International
Terrorzelle in Frankreich: «Viel gefährlicher als wir dachten»
Vergangenes Wochenende hob die französische Polizei bei landesweiten Razzien eine mutmassliche islamistische Terrorzelle aus. Ihre Mitglieder waren offenbar gefährlicher als zunächst gedacht. Die Ermittler sprechen von der grössten Terrorgefahr in Frankreich seit bald 20 Jahren.
Die in Frankreich ausgehobene mutmassliche Terrorzelle war nach Einschätzung der Ermittler noch weitaus gefährlicher als zunächst angenommen. Von der Gruppe sei die grösste Terrorgefahr seit Mitte der neunziger Jahre ausgegangen, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Damals hatte eine Serie von Anschlägen der algerischen Gruppe GIA Frankreich erschüttert.
Nach den Worten des Staatsanwalts wollten Mitglieder der mutmasslichen Terrorzelle sich dem bewaffneten Kampf islamistischer Gruppen in Syrien anschliessen. Zwei der Verdächtigen hätten dabei eine «Schlüsselrolle» inne gehabt: Einer sei Verbindungsmann ins Ausland gewesen, ein anderer sei vor kurzem für drei Monate nach Ägypten und Tunesien gereist.
Zwölf mutmassliche Mitglieder der Terrorzelle waren am vergangenen Wochenende bei einer landesweiten Razzia festgenommen worden. Ein Verdächtiger wurde erschossen. Nach Angaben der Polizei hatte er mehrfach mit einer grosskalibrigen Waffe gefeuert. Die Polizei erwiderte das Feuer und tötete den Mann.
Fünf Verdächtige wieder frei
Gegen sieben der insgesamt zwölf Festgenommen wurde nun offiziell ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind sie zwischen 19 und 25 Jahre alt, «sie wurden alle in Frankreich geboren und haben die französische Staatsangehörigkeit». Bislang seien sie als Kleinkriminelle aufgefallen und vor nicht langer Zeit zum Islam übergetreten. Fünf der Festgenommenen wurden inzwischen aus Mangel an Indizien wieder auf freien Fuss gesetzt.
Bereits am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass die Mitglieder der Zelle offenbar Sprengsätze bauen wollten. Die Ermittler fanden bei Durchsuchungen Chemikalien, Druckkochtöpfe, die häufig als Behälter für selbstgebaute Sprengsätze verwendet werden, und Glühbirnen. Auch zwei Schusswaffen wurden gefunden.
Einer der Verdächtigen soll zugegeben haben, er habe eine Bombe bauen wollen. Er habe aber weder gesagt, gegen wen sie eingesetzt werden sollte oder ob er Komplizen hatte, so der Staatsanwalt weiter. Die Festgenommenen würden «in keiner Weise» mit den Behörden kooperieren.
Anschlag auf jüdisches Geschäft
Die Razzien vom Wochenende folgten einem Anschlag auf einen jüdischen Lebensmittelladen in der Pariser Vorstadt Sarcelles am 19. September. Zwei Maskierte hatten eine Granate in den Laden geworfen und dabei eine Frau leicht verletzt. Ziel der Attentäter sei es gewesen zu töten, sagte der Staatsanwalt. Deshalb werde nun wegen versuchten Mordes ermittelt. Dem Staatsanwalt zufolge waren an dem Anschlag insgesamt fünf Menschen direkt oder indirekt beteiligt. Unklar ist aber noch, ob die beiden Angreifer festgenommen werden konnten.
(agenturen/krua)







