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US-Wahlkampf 2012

US-Vize-Debatte: «Einpeitscher» gegen «Anwalt der kleinen Leute»

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 10:25 Uhr, Aktualisiert 20:57 Uhr

Normalerweise ist die TV-Debatte der Vize-Kandidaten im US-Wahlkampf kein Renner. Doch diesmal ist das anders. Für Joe Biden und Paul Ryan steht viel auf dem Spiel.

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Nach der Debatten-Schlappe von Präsident Barack Obama steht ein weiteres Rededuell im US-Wahlkampf an: Vize-Präsident Joe Biden trifft republikanische Vize-Kandidat Paul Ryan zusammen. Die Redeschlacht steht ganz im Zeichen steigender Umfragewerte für den Obama-Herausforderer Mitt Romney. US-Kommentatoren erwarten daher einen harten Schlagabtausch.

«Für die Debatte wird ein harter Schlagabtausch erwartet» (Tagesschau 11.10.2012, 12:45 Uhr)

Die beiden Vize-Kandidaten bereiten sich bereits seit Wochen auf das Ereignis vor. Bei der eineinhalbstündigen Debatte in Danville (Kentucky) geht es um Innen-und Aussenpolitik. Im Zentrum dürften erneut die hohe Arbeitslosigkeit, die schlechte Konjunktur und die hohen amerikanischen Schulden stehen. 

Ryan erwartet «Kanonenkugel» Biden

Beobachter in Washington meinten, Biden werde versuchen, den Debatten-unerfahrenen Ryan unter Druck zu setzen und die Republikaner als Partei der Reichen und der Grossindustrie zu porträtieren. «Ich gehe davon aus, dass der Vizepräsident wie eine Kanonenkugel auf mich losgeht», meinte Ryan. Auch Romney meinte: «Ryan hat soviel ich weiss noch niemals an einer Debatte teilgenommen ... vielleicht auf der High School.»
 

Schulbankdrücken für beide

Welchen unerwarteten Stellenwert die Debatte auf einmal gewonnen hat, zeigt auch die akribische Vorbereitung der beiden Vize-Kandidaten. Biden, seit 40 Jahren im Politik-Geschäft, drückt bereits seit Wochen die politische Debatten-Schulbank und hat zuletzt am vergangenen Wochenende Zuhause in Wilmington, Delaware, ein dreitätiges Intensiv-Training absolviert. Sein Sparringspartner ist der Kongress-Abgeordnete Chris Van Hollen.

Paul Ryan bereitet sich ebenfalls in einem drei Tage Boot-Camp in Virginia auf das Duell mit Biden vor. Sein Sparringspartner ist der frühere Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Ted Olsen. Für Ryan ist es die erste nationale Debatte überhaupt. Biden dagegen hat nicht nur durch zahlreiche Vorwahlkämpfe, sondern auch durch die Debatte gegen Vize-Kandidatin Sarah Palin im Jahr 2008 viel mehr Erfahrung.

Die beiden Redner könnten unterschiedlicher nicht sein: Biden ist 69 Jahre alt, gehört seit 36 Jahren dem Senat an und gibt sich gerne als Anwalt der kleinen Leute. Ryan ist lediglich 42 Jahre alt, ist aber bereits seit 14 Jahre Kongressabgeordneter und gilt als Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Er hat sich bisher vor allem durch knallharte Sparpläne profiliert, die heftige soziale Einschnitte vorsehen.

«Der schlechte Auftreitt von Obama vergangene Woche hat die Erwartungen Hochgeschraubt» (Tagesschau 11.10.2012, 19:30 Uhr)

 
Biden hat allerdings den Ruf eines rhetorischen Hitzkopfes, der immer wieder über das Ziel hinausschiesst und Obama mit Patzern in Bedrängnis bringt. Ryan wiederum gilt als begabter Redner und «Einpeitscher».

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Romney im Vormarsch

Die erste Runde der TV-Duelle konnte der Republikanische Herausforderer Mitt Romney gegen den US-Präsidenten Barak Obama gewinnen. Präsident Barack Obama hat anschliessend eine Erklärung für seinen schwachen Auftritt in der TV-Debatte gegen seinen Herausforderer Mitt Romney geliefert. «Ich war einfach zu höflich», sagte er dem Online-Portal «Black America Web».

Nach seinem missglückten Auftritt gegen Romney vor einer Woche lässt Obamas Popularität nach. Zwei Umfragen kommen zu dem Schluss, dass Romney landesweit knapp an ihm vorbeigezogen sei. Allerdings sind die Ergebnisse nach Ansicht von Experten mit Vorsicht zu geniessen, sie lägen im Bereich des statistischen Irrtums. Nach einer Gallup-Umfrage würden derzeit 49 Prozent der wahrscheinlichen Wähler für Romney stimmen, 47 Prozent für Obama.

2008: Biden gegen Palin

Der demokratische Joe Biden kennt das TV-Duell bereits aus eigener Erfahrung. 2008 musste er gegen den Shootingstar der Republikaner Sarah Palin antreten. Diese Debatte konnte damals einen neuen Zuschauerrekord verzeichnen. Über 70 Millionen US-Bürger haben dem Schlagabtausch zugeschaut.

Fernsehduell Palin - Biden, 10vor10, 3.10.2008

Viele Punkte für Sarah Palin, Sieg für Joseph Biden: So stufte die Mehrheit der US-Medien die erste Fernsehdebatte der beiden Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten ein.

Vier Debatten bis zu den Wahlen

In der Schweiz finden die Debatten um drei Uhr morgens statt. In den USA um neun Uhr abends. Bei uns immer also einen Kalendertag später.

Mittwoch, 3. Oktober (in den USA):

1. Präsidenten-Debatte

Donnerstag 11.Oktober (in den USA):

Vize-Präsidenten-Debatte

Dienstag 16.Oktober (in den USA):

2. Präsidenten-Debatte

Montag 23.Oktober (in den USA):

3. Präsidenten-Debatte

(agenturen/sf/koua/rufi;horm;schj)