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Kultur

50 Jahre nach dem Aufbruch: Papst eröffnet «Jahr des Glaubens»

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 7:16 Uhr, Aktualisiert 08:35 Uhr

Papst Benedikt XVI. wird heute in Rom das «Jahr des Glaubens» ausrufen – auf den Tag genau 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Um dessen Reformansätze, damals von vielen Katholiken als Befreiuungsschlag gefeiert, wird noch immer gestritten.

Ausgerechnet unter einem, von dem es die wenigsten erwartet hatten, machte sich die katholische Kirche auf den Weg in die Moderne. Als Angelo Roncalli 1958 zum Papst gewählt wurde, war der Italiener bereits 77 Jahre alt und krank. Vielen galt Johannes XXIII. als «Übergangspapst».

Ausgerechnet er kündigte Anfang 1959 ein Konzil an, welches Aussenwahrnehmung und Selbstverständnis der Kirche grundlegend verändern sollte. Sein Schlagwort: «aggiornamento» - «Verheutigung». 90 Jahre nach dem Ersten Vatikanischen Konzil ging es ihm um nicht mehr und nicht weniger, als die Kirche zu modernisieren und der Zeit anzupassen.

Das Zweite Vatikanische Konzil

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil begannen heute vor 50 Jahren grundlegende Reformen in der katholischen Kirche. Die wichtigsten Beschlüsse im Überblick.mehr

Schon damals sahen längst nicht alle Katholiken die Notwendigkeit für solche Reformen. Die Mehrheit aber stellte sich hinter Johannes XXIII. Bei mehreren Treffen des Zweiten Vatikanischen Konzils – das erste am 11. Oktober 1962, das letzte am 8. Dezember 1965 – einigten sich die mehr als 2000 Würdenträger der Kirche schliesslich auf insgesamt 16 Papiere mit Reformen. Darin ging es um grundlegende Fragen des Kirchenverständnisses, des Verhältnisses zu anderen Religionen und die Ökumene.

Am sichtbarsten freilich war die Reform der Liturgie. Fortan feierten Priester ihre Gottesdienste nicht mehr mit dem Rücken zum Kirchenvolk, Latein wurde durch die jeweilige Landessprache ersetzt. Viele Würdenträger und Gläubige feierten die Beschlüsse des Konzils als Zeitenwende.

Das Zweite Vatikanische Konzil und die Schweiz

Sieben Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils diskutierten in der Schweiz an der «Synode 72» Priester und Laien über die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse. Was bedeutete der damalige Aufbruch für die Schweizer Katholiken? Die Sendung «Zwischenhalt» auf DRS 1 blickte zurück mit dem emeritierten Bischof Ivo Fürer, dem damaligen Präsidenten der «Synode 72». Hören.

50 Jahre später ist Ernüchterung eingekehrt. Noch immer wird um das Erbe des Konzils heftig gestritten. Kritiker bemängeln, viele Reformen seien im Ansatz steckengeblieben. Das dürfte auch daran liegen, dass viele der damals beschlossenen Papiere Kompromisse waren, in denen sich liberale, aber auch konservative Katholiken wiederfinden konnten. 

Am sichtbarsten wird der Streit einmal mehr in der Liturgie. Der vom Konzil von Grund auf erneuerte Gottesdienst ist bis heute umstritten. Als Papst Benedikt XVI. 2007 schliesslich neben der neuen auch die alte Form des Gottesdienstes wieder erlaubte, war das für viele Kritiker ein Zugeständnis an die konservativen katholischen Kreise. Unter ihnen: die umstrittene Piusbruderschaft, die sich von den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils distanziert.

Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962. (unkommentiert, Originalmaterial mit Musik unterlegt)

Benedikt XVI. – als junger Theologe vom Geist des Konzils beeindruckt – will den Gläubigen nun mit einem «Jahr des Glaubens» Hand bieten. Er hofft, damit einen Trend hin zu einer zunehmenden Orientierungslosigkeit, verstärkter Säkularisierung und einem zunehmend «privaten» Verständnis von Glauben umkehren zu können.

Das «Jahr des Glaubens» will der Papst heute in einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz ausrufen. Bis zum 24. November 2013, dem letzten Tag des Kirchenjahres, erwartet die Gläubigen dann ein volles Programm – darunter die Heiligsprechung von gleich sieben bereits seligen Glaubenszeugen am 21. Oktober, eine grosse Wallfahrt angehender Priester und Ordensleute im kommenden Juli und wenig später der Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

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Die Theologin Monika Jakobs und der Theologe Erwin Koller zu Gast bei Hansjörg Schultz mehr

Gotteshäuser ohne Gläubige (Rundschau, 10.10.2012)

(agenturen/krua;schj)