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Schweiz

«Für die Schweiz steht unglaublich viel auf dem Spiel»

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 21:13 Uhr

Die Verhandlungen laufen noch, aber es ist wohl klar: Die EU duldet die steuerliche Sonderbehandlung von multinationalen Holding-Gesellschaften nicht mehr lange. Als erster Kanton hat Genf die möglichen Folgen in einer Studie untersuchen lassen. Sie prophezeit schwerwiegende wirtschaftliche Folgen.

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Auswirkungen Erhöhung der Unternehmenssteuer auf Genf («Tagesschau», 11.10.12)

Das Thema sei für Genf absolut elementar, sagte der Genfer Regierungsratspräsident Pierre-François Unger. Aufgrund einer Studie des Instituts Créa der Universität Lausanne zeigte der Kanton zum ersten Mal die Bedeutung der Holding-Gesellschaften für Genf auf.

Demnach profitieren im Kanton Genf 945 Gesellschaften mit 136 angeschlossenen Firmen von einer steuerlichen Sonderbehandlung. Sollten diese Unternehmen wegziehen, würden dem Kanton Genf 3,7 Milliarden Franken entgehen. «Für Genf steht unglaublich viel auf dem Spiel! Und auch für die Schweiz», sagt Unger in der «Tagesschau».

Die meisten der Holdings-Gesellschaften sind im Finanz- und Handelssektor aktiv. Sie beschäftigen 19'288 Vollzeitangestellte. Dies entspricht 8,1 Prozent aller Arbeitsplätze des Kantons Genf.

Dem Kanton Genf und den Gemeinden liefern die Holding-Gesellschaften jährlich rund 576 Millionen Franken an Steuern ab - 35 Prozent der gesamten Kantons- und Gemeindesteuern.

Hinzu kommen 435 Millionen Franken an Steuern von natürlichen Personen, womit sich die Steuereinnahmen für den Kanton und die Gemeinden auf total 1,011 Milliarden Franken belaufen. 640 Millionen Franken fliessen zusätzlich in die Bundeskasse.

 50‘000 Vollzeitstellen gehen verloren

Noch schlimmer sieht es laut dem Genfer Finanzdirektor David Hiler aus, wenn auch die indirekten Auswirkungen auf die Wirtschaft - etwa Zulieferer - miteingerechnet werden. Unter diesen Umständen steigt der Verlust sogar auf 9,6 Milliarden Franken. «Es ist noch schlimmer als befürchtet. Das bedeutet, wir könnten 50‘000 Arbeitsplätze und einen Sechstel unserer Steuereinnahmen verlieren», befürchtet der Regierungsratspräsident Pierre-François Unger.

Genf will Konkurrenz die Stirn bieten

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, schlägt die Genfer Regierung für den Kanton Genf einen Einheitssteuersatz für alle Unternehmen von 13 Prozent vor. Heute variieren die Unternehmenssteuern zwischen 24,2 und 11,6 Prozent.

Hiler unterstrich, dass es für die Holdings keinen Grund geben sollte, von Genf wegzuziehen, etwa nach Zug, Schwyz, Luzern oder Glarus, wo die Unternehmenssteuern unter 15 Prozent liegen. Die ernsthafteste Konkurrenz liege aber im Ausland, nämlich in Irland und Grossbritannien, aber auch in den Niederlanden und Luxemburg.

(sda/sf/engf; schl)