung für das bereits mehrfach nominierte «Friedensprojekt EU» kommt gerade deshalb zum richtigen Zeitpunkt, findet der renommierte Publizist Alfred Grosser.

Bild Porträt Alfred Grosser von 2010
Alfred Grosser 2010 in Frankfurt. keystone

«Es ist der richtige Zeitpunkt, weil man immer von der Krise spricht», sagt der deutsch-französische Publizist, Soziologe und Politikwissenschaftler, Alfred Grosser, im Interview mit der DRS-Sendung «Rendez-vous».

«Eine Ermutigung, die man kaum erhoffen konnte», fügt er an. «Nach so vielen Jahren hätte man der EU schon längst den Friedenspreis geben können. Dadurch dass es dieses Jahr geschieht, wo Europa zugleich hoffnungsvoll ist und in der Krise steckt, ist es ein besonders schönes Ereignis.»

Der richtige Zeitpunkt war es offenbar auch für das Gremium des Nobelpreis-Komitees. Nachdem die EU schon in den vergangenen Jahren als «erfolgreiches Friedensprojekt» immer wieder für die Auszeichnung nominiert war, fiel der diesjährige Entscheid einstimmig, bei allen fünf Mitgliedern. Das Komitee ist nach einem Parteienproporz zusammengesetzt, der auch zwei EU-kritische Parteien berücksichtigt.

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Der Friedensgedanke, auf dem die Idee der EU fusst, sei nicht aus den Köpfen verschwunden, sagt Grosser. Aber er gelte als selbstverständlich. «Ich habe kürzlich vor einer deutsch-französischen Jugendgruppe gesprochen und betont, wie schön es ist, dass es keine Grenzen mehr gibt. Ein Franzose hat dann gesagt: ‚Na und?‘ Alles ist selbstverständlich. Ich musste erklären, warum das eben nicht selbstverständlich ist.»

Steuerstreit mit der Schweiz

Der Nobelpreis zum jetzigen Zeitpunkt könne einen gewissen Druck ausüben auf Regierungen der verschiedenen Länder, etwas europäischer zu denken. Ziel ist laut Grosser, dass Europa nicht mehr als Aussenpolitik angesehen werde. 

«Mit einem gemeinsamen Kurs könnte die EU viel erreichen», denkt der Publizist. Er hebt dabei besonders ein Thema heraus, bei dem Alfred Grosser ein hörbares Lächeln entweicht: Zum Beispiel dem Unregelmässigen hinterlegen von Geld in der Schweiz, den Riegel zu schieben.

(sf/engf; schl)